Hunderttausende von ihnen leben in Schweizer Städten eng aufeinander. Sie verursachen Dreck, machen Lärm und verschandeln nicht selten Denkmäler oder Gebäude. Mit ihrer Lebensweise und vor allem auch durch ihre Abfälle ermöglichen sie den Stadttauben schon seit dem Altertum ein Leben im Saus und Braus. Das ist auch in Aarau ein Problem.

3000 bis 4000 Tauben, so schätzt Taubenzüchter Giuseppe Graziano, leben hier neben 20000 Menschen. Viel zu viele für einen gesunden Bestand. Denn durch den Überfluss an Nahrung und die Gräben in der Altstadt, die sie vor allen Feinden schützt, überleben in der Stadt auch kranke Tiere. Noch dazu werden sie von tierlieben Menschen gefüttert. «Die Leute meinen es gut, wenn sie den Tauben Futter geben», sagt Graziano, «doch eigentlich verlängern sie dadurch nur das Leiden der Tiere.»

Kein Gift, dafür Geduld

Die Tochter von Giuseppe Graziano, Claudia Graziano, wurde vor rund einem Jahr von der Stadt Aarau angestellt, um sich der Überpopulation an Tauben anzunehmen. Sie wird von ihrem Vater mit Rat und Tat unterstützt. Dies als Reaktion auf den immer grösser werdenden Bestand. Auch Anwohner hatten sich über die Tauben und ihren Dreck beschwert.

Nun rückt Claudia Graziano den Tauben zu Leibe. Jedoch nicht mit Gift oder Anti-Babypille, sondern mit viel Geduld. Dabei greift sie auf den Erfahrungsschatz ihres Vaters zurück. Denn seit acht Jahren ist Giuseppe Graziano in Olten für zwei Taubenschläge verantwortlich. Hier konnte er den Bestand von schätzungsweise 3000 Tauben auf 400 reduzieren. Das gelang ihm unter anderem, weil er in den Taubenschlägen Eier mit Gips-Attrappen austauschte und den Vögeln so einen sicheren Nistplatz vorgaukelte, ohne, dass sie je Nachwuchs aufziehen konnten. Dies wird nun auch in Aarau so gemacht.

Im Taubenschlag beim Kasinopark können bis zu 80 Tiere nisten. Er besteht bereits seit zehn Jahren und wurde vor einem Jahr stark vergrössert. Zuvor hatten sich zwei Jahre lang Tierpfleger um den Schlag gekümmert, den Tieren Futter gegeben und geputzt, den Bestand jedoch nicht kontrolliert. «Das war etwas unglücklich», sagt Graziano, der Taubenschlag sei zu klein gewesen und habe daher mehr als Futterstelle fungiert, als sonst etwas. «So hat man eher das Gegenteil von dem bewirkt, was man eigentlich wollte.» Jetzt, wo der Taubenschlag grösser ist, hofft das Duo Graziano den Bestand nach und nach wieder in den Griff zu bekommen. «Wünschenswert wäre aber noch ein weiterer Taubenschlag.»

Kleiner, gesunder Bestand

Wie viele Tauben in Aarau in Einklang mit ihren Artgenossen und auch den Anwohnern leben können, können die Grazianos nicht sagen. Um den Bestand wirkungsvoll zu dezimieren komme man jedoch nicht darum herum, auch Tiere zu töten.

Das bestätigt auch Lisa Kaufmann von der Umweltfachstelle Aarau. «Da die Population an Tauben in Aarau so hoch ist, sind viele der Tiere krank», sagt sie. Die Grazianos entfernen diese aus dem Bestand und würde auch in den Ehgräben in der Altstadt Gelege von Tauben und kranke ausgewachsene Tiere entfernen. «Mit dieser Massnahme, der Geburtenkontrolle und wiederkehrenden Aufklärungsaktionen möchten wir einen kleineren und gesunden Bestand erreichen.»

Taubenzüchter Heinz Baumann aus Rothrist kümmert sich um die Tauben.

Taubenzüchter Heinz Baumann aus Rothrist kümmert sich um die Tauben.