Aarau
200'000 Zündhölzer bilden den alten Bahnhof von Aarau

Seit 28 Jahren arbeitet Abílio Pereira am Modell vom Bahnhof Aarau. Er hat das ehemalige Bahnhofsgebäude und die Umgebung samt Post und WSB-Bahnhof hat er mit Zündhölzern nachgebaut. Nun möchte er es verkaufen.

Daniel Vizentini
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Aus 200 000 Zündhölzer wird der alte Bahnhof von Aarau.
12 Bilder
Pereira hat auf alle Details geachtet
Hier fehlt noch ein Gebäude
200000 Zündhölzer hat Pereira nach eigenen Angaben eingesetzt
So hat der frühere Bahnhofplatz ausgesehen
Auch die Wappen vor dem Postgebäude fehlen nicht
Die Sicht aus der nachmodellierten Hinteren Bahnhofstrasse
Dachfenster, Uhr und die alte Schrift – alles ist da
Beim Bahnhofplatz fehlt lediglich ein Gebäude
Mit dem Nachbau des Bankgebäudes möchte Abílio Pereira sein Werk vollenden
Hier fährt der Zug im Zundhölzlibahnhof ein
So wird das Modell mit dem alten Bankgebäude aussehen

Aus 200 000 Zündhölzer wird der alte Bahnhof von Aarau.

Emanuel Freudiger

Wenn sich jemand heute wieder vor Augen führen möchte, wie der Aarauer Bahnhof früher ausgesehen hat, kann er nur noch auf alte Bilder zurückgreifen - oder sich das Modell von Abílio Pereira anschauen gehen. Das ehemalige Bahnhofsgebäude und die Umgebung samt Post und WSB-Bahnhof hat er mit Zündhölzern nachgebaut.

Jedes Bänklein, Schild oder Gleis, jede Strassenlampe oder Telefonkabine ist an exakt dem Ort, an dem es mal gestanden ist. «Genau so habe ich den Bahnhof zum ersten Mal gesehen, als ich 1982 in die Schweiz kam», sagt der in Angola geborene Portugiese.

Sein Bahnhofnachbau war schon in der Hirslanden-Klinik, wo Pereira arbeitet, und im Gebäude der NAB ausgestellt. Nun möchte er sein Werk verkaufen. «Ich habe es jahrelang bei mir gehabt. Doch es bringt nichts, wenn es hier im Keller herumsteht», sagt er. Zudem wolle sein Sohn dort ein DJ-Studio einrichten.

Zwei Anfragen hat Pereira bisher erhalten. Sein Werk möchte er aber lieber der Stadt Aarau oder der SBB verkaufen, damit es öffentlich zugänglich gemacht wird. «Ich möchte, dass meine Enkelkinder das Werk später bestaunen und sagen können: ‹Das hat mein Grossvater gemacht.›»

Geduldiges Basteln als Ausgleich

«Ich denke, die Leute in Aarau können sich schon nicht mehr an den alten Bahnhof erinnern», sagt Pereira. Warum hat er so viel Zeit in den Nachbau investiert? «Das geduldig Kleben und Warten - das fasziniert mich.» Sonst sei er eher der hyperaktive Typ. «Wenn ich anderen erzähle, dass ich sowas mache, glauben die mir nicht.» Im Winter habe er oft zuhause an seinem Modell gearbeitet. «Kälte mag ich nicht, da ziehe ich mich gerne zurück.»

«Was notieren Sie denn da?»

Pereira zeigt auf eine Sitzbank auf seinem nachgebauten Bahnhofplatz. «Auf dieser Bank bin ich immer gesessen, habe Skizzen gezeichnet und Notizen gemacht», sagt er und fügt eine Anekdote bei: «Immer wieder bin ich dort von der Fremdenpolizei kontrolliert und gefragt worden, was ich denn da mache und aufschreibe.»

Dank Bekannten, die im ehemaligen Bahnhofsrestaurant Buvette arbeiteten, durfte er auf die Dachetagen des alten Bahnhofs steigen und von dort aus Skizzen vom Bahnhofplatz machen. Vor drei Jahren erst hat er angefangen, das ehemalige Gebäude der Kantonalbank nachzubauen. «Ich habe einen bekannten angefragt, der beim Abbruch des Gebäudes mitgearbeitet hat. Er hat mir Bilder von der alten Fassade gegeben.»

Den neuen Bahnhof möchte er nicht nachbauen? «Das wäre zu einfach. Wegen der vielen Glasscheiben könnte man nur wenige Hölzchen zusammenkleben.» Er möge alte Bauten, weil sie meistens viele Details aufweisen. Für das Modell des alten Bahnhofs habe er 200 000 Zündhölzer gebraucht - eindrücklich. Wenn Pereira in Pension geht, möchte er die Bastelarbeit wieder aufnehmen: «Mein Traum ist, den Hauptbahnhof Zürich nachzubauen.»