Küttigen

36 Millionen: So viel kostet die Sanierung der ehemaligen Deponie «Ritzer»

Provisorische Arbeiten auf dem «Ritzer».

Provisorische Arbeiten auf dem «Ritzer».

An der Gemeindeversammlung Küttigen wurde die gewaltige Zahl bekannt gegeben. Auch Aarau – als Deponiebetreiberin – muss einen Beitrag zahlen.

Im Grossraum Aarau ist man sich einiges gewöhnt, was sie Sanierung von Altlasten betrifft. Schliesslich dürfte die Sanierung der Sondermülldeponie Kölliken (SMDK) am Schluss gegen 900 Millionen Franken kosten. Und eben erst wurde in Hirschthal eine «Schutti» für 1,6 Millionen Franken ausgebaggert.

Ein ganz grosser Brocken kommt nun auf Küttigen zu – und die Stadt Aarau muss als Deponiebetreiberin mitzahlen. «Wir rechnen bei der Sanierung des ‹Ritzer› mit Kosten von rund 36 Millionen Franken», erklärte am Mittwoch Gemeindeammann Tobias Leuthard an der Gemeindeversammlung.

Der «Ritzer» müsse während 60 Jahren saniert und überwacht werden. Leuthard konnte wenigstens in einer Beziehung Entwarnung geben: Es ist keine Ausgrabung wie in Kölliken nötig. Man werde auf die Mineralisierung, den natürlichen Abbau, setzen. Dafür sei aber eine gute Entgasung und eine gute Entwässerung notwendig.

Der Hauptteil der Kosten wird in den ersten drei bis vier Jahren der Sanierung anfallen. Sie werden aber Küttigen, so Leuthard, «finanziell nicht aus dem Gleichgewicht bringen». Erstens, weil Bund und Kanton 70 Prozent übernehmen. Etwas über 25 Millionen Franken. Zweitens, weil der Rest auf Küttigen und die Stadt Aarau aufgeteilt werden kann.

Noch sind die Verhandlungen nicht ganz abgeschlossen. Es zeichne sich eine 50 zu 50 Prozent Lösung ab, so Leuthard. Also je zwischen 5 bis 6 Millionen Franken. Die kann Küttigen mit seinem Steuerfuss von 100 Prozent relativ gut stemmen, auch wenn das Dorf sich in einer grossen Investitionsphase befindet.

Wieder wegen des «Ritzer»: Nach dem Kunstrasen (Einweihung April 2018) beginnt dort demnächst der 3,4 Millionen Franken teure Bau des neuen Garderobengebäudes (plus 750000 Franken für Schutzräume).

1977 gabs auf ehemaliger Deponie Fussballplätze

Das Gebiet zwischen Tennisplatz, Badi und Bibersteinerstrasse war bis in die 1950er-Jahre ein Steinbruch. 1957 erwarb es die Gemeinde Küttigen von den Jura-Cement-Fabriken. Ab 1958 betrieb die Stadt Aarau dort eine Deponie. Nach 15 Jahren war das Loch gefüllt – zu einem schönen Teil mit Küttiger Kehricht.

Ab 1977 wurde der «Ritzer» als Sportanlage genutzt. Da es sich aber um eine Reaktordeponie handelt, traten immer wieder Gase aus, was im Sommer 2017 letztmals für grössere Probleme sorgte. Das Hauptproblem neben den Gasen besteht aber darin, dass sich der Boden massiv senkt.

An der Gemeindeversammlung vom Mittwoch wurden alle Geschäfte problemlos genehmigt. Auch die Einbürgerung einer fünfköpfigen irakischen Familie, die vor zwei Jahren noch abgelehnt worden war. Es wurde wieder bemängelt, dass die Mutter nicht dabei war. Doch mit 100 zu 25 Stimmen war der Fall klar. «Willkommen in Küttigen», so Vizeammann Thomas Kaspar.

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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