Aarau
25 Jahre Flösserplatz: Noch nicht erwachsen – und das ist gut so

Im Jugendkulturhaus Flösserplatz ist fast nichts mehr so, wie es bei der Eröffnung vor 25 Jahren war. Denn seit 1998 hat das Eventlokal, im Rahmen des damals neuen Jugendkonzepts, einen Leistungsvertrag mit der Stadt abgeschlossen.

Katja Schlegel
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Dem Flössi-Team mit Frank Fischer, Nicole Sommerhalder und Marco Hagenbuch (v.l., es fehlt Etienne Renevey) bleibt noch viel zu tun.

Dem Flössi-Team mit Frank Fischer, Nicole Sommerhalder und Marco Hagenbuch (v.l., es fehlt Etienne Renevey) bleibt noch viel zu tun.

Chris Iseli

Das wird gut. Aber knapp. Noch hängt der Geruch nach frischer Farbe in der Luft, noch klebt schützender Plastik über dem Chromstahl, noch sind die Stangen für die Scheinwerfer leer, die Discokugeln liegen in den Kartonschachteln. «Es gibt noch so viel zu tun und die Zeit rennt», brüllt Frank Fischer gegen markdurchdringendes Presslufthammergedröhn an. Aber schön wird es, Daumen hoch.

Noch ein paar Tage, dann muss hier alles fertig sein. Dann wird gross gefeiert: Das Jugendkulturhaus Flösserplatz wird 25 Jahre alt. Seit drei Monaten arbeiten Gesamtleiter Frank Fischer und sein Team gemeinsam mit vielen Freiwilligen auf dieses Jubiläums-Wochenende hin. Wände wurden eingerissen, andere tapeziert, verputzt und gestrichen, da wurde abgedeckt, dort verschweisst oder ausgeräumt. Nebst einer neuen Bar werden die Flössi-Besucher eine komplett neu gestaltete Tanzfläche antreffen. Die Wände sind schwarz angemalt, die gefliesten Treppenstufen mit Chromstahl verkleidet worden. «Der Schwimmbadcharakter ist verschwunden», sagt Fischer in eine Presslufthammerlärm-Pause hinein. Und das ist noch längst nicht alles.

Flösserplatz

Erste Schwulendisco der Stadt

25 Jahre ist dieser Ort für Jugendliche nun alt. In den ersten Jahren nach der Gründung ein Jugendtreff, mal mit Mittagstisch, mal ohne, und mit der ersten Schwulendisco in der Stadt. Alles Mögliche habe man damals an Veranstaltungen ausprobiert, sagt Fischer, bis sich hier eine Clique so stark eingenistet hatte, dass andere Jugendliche fernblieben. Dann kam 1998 der Schnitt, «der Break», wie Fischer sagt: Im Rahmen des neuen Jugendkonzepts wurde ein Leistungsvertrag mit der Stadt abgeschlossen. Neu sollten Jugendliche nicht einfach nur mehr konsumieren, sondern selber etwas zur Programmgestaltung beitragen. «Mit Jugendlichen für Jugendliche» lautete das Motto.

Aus dem Jugendtreff wurde ein Jugendkulturhaus, in dem alles und jeder Platz und Raum bekommt. Und da kommt allerlei zusammen, querbeet durch alle möglichen Stilrichtungen, von der Gothik- über die Hip-Hop- bis hin zur Nu-Rave-Szene, von Minimal bis Punk-Rock. Wer eine Idee für eine Veranstaltung hat, landet bei Nicole Sommerhalder und Marco Hagenbuch, beide diplomierte Kulturmanager und Programmverantwortliche im Flössi. «Wir begleiten und unterstützen die Jugendlichen beim Organisieren und bei der Budgetplanung», sagt sie. Hat eine Party Erfolg, kann daraus schnell eine Partyreihe werden. Rund 20 000 Gäste kommen so pro Jahr, die Zahl hat sich da in den letzten Jahren eingependelt.

Ein Vierteljahrhundert hat das Flössi auf dem Buckel – und ist noch immer nicht erwachsen. Es ist über all die Jahre das Jugendkulturhaus geblieben, der Ort, an dem die 16-Jährigen zum ersten Mal in den Ausgang gehen. Dieses Image schreckt die Älteren ab. «Wer über 22 ist, kommt nur noch selten hierher, das können wir nicht ändern. Aber wir haben auch überhaupt kein Problem damit», sagt Fischer. Am Publikumszustrom habe auch die Schliessung des Clubs Kettenbrücke (KBA) vor einem Jahr nichts geändert. «Unser Veranstaltungsprogramm unterscheidet sich so stark von dem des KBA, das spricht dieses Publikum nur sporadisch an.»

Electro hat Hip-Hop abgelöst

Mit seiner Zielgruppe verändert sich im Flössi das Publikum alle zwei bis drei Jahre komplett. Doch nicht nur die Gesichter ändern sich, auch die Rahmenbedingungen, sagt Fischer. Viel hat er in den mehr als 12 Jahren erlebt, seit denen er das Jugendkulturhaus leitet, viel gesehen und registriert. Verändert habe sich für die Besucher beispielsweise das Heimkommen, die grössere Mobilität dank Nachtzügen.

Relativ neu sei auch das Vorglühen, das Trinken auf dem Weg in den Ausgang, die musikalischen Vorlieben – weg von Hip-Hop, hin zu elektronischer Musik – oder die Drogen. Hatten Junge früher meist Gras geraucht, gehe heute der Trend in Richtung chemische Drogen. «Wir tolerieren natürlich weder das eine noch das andere», sagt Fischer. Genau so wenig, wie Gewalt. Wobei auch hier eine Veränderung stattgefunden habe: «Seit vier, fünf Jahren wird deutlich weniger und weniger heftig geprügelt.»

Die Stadt stellt dem Flössi das Haus zur Verfügung, bezahlt Beiträge an den Unterhalt und die Löhne der Flössi-Leitungsteams. Nebst Fischer, Sommerhalder und Hagenbuch arbeitet noch Techniker Etienne Renevey im Team. Für die Betriebskosten muss es selber aufkommen. Eine weitere Veränderung wünschen sich die vier sehnlichst herbei: mehr Ressourcen. Fischer: «Seit 1998 sind die Stellenprozente mit 250 Prozent gleich geblieben, der Schulungsanteil und die Ansprüche aber kontinuierlich gestiegen.»

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