Aarau
1949 gegründeter Aarauer Eisenbahn-Modellbau-Club blickt in ungewisse Zukunft

Einer der ältesten Modelleisenbahnvereine der Schweiz hätte gerne mehr Platz, droht nun aber plötzlich heimatlos zu werden. Deshalb ist er auf der Suche nach einem neuen Bahnhofareal.

Katja Schlegel
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Aarauer Eisenbahn-Modellbau-Club
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Die beiden kämofen für ihren Club.

Aarauer Eisenbahn-Modellbau-Club

Katja Schlegel

Bei den Figürchen, die in Badehosen entspannt auf der Wiese liegen, das grelle Neonlicht im Gesicht, einen dicken Tropfen Leim im Rücken, herrscht jeden Tag Ferienstimmung. Als Teil der idyllischen Kulisse für die Lokomotiven und Zugkompositionen, die surrend ihre Runden drehen. Weniger entspannt sind Daniel Albisser und Patrick Wirth, Präsident und Aktuar des Eisenbahn-Modellbau-Clubs Aarau, kurz EMCA. Der Verein mit Gründungsjahr 1949 ist einer der ältesten Modelleisenbahnvereine der Schweiz. Seit 50 Jahren ist er im Keller des Gönhard-Kindergartens in Aarau zu Hause. Eigentlich hätte der Verein gerne mehr Platz, nun droht er gar obdachlos zu werden.

Der Grund: der Systemwechsel auf sechs Primarschuljahre und der daraus resultierende Raummangel. Eigentlich möchte der Stadtrat im Gönhard einen Grosskindergarten bauen, weil bei den jetzigen Gebäuden erheblicher Sanierungsbedarf besteht. Das würde bedeuten, dass der Kindergarten abgerissen würde und der EMCA ausziehen müsste.

Störende Ungewissheit

Der Einwohnerrat hat den Projektierungskredit aber im März zurückgewiesen; wie es nun weitergeht, weiss beim EMCA niemand so recht. Und das macht es für die Modelleisenbähnler nicht einfacher. «Wir schweben im luftleeren Raum. Wir wissen nicht, ob das Gebäude abgerissen wird oder ob wir bleiben können», sagt Albisser. Um nicht plötzlich mitsamt Schienen und Zügen auf der Gasse zu stehen, krempelt der Vorstand nun die Ärmel hoch und macht sich auf die Suche nach einem Ersatzlokal. «Diese ungewisse Situation lähmt den ganzen Verein, wir müssen unbedingt klare Verhältnisse schaffen», sagt Albisser.

Die unsichere Zukunft ist quasi der letzte Schubser, der den Verein aktiv werden lässt. Mit der Raumsituation sind die Eisenbähnler schon länger nicht mehr zufrieden. Es fehlt an Platz, die Anlage ist nicht mehr zeitgemäss, auf einem Teil der Anlage wird noch immer analog gefahren. Damit wiederum lassen sich keine jungen Leute begeistern, die für den überalterten Verein so dringend nötig wären. Auch der Platz, Interessierte in den Keller zu locken, fehlt; an Tagen der offenen Türen stehen sich die Besucher auf den Füssen herum. «Wir führen ein Schattendasein. Das müssen wir unbedingt ändern, wenn wir überleben wollen», sagt Albisser.

Rund 60 Immobilienbesitzer im Raum Aarau hat der Vorstand in den letzten Wochen angeschrieben. Rund 150 Quadratmeter gross sollte der Raum sein und so billig wie möglich. «Marktübliche Mietkosten könnten wir uns nicht leisten, da würden uns die Vereinsmitglieder davonlaufen», sagt Wirth. Die Rückmeldungen waren entweder vertröstend oder negativ. Man mache sich Gedanken über den schlimmst möglichen Fall, sagen Albisser und Wirth: «Aber bevor wir uns auflösen, werden wir nichts unversucht lassen.»

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