Im Aargau gibt es etliche Klein- und Kleinstschulen. Das ist auch der FDP-Fraktion aufgefallen. Sie ist der Ansicht, dass weniger, dafür grössere Schulen kostengünstiger wären, ohne dass dabei die Qualität der Bildung leiden würde. Zudem könnte auf diese Art auch einem allfälligen Lehrkräftemangel entgegengewirkt werden.

Die FDP-Fraktion glaubt weiter, dass Schulschliessungen aber auch verhindert werden können, wenn mehrere Gemeinden die Schulraumplanung gemeinsam angehen würden und so den vorhandenen Schulraum optimal nutzen täten. In einer Interpellation hat sie dem Regierungsrat eine Reihe von Fragen zur Thematik «effizienter Einsatz des Bildungsfrankens» gestellt.

Vorwiegend kleine Schulen

Der Regierungsrat hat nun mit einem achtseitigen Bericht auf die Fragen und Anregungen der FDP-Fraktion reagiert. Im Schuljahr 2015/2016 gab es im Kanton Aargau 195 Primarschulen mit insgesamt 37 706 Schülerinnen und Schülern. 82 Primarschulen (42 Prozent) weisen weniger als 100 Schülerinnen und Schüler auf und müssen damit grundsätzlich mehrklassige Abteilungen bilden. Das bedeutet, dass in einer Klasse mehrere Schuljahrgänge parallel unterrichtet werden.

In 51 Primarschulen (26 Prozent) werden zwischen 100 und 200 Schülerinnen und Schüler unterrichtet; 62 Primarschulen (32 Prozent) weisen mehr als 200 Schülerinnen und Schüler auf.

Mindestgrösse von 65 Schülern

Generell führen grössere Abteilungen dazu, dass weniger Kosten pro Schülerin oder Schüler anfallen. Und grössere Abteilungen sind tendenziell an grösseren Schulen anzutreffen. Allerdings gilt diese Aussage nicht absolut. Denn die Grösse der gebildeten Abteilungen hängt stark von der Verteilung der Schüler auf die Schuljahrgänge ab, weiter von der Quartiersituation und der Organisationsform der Schule.

Unbestritten ist, dass die Lohnkosten für den Regelunterricht in der Tendenz mit der Anzahl Schülerinnen und Schüler sinken. Sehr kleine Schulen weisen häufig überdurchschnittliche Lohnkosten für den Regelunterricht auf. Diese könnte vermieden werden, bestätigt der Regierungsrat, wenn eine mittlere Schulgrösse festgelegt würde. Als Mindestgrösse definiert der Regierungsrat 65 Schülerinnen und Schüler. Ab dieser Grösse liegen die Kosten pro Schulkind und Jahr ziemlich einheitlich bei höchstens 10 000 Franken.

Sparpotenzial von 2 Millionen

Bei einer gesetzlich festgelegten minimalen Schulgrösse von 65 Schülerinnen und Schülern müssten wohl die 44 betroffenen Schulen geschlossen werden. Die Gemeinden müssten ihre Schulkinder in eine benachbarte grössere Gemeinde schicken. Was in der grösseren Gemeinde dann aber allenfalls wieder zu Investitionskosten führt, weil zusätzlicher Schulraum benötigt wird.

Doch beim Bildungsdepartment mach man sich keine Illusionen. Es dürfe von den genügend grossen Gemeinden nicht erwartet werden, dass diese Schülerinnen und Schüler freiwillig in zu kleine Gemeinden abgeben, damit dort die Abteilungs- und Schülerzahl die neu geforderten Grössen erreichen. Die Zusammenarbeit von Kleinst- und Kleinschule funktioniere in der Regel gar nicht, hält der Regierungsrat in seinem Bericht fest. Und die «Verbannung» von Schülerinnen und Schülern an die Schule im Nachbardorf führe regelmässig zu Rekursen der Eltern.

Theoretisch liessen sich durch die Schliessung von 44 Schulen pro Jahr rund zwei Millionen Franken sparen. Davon abzuziehen wären dann aber wiederum die zusätzliche Infrastruktur- und Transportkosten.

Fazit: Die Kosten pro Schüler sinken, je mehr Abteilungen eine Schule hat. Mit der für das Schuljahr 2020/21 geplanten Neuressourcierung der Volksschule wird eine Schülerpauschale eingeführt. Innerhalb dieser Pauschale sind die Schulen angehalten, die Ziele der Volksschule zu erreichen.

Zurzeit läuft ein Schulversuch mit elf beteiligten Schulen. Weil also ohnehin eine grundsätzliche Systemänderung ansteht, möchte der Regierungsrat keine kurzfristigen Änderungen vornehmen.