Suhr

1960 den Anschluss verpasst: Autobahnauffahrt «Wynental» bleibt ein Traum

Ein Autobahnzugang für das Wynental bleibt ein Traum.

Ein Autobahnzugang für das Wynental bleibt ein Traum.

Eine Autobahnauffahrt «Wynental» oder «Aarau Mitte» bleibt wohl für immer ein Traum. Den Anschluss hat man schon vor über 50 Jahren verpasst.

Die Rede ist von einer Autobahnauffahrt «Wynental». Oder von einem Anschluss «Aarau Mitte». Seit sich Ende September die Interessengemeinschaft Ostumfahrung Suhr für den raschen Bau einer Entlastungsstrasse ausgesprochen hat, taucht die Idee einer Verknüpfung des Verkehrs mit der Autobahn immer wieder auf.

Der neue Anschluss würde die grossen Verkehrsprobleme von Suhr, Gränichen und dem Wynental «rasch massiv entschärfen», ist etwa ein Leserbriefschreiber überzeugt. Das Ei des Kolumbus scheint gefunden. Doch warum ergreifen es die Planer und die Politiker nicht? Es geht um Prinzipien, hohe Kosten und technische Knacknüsse.

Einziges Südtal ohne Anschluss

Ein historischer Rückblick hilft, das Problem zu verstehen: Im Sommer 1960 legte die Bundesversammlung das Nationalstrassennetz fest. Am 10. Mai 1967 wurde der Abschnitt zwischen Oensingen SO und Hunzenschwil AG der N1 (ab 1996 A1) eröffnet. Von da an war das Wynental abgenabelt: Es blieb das einzige Aargauer Südtal, das nicht über einen direkten Anschluss an die A1 verfügt.

Doch es gab 25 Jahre lang eine Spur Hoffnung. Der Strassenrichtplan sah den Bau einer neuen Wynentalstrasse von Buchs bis nach Teufenthal vor – inklusive eines Halbanschlusses an die A1 (Richtung Bern). Dieses Vorhaben wurde immer wieder überprüft: So 1993, als die Experten von einem Autobahnanschluss Richtung Zürich abrieten, weil dieser vor allem Verkehr anziehe und den erwünschten Entlastungseffekten entgegenwirke. 1996 setzte der Grosse Rat einen Schlussstrich unter das Kapital Wynentalstrasse/A1-Halbanschluss.

Beim Bund abgeblitzt

An den Stammtischen blieb der Autobahnanschluss «Wynental» aber ein Thema. Und auch die Planer haben ihn nicht ganz vergessen. So erklärte noch 2014 Carlo Degelo, Sektionsleiter Verkehrsplanung beim Kanton, es müsse nun zuerst mit dem Bundesamt für Strassen geprüft werden, ob es bei Suhr nicht noch einen Autobahnanschluss brauche.

Das Echo aus Bern war negativ, wie Kantonsingenieur Rolf H. Meier an der Versammlung der IG Ostumfahrung Suhr betonte (az vom 29. 9). Die Begründung: Mit noch mehr Autobahnanschlüssen verkomme die A1 zur Regionalstrasse. Zudem gebe es bei Anschlüssen vermehrt Staus. Was sich zum Beispiel im Raum Lenzburg zeige.

Ausbau auf sechs Spuren

Auch die Vorstellung, ein neuer Autobahnanschluss sei vergleichsweise günstig, scheint falsch zu sein. Der Bau eines einfachen Anschlusses würde laut Experten rund 100 Millionen Franken kosten. Und zwischen Suhr und Gränichen wäre der Anschluss alles andere als einfach. Aus zwei Gründen: Erstens fährt die WSB parallel zur Kantonstrasse. Der Platz ist darum knapp und die Verkehrsführung anspruchsvoll.

Zweitens ist mittelfristig geplant, die A1 auf sechs Spuren auszubauen. Einen entsprechenden Richtplaneintrag gibt es seit 2009. Und ganz grundsätzlich stellt sich die Frage, ob die neue Autobahnauffahrt den gewünschten Entlastungseffekt auf das Zentrum von Suhr hätte. Die Planer weisen immer wieder darauf hin, dass der regionale Ost-West-Verkehr (Hunzenschwil–Oberentfelden) gross ist.

Im Aargau ist es bisher erst einmal gelungen, nachträglich einen Anschluss an eine Nationalstrasse zu realisieren. Der Halbanschluss Spreitenbach wurde 2008 eröffnet. Er entlastet Neuenhof vom Durchgangsverkehr.

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