Aarau

30 Millionen für 80 Hotelzimmer – gegen diese Projekte hat sich der neue «Aarauerhof» durchgesetzt

Seit zwei Wochen ist klar, wie das neue Hotel beim Bahnhof Aarau aussehen soll. Am Donnerstagabend wurden nun alle acht Studienprojekte im Sorell Hotel Aarauerhof vorgestellt – und die Gastronomiegruppe ZFV verriet, was sie an der prominenten Lage im Detail plant.

«Glaspalast», «unschöner Fremdkörper», aber auch «sieht toll aus, bravo». So reagierten die Leser auf aargauerzeitung.ch auf die ersten Visualisierungen des neuen «Aarauerhofs».

Die Gebäudebesitzerin, die Zürcher Gastronomiegruppe ZFV, hatte einen Studienwettbewerb veranstaltet, um einen Ersatzneubau für das Anfang der 1970er-Jahre von Stararchitekt Justus Dahinden gebaute Hotelgebäude zu entwerfen. Der Kostenrahmen für den Neubau liegt bei knapp 30 Mio. Franken.

Bekannt war bislang bloss, dass das Siegerprojekt von «:mlzd Architekten» aus Biel stammt. Am Donnerstagabend wurden nun alle acht Studienprojekte im Sorell Hotel Aarauerhof vorgestellt. Jetzt weiss man, dass das Siegerprojekt den Namen «Mula» trägt und nicht einstimmig, sondern per Mehrheitsentscheid der elfköpfigen Jury ausgewählt wurde.

Und nun ist auch bekannt, an wen die anderen Podestplätze gingen: Auf Rang 2 landete das Projekt «Polygram» des Architekturbüros «agps.architecture» aus Zürich. Rang 3 ging an Graber Pulver Architekten AG, Zürich, für den Entwurf «Campari». Unter den weiteren Teilnehmern findet man das Architekturbüro Theo Hotz Partner AG (Zürich), das schon den Bahnhofneubau entworfen hat.

Dabei sind auch zwei renommierte Aarauer Büros (Frei Architekten AG und Kim Strebel Architekten AG) sowie LUCA SELVA AG (Basel) und Annette Gigon/Mike Guyer (Zürich).

«Mula» im Detail

Das Siegerprojekt ist als eine Absichtserklärung zu verstehen: Beschlossen ist noch nichts, aber die Richtung vorgegeben. Die Baueingabe erfolgt bestenfalls Ende Jahr und ist auch davon abhängig, wie rasch die neue Bau- und Nutzungsordnung rechtskräftig wird. Inbetriebnahme ist frühestens gegen Ende 2021.

Laut Andreas Hochstrasser, Leiter Immobilien bei der ZFV und Mitglied der Jury, steche das Siegerprojekt unter anderem durch die grosse Nutzungs- und Gestaltungsflexibilität heraus. Der Bau wird acht oberirdische und zwei unterirdische Geschosse haben. Mindestens zwei, denn die Jury fordert explizit, dass die Machbarkeit eines dritten UG geprüft werden muss, weil die vom Architekturbüro bisher eingeplanten 30 Parkplätze zu wenig seien.

Die Planer hatten noch argumentiert, dass «unter Berücksichtigung der Baugrubensituation und der infrastrukturell absolut zentralen Lage» der Aufwand für zusätzliche Parkplätze nicht gerechtfertigt sei. Die Tiefgarage ist über dieselben Zu- und Ausfahrten erschlossen wie das Bahnhof-Parking.

Im Erdgeschoss, «als transparentes und allseitig offenes Geschoss geplant», befindet sich die Réception (Richtung Strasse), ein grosses Restaurant mit Aussensitzplätzen und eine Gewerbefläche. Es sind vier Eingänge geplant, einer an jeder Gebäudeseite. Die Vorfahrt befindet sich an der Bahnhofstrasse.

Viel Einblick in Hotelzimmer?

Darüber folgen vier Etagen mit je 20 Hotelzimmern. Diese sind «dem Gästeprofil angemessen und ohne grosse Überraschungen», so der Architekturbericht. Die raumhohen Fenster sollen mit zwei unterschiedlich dichten Vorhängen ausgestattet werden. Auf der Aussenseite hat es zudem eine Sonnenschutz-Markise.

So könne «der Grad der Intimität durch den Nutzer beliebig auf seine Bedürfnisse angepasst werden», schreiben die Architekten. Die Jury mahnt jedoch, dass «der Privatheit der Gäste» bei der Überarbeitung genügend Aufmerksamkeit geschenkt werden muss.

Über den Hotel-Etagen liegt der zweigeschossige Seminar-Bereich. Die einzelnen Räume lassen sich in der Grösse flexibel gestalten. In der unteren Etage befinden sich zwei grosse Säle, in denen je bis 240 Personen Platz finden. Die obere Seminar-Etage weist kleinere Räume auf.

Rooftop-Bar oder Wohnungen?

Zuoberst, im Dachgeschoss, verfolgten die Planerteams zwei Varianten. Entweder sollen hier Wohnungen entstehen, je zwei mit 4¼ und 3½ Zimmern. Oder dann eine grosse Rooftop-Bar mit «360°-Rundum-Erlebnis», sprich: Aussenbereich um das ganze Gebäude herum. Und zwar mit Fernsicht.

Denn das Gebäude wird 30 Meter hoch und gilt damit noch nicht als Hochhaus. Die neue Bau- und Nutzungsordnung würden 33 Meter erlauben, doch «die Mehrhöhe steht in keinem Verhältnis zu den Beschwernissen, welche auf ein Gebäude in der Hochhauskategorie (zumal im Kanton Aargau) warten».

Die Jury hält in ihrem Bericht indes fest: «Es gilt dafür zu sorgen, dass sowohl im Erdgeschoss wie auch im Dachgeschoss öffentliche beziehungsweise halböffentliche Nutzungen platziert werden.» Die Variante Wohnungen stehe demnach nicht im Vordergrund, bestätigt Andreas Hochstrasser gegenüber der AZ.

In den Zimmer-Geschossen hat die Fassade textile Ausstellmarkisen, laut Architekturbericht eine Reverenz an die Hotelarchitektur des 19. Jahrhunderts. Die «feinen, dunklen Fassadenprofile wirken wie ein edler Business-Anzug», heisst es weiter. «Ähnlich wie bei der Kleidung nimmt sich das dunkle Volumen etwas zurück und wirkt optisch subtiler und angemessener.»

Untergeschosse und Erdgeschoss werden aus Beton erstellt. Dieser zieht sich im Erschliessungskern bis nach oben. In den Obergeschossen ist das Tragwerk aus Stahl.

Weitere Projektpräsentation: Mittwoch, 13. März, 17.30 – 20 Uhr, Hotel Aarauerhof, Seminarraum 1. OG

So schön ist die Aarauer Altstadt:

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