Küttigen
45 Jahre in der Feuerwehr – für Hans Balz war sie «wie ein Virus»

45 Jahre seien genug, findet Hans Balz und verlässt per Ende Jahr die Feuerwehr. 440 Einsatzstunden hat er geleistet, 1685 bei Übungen. Die Feuerwehr sei «etwas fürs Leben gewesen». Dabei rückte er ursprünglich nicht mit Freude ein.

Janine Müller
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Das Dienstbüechli ausfüllen: Das war nur eine von vielen Aufgaben von Hans Balz. ZVG

Das Dienstbüechli ausfüllen: Das war nur eine von vielen Aufgaben von Hans Balz. ZVG

ZVG/Fluor Georg

Von der Stube der Familie Balz aus führt eine Tür ins Reich von Noch-Feuerwehrmann Hans Balz. Ein Holzcheminée, eine kleine Bar aus Holz und ein grosser Tisch: Hier haben schon viele Feuerwehrmänner einen glatten Abend verbracht.

Modell-Feuerwehrautos, ein Puzzle-Feuerwehrauto und Feuerwehrautos aus Plüsch zeugen von Balz Leidenschaft für die Feuerwehr. Orden und Abzeichen hängen fein säuberlich aufgereiht an den Wänden. Stolz weist Balz auf ein eingerahmtes Schreiben, signiert vom Küttiger Gemeinderat. «Das haben sie mir zum Dank geschickt», sagt Balz. «Das hat mich sehr gerührt.» Auch eine grosse Fotocollage ziert die Wand. Die hat er von seinen Kameraden erhalten.

Die Weggefährten äussern sich positiv zu Balz. «Hans war ein guter Kamerad und eine treue Seele», sagt Stefan Hauenstein, Feuerwehrkommandant in Küttigen. Und zuverlässig sei er gewesen.

Schlimm waren Unfälle

Nach 45 Jahren in der Feuerwehr ist Ende Jahr Schluss. Balz verlässt die Feuerwehr. Wehmut überkommt ihn, wenn er an das nahe Ende denkt. Und doch wird er nicht alles vermissen. «Schlimm waren die tödlichen Unfälle mit Töffs und Autos. Oder Ereignisse, bei denen Familien mit Kindern betroffen waren», sagt er. Die Erlebnisse konnte er dank Gesprächen mit den Kameraden gut verarbeiten.

Ein Einsatz bleibt Balz in besonderer Erinnerung: Es war Ende Februar 1999, der Nordhang des Küttiger Brunnbergs kam ins Rutschen. Eine Schlammlawine, ausgelöst durch Felsstürze, Schneeschmelze und starke Regenfälle, bedrohte das Wohngebiet an der Benkenstrasse. Für die Feuerwehr, die eng mit dem Zivilschutz und dem Militär zusammenarbeitete, eine Ausnahmesituation. Mittendrin Hans Balz. 69 Stunden stand er im Einsatz; er war kaum noch zu Hause. «Da hat sich die Familie das erste und einzige Mal über mein Hobby beklagt», erinnert sich Balz.

Widerwillig in den Dienst getreten

Der bald 65-Jährige könnte aber nicht auf 45 Jahre Feuerwehr-Karriere zurückblicken, wäre er 1969 in Uerkheim nicht rekrutiert worden. Mehr widerwillig als freudig rückte er in den Feuerwehrdienst ein. «Ich musste einfach. Da konnte man nicht aus irgendeinem Grund absagen», erinnert sich Balz.

Über all die Jahre ist er der Feuerwehr erhalten geblieben. 440 Stunden hat er bei Einsätzen geleistet, 1685 bei Übungen. 1977 wechselte Balz den Job. Er zog von Uerkheim nach Küttigen. Die Feuerwehr verlassen hat er aber nicht. «Die Feuerwehr war wie ein Virus», sagt Balz. Bis er 50 Jahre alt war, diente er in der Atemschutztruppe, dann wechselte er ins Büro. «Altershalber», sagt der ehemalige Gemeindeangestellte, der vor gut eineinhalb Jahren in die Pension ging.

Balz hat keine Angst, dass er nach der Abgabe seines Amts in ein Loch fällt. Er habe genug zu tun: Töff fahren, fischen, lesen und sich ums Haus kümmern.