«So viele Leute haben wir nicht erwartet», meinte Georg Brändli, als er am Freitagabend rund 70 interessierte Aarauerinnen und Aarauer im Atelier Bleifrei zur ersten Veranstaltung der Sommerakademie begrüsste.

Das heute über weite Teile brachliegende Industriegebiet Torfeld Süd ist grösser als die Altstadt. Dies zeigt, welche Bedeutung diesem Stadtentwicklungsgebiet zukommt. Und welche Sorgfalt es verdient.

Dies machten die beiden Referenten deutlich: Felix Fuchs als Stadtbaumeister und Stefan-Martin Dambacher, Leiter Entwicklung bei der Immobiliengesellschaft Mobimo AG, welcher der Westteil des Gebiets gehört. Im Ostteil plant das Bauunternehmen HRS, der zweite grosse Grundeigentümer auf dem Platz, das neue Fussballstadion. Es wird im Herbst nochmals öffentlich aufgelegt, sodass im Frühjahr 2013 die Baubewilligung erfolgen könnte.

Büronutzungen und Dienstleistungsbetriebe, Kleingewerbe und Gastrobetriebe, Wohnen und Industrie sowie Sport werden im Torfeld Süd Platz haben. Felix Fuchs gab ein paar Zahlen dazu: 320 Wohnungen, das sind 21 mal mehr als heute, 1300 Arbeitsplätze, zweimal mehr als heute. Und Fuchs ist überzeugt, dass man auf dem richtigen Weg ist. Gemäss Fuchs wird hohe städtebauliche Qualität erreicht: attraktive öffentliche Räume und Wege, Anbindung an die Stadtbahn WSB, Erhalt von identitätsstiftenden alten Bauten (vorrangig die Aeschbachhalle), breites Spektrum von Nutzungen, hohe stadtökologische Qualität durch die Vernetzung der Grünräume, grosszügiger öffentlicher Park. Dies ist, so Fuchs, «möglich, ohne dass die Massstäbe von heute gesprengt werden».

Erstmals kam 2003 Bewegung ins Gebiet. Im Torfeld Süd sollte Tabula rasa gemacht werden und ein Mittellandpark entstehen. «Eine überzogenes Projekt, die private Initiative war zu dominant», erklärte Felix Fuchs dessen Scheitern. Nach einer Denkpause wurde die Gebietsentwicklung im Torfeld Süd 2007 neu aufgegleist. Der Standort des Stadions wurde nochmals analysiert. «Er ist der richtige», ist Fuchs nach wie vor überzeugt. Dreimal hat das Stimmvolk diese Meinung an der Urne bestätigt.

Stefan-Martin Dambacher erklärte aus Sicht der Mobimo AG die Entwicklung des Gebiets, die durch die Vorgeschichte mit Mittellandpark, durch das Fussballstadion, die Rockwell Automation als wichtigem Arbeitgeber und die städtebaulichen Relevanz ausserordentlich komplex und herausfordernd war.

Im Juni 2010 haben die Stimmberechtigten den Gestaltungsplan samt Sonderbauvorschriften abgesegnet – mit 70 Prozent, was Dambacher als grossen Vertrauensbeweis wertet. Ende Jahr werden die Baueingaben sukzessive erfolgen. Dambacher rechnet mit dem Bezug der Liegenschaften ab 2015.