Oberentfelden

25 Jahre «Böröm Pöm Pöm»: Vom Kollegen-Treffpunkt zum modernen Konzertlokal

Ein Teil des humorvollen Teams des Rock-Lokals «Böröm Pöm Pöm» in Oberentfelden (v. l.): Manuela Meier, Philipp Wehrli, Natalie Bütikofer, Dominik Schibli, Gio Fidelio, Thomas Fricker.

In der Alten Bürsti in Oberentfelden finden am Freitag drei Jubiläumskonzerte statt.

Das «Böröm Pöm Pöm» liegt wie ein versteckter Schatz inmitten der Industriewerkstätten der Alten Bürsti in Oberentfelden. Von aussen her würde man nicht denken, dass im zweiten Stock von einem der vielen Gebäude ein komplett eingerichtetes Lokal mit Bar und Bühne drin ist.

Ein Rock- und Metal-Schuppen, der gar nicht chaotisch, sondern durchweg organisiert daherkommt und modern und einladend eingerichtet ist – nicht nur in Schwarz, sondern etwa auch in luftigem Hellgrün.

Es ist eine Konzertstätte, die über die Kantonsgrenzen hinaus Publikum anzieht, aber erstaunlich wenige aus dem nahe gelegenen Aarau. Und es ist nicht zuletzt auch ein Vereinslokal, in dem weitgehend noch die gleichen Freunde mitwirken wie zu Beginn.

Dieses Wochenende feiert das «Böröm», wie man es kurz nennt, 25 Jahre. Im November 1994 hatten eine Handvoll Freunde einfach einen Raum gesucht, in dem sie einen Billardtisch hineinstellen und gemeinsam ein paar Biere trinken konnten. Später kamen eine Darts-Wand, ein Töggelikasten und ein paar Sofas dazu.

Sie bauten eigenhändig eine Bar, dann eine Konzertbühne. Heute ist das «Böröm» eine Musikbar mit kompletter Bühnentechnik, Backstagebereich für Bands, Fumoir – oder «Fümöar», wie sie es nennen –, einem regelmässigen Programm und einer Bar, in der eine breite Auswahl an «Bierömpöms» (Bieren), «Minerölisches» (Minerals) und sonstigem Flüssigem angeboten wird.

Ein Nischenlokal für Rock, Metal, Punk und Grunge

Das «Böröm» blieb aber auch eine Art Vereinslokal, in dem sich alte Freunde regelmässig treffen. Die «Sörsdi-Bar» jeden zweiten Donnerstagabend hat inzwischen langjährige Tradition. Und das Lokal hat Hunderte Konzerte erlebt mit Bands aus der ganzen Welt. Dabei blieb es ein Nischenlokal für Rock- und Metal-Musik, manchmal auch für Punk oder Grunge und selten auch mal für ganz andere Musikstile, «sofern sie gut sind», wie es die Organisatoren sagen.

Künftig wird etwa der Kölliker Gogo Frei einmal im Monat seine Country- oder manchmal auch Schlager-Abende im «Böröm» aufführen. «Für uns ist das ein Experiment, auch weil es neu Konzerte unter der Woche geben wird», sagt Dominik Schibli.

Er ist Teil des neunköpfigen Teams, welches das Lokal heute führt. So richtige, in der Zeit stehen gebliebene Altrocker sind die heute Dreissig- und Vierzigjährigen nicht – oder noch nicht, vielleicht. Alle führen neben ihrem Einsatz im «Böröm» ein normales Leben, gehen normalen Jobs nach und setzten sich ehrenamtlich für ihr Lokal ein.

Alles Geld, das sie im «Böröm» einnehmen, wird in Gagen für die Bands oder ins Lokal investiert. Für grössere Anschaffungen, wie zuletzt eine neue Eismaschine, haben sie auch schon ein Crowdfunding im Internet lanciert. Diese Eismaschine wird nach dem Jubiläumswochenende eingeweiht. «Eine Eisweihung gibt das», sagt Philipp Wehrli, eines der «Börömer» aus erster Stunde, mit Humor.

Überhaupt kommen die Organisatoren als freundliche und vor allem humorvolle Truppe daher, die einen Spruch nach dem anderen reisst. Weiteres Beispiel: «Die Musik ist seit Beginn einer der wichtigsten Pfeiler des ‹Böröm› – neben dem Pfosten vor der Bühne», heisst es im offiziellen Beschrieb auf der Website des Lokals. Darauf angesprochen, führen sie den Gedankengang weiter: «Die Säule ist gut, die Bassisten der Bands verstecken sich jeweils gerne dahinter», zum Klischee, dass Bassisten schüchterne, einsilbige Wesen sind.

Bei einem sehr bewegten Konzert, bei dem das Publikum hin und her hüpft und jeweils kurz und heftig zusammenstösst – im Rock-Fachjargon nennt sich das «Pogo» – könnte der Pfosten vor der Bühne auch als «ein Fels in der Brandung» gesehen werden, sagen sie. Und nicht zuletzt werde der Pfosten an der Weihnachtsfeier des «Böröms» jeweils zu einem Tannenbaum geschmückt. «Dann ist er unser Tannenpfosten», sagt Manuela Meier humorvoll.

«Wir haben es Geschafft, nicht kommerziell zu werden»

Diese Leichtigkeit und erfrischende Art der Organisatoren macht das «Böröm» über weite Strecken aus. Es ist nicht etwa so wie im KIFF, wo alles grösser ist und die Mitwirkenden angestellt sind. Das «Böröm» hat noch was von etwas Selbstgemachtem: Ein Schuppen, in dem die Leute anpacken, so wie sie können.

Und wo nicht alles überteuert ist: Das war auch von Beginn weg ein Anliegen. Die Preise an der Bar sind erschwinglich, der Eintritt zu einem Konzertabend kostet kaum mehr als 30 Franken für drei Bands. «Wir haben es geschafft, nicht kommerziell zu werden», sagt Dominik Schibli. Zudem seien die kleinen Konzerte, die keine Riesenschar anziehen, oft gerade die legendärsten.

Ins «Böröm» kamen schon Bands aus Australien, die gerade in Europa auf Tournee waren. Und es sind schon Bands eigens aus Skandinavien nur für ein Konzert nach Oberentfelden gefahren. Nur den Aarauern fällt die relativ kurze Fahrt mit dem Tram offenbar schwer. «Es fährt halt kaum einer nach Oberentfelden einfach mal zum hineinschauen, was gerade läuft», sagt Dominik Schibli.

Leute, die einfach mal spontan hinaus in die Nacht wollen, bleiben wohl eher in Aarau, wo es viel mehr Alternativen gibt. «Selbst in Oberentfelden gibt es immer noch Menschen, die nicht wissen, dass wir existieren.»

Eine weitere Chance, das «Böröm Pöm Pöm» kennen zu lernen, gibt es an diesem Jubiläumswochenende: Nach einer Spezialausgabe des «Sörsdi» gestern Donnerstag spielen heute Freitag die Bands Rams, Newkillaz und The Monsignores.

Die letzten sind die beiden Nachfolgebands der Threekillaz, die im «Böröm» schon etliche memorable Konzerte gegeben hatten, sich aber letztes Jahr aufgelöst haben. Nur für das Jubiläumsfest stehen sie nun zum ersten Mal wieder am selben Abend auf derselben Bühne.

25 Jahre feiert man nun nicht alle Tage und das «Böröm» ist nun älter, als die Organisatoren es waren, als sie es gegründet hatten. Wie lange machen sie noch weiter? «So bis zum Pensionsalter wäre schon noch cool», sagt Natalie Bütikofer. Vielleicht also doch weitere 25 Jahre. Die Zeit wird es zeigen.

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