Entspannt liegt Tony Schneider aus Oberentfelden im blauen Stuhl. In seinem rechten Arm steckt eine Nadel. Neben ihm ein Beutel, der sich rasch mit seinem Blut füllt. Zum 100. Mal spendete er gestern im Blutspendezentrum Aargau-Solothurn Blut. 100-mal liess er sich während der letzten gut 40 Jahre freiwillig in den Arm piksen. 100-mal spendete er jeweils viereinhalb Deziliter Blut seiner Blutgruppe 0 positiv. Das sind insgesamt 45 Liter Blut, so viel wie in acht menschlichen Körpern fliesst.

Polizei warb für Blutspenden

«Eine Topleistung», sagt Jörg-Peter Sigle, Leiter des Blutspendezentrums, das sich im Kantonsspital Aarau befindet. Er liess es sich nicht nehmen, Tony Schneider persönlich zu danken. Auch erhielt der treue Blutspender einen Blumenstrauss und einen Coop-Gutschein im Wert von 100 Franken. «Den werde ich wohl meiner Frau geben müssen», sagte Tony Schneider mit einem schelmischen Lachen.

Das regionale Blutspendezentrum weiss Langzeitspender, wie es der Oberentfelder einer ist, zu schätzen. «Sie sind unser Fundament. Sie kennen unsere Abläufe und bilden den Grundstock für unsere Blutversorgung», sagt Sigle. Das Blutspendezentrum habe mehrheitlich Langzeitspender, die in der Regel vier Mal im Jahr Blut spenden.

1967 ging Tony Schneider erstmals zur Blutspende. Die Kantonspolizei, bei der er damals arbeitete, warb für diese Aktion. «Ich bin gesund und will kranken Menschen helfen», beschreibt er seine Beweggründe. «Vielleicht bin ich irgend einmal auf das Blut anderer Menschen angewiesen.»

In den ersten Jahren befand sich das Blutspendezentrum in der heutigen Notfallaufnahme des Kantonsspitals. Tony Schneider erinnert sich an Schwester Martha, wie sie ihn jeweils lächelnd begrüsst hatte. Nie habe er sich schwindlig gefühlt nach der Blutentnahme. Ein einziges Mal durfte er kein Blut spenden, weil er Medikamente nehmen musste. Seine Spendekarten hat er alle aufbewahrt, acht an der Zahl. «Wie Jasskarten lassen sie sich auffächern», so Schneider.

Was tut er, um seinen Blutdruck stabil zu halten? «Jeden Tag ein Bier oder ein Glas Wein trinken. Das hilft.»Schneider ist auch sonst aktiv: Er betreibt Sport, spielt Tennis und singt in zwei Chören mit.

20 000 freiwillige Spender

Weil Tony Schneider nächste Woche 70 Jahre alt wird, spendete er gestern zum letzten Mal Blut. Ein bisschen Wehmut verspürt er schon. «Hier ist alles persönlich und wir kennen einander. Die Wertschätzung für die Blutspender ist gross.»

Mit 70 sei mit Blutspenden Schluss, sagt Leiter Jörg-Peter Sigle. Nicht weil ältere Menschen schlechteres Blut, sondern mehr Blutstörungen als junge Menschen haben. Auch die Frau des treuen Oberentfelder Blutspenders konnte deswegen nicht mehr in die Blutspende gehen.

Das Blutspendezentrum Aargau-Solothurn zählt jährlich 20 000 Freiwillige. Ihr Blut wird im eigenen Labor verarbeitet und in der Region eingesetzt.