Biberstein

18 Jahre nach spektakulärer Umsiedlung: Käpten Jo's Bär «Emma» ist tot

«Die kleine Blonde mit dem Grossen Herz.» Mit einem rührenden Text nimmt der Bärenpark im thüringischen Worbis Abschied von Emma. Die Bärin musste im Alter von 27 Jahren mit Medikamenten eingeschläfert werden. «Sanft», wie der Bärenpark schreibt.

Damit habe «ein grausamer und langanhaltender Todeskampf» verhindert werden können. Max, der ebenfalls betagte Kollege von Emma lebt noch. Er war im Frühling eine Zeit lang in der Krankenstation.

Dort hat er sich von seiner Hautkrankheit erholt, auch wenn eine gänzliche Heilung laut Experten unwahrscheinlich ist. «Max geht wie gewohnt seinen ruhigen Weg und geniesst sichtlich das Ende des Sommers, schreibt der Bärenpark. Emma und Max sind syrische Braunbären. Ihre Lebenserwartung in Zoos liegt bei 30 Jahren.

Erich Gysling half beim Rettung

Emma und Max sind im Aargau bestens bekannt. Sie stammen ursprünglich aus dem Bern. Emma aus dem damaligen Bärengraben, Max aus dem Tierpark Dählhölzli. 1994 verhinderten Vater und Sohn «Käpten Jo» ein erstes Mal den Tod der beiden Bären, indem sie die Tiere nach Biberstein in die «Aarfähre» holten.

Doch schnell zeigte sich, dass der dortige Bärengraben nicht mehr den veränderten Vorstellungen über die Tierhaltung entsprach – und für den Gastrobetrieb kein Publikumsmagnet mehr war.

Bilder des beliebten, mittlerweile geschlossenen Seemannslokal «Käpten Jo»:

Um die Jahrtausendwende sollte er aufgehoben werden. Das Schicksal von Emma und Max schien besiegelt. Dank des Engagements verschiedener Leute und der Hilfe der Tierschutzorganisation «Animal Trust», hinter der unter anderem der TV-Mann Erich Gysling und der Regisseur Mark Rissi stehen, konnten das Bären-Paar gerettet werden.

Am 3. April 2000 wurden Emma und Max betäubt, in Kisten verladen und mit einem Lastwagen nach Ostdeutschland transportiert. «Käpten Jo» fiel der Abschied von den beiden Tieren nach 29-jähriger Bärenhaltung in Biberstein schwer: «Emma und Max waren für mich wie Haustiere. Es tut weh, sei wegzugeben, Aber es ist das Beste für sie.»

Emma (mit hellem Fell) und Max (mit dunklem Fell) im Bärenpark Worbis. (Aufnahme aus dem Jahr 2005)

Emma (mit hellem Fell) und Max (mit dunklem Fell) im Bärenpark Worbis. (Aufnahme aus dem Jahr 2005)

Wie im Graben herumgetigert

In Worbis haben sich die Bären gut eingelebt – auch wenn das fünf Hektaren grosse Freigehe für sie anfänglich ungewohnt war. «Der Graben war noch immer in Emmas Kopf. Stundeland lief sie aufgeregt immer die gleichen Streckenlängen wie in der Grube ab, drehte sich am Ende hoch, als würde sie die Wand noch vor sich haben, um dann durch den Richtungswechsel wieder zum anderen Ende zu laufen», schreibt der Bärenpark im Nachruf von Emma.

18 Jahre lang durfte sie das Leben in der Freianlage geniessen. Ihr Tod war, so der Bärenpark, letztendlich eine Folge der unglücklicheren Jugendjahre: «Emma hatte durch das jahrelange untypische Verhaltensmuster in der Grube ihre Muskeln und das Skelett immer wieder falsch beansprucht, was letztlich zu einer Verwachsung der Wirbelsäule führte und sie auf der Hinterhand immer mehr schwächte.»

Wegen der Abnutzung sei sie in Starrphasen gänzlich unbeweglich gewesen. «Am 11. September konnten wir nichts mehr für sie tun, als sie über die Regenbogenbrücke zu schicken», so der Bärenpark.

Käpten Jo’s Aarfähre geht zu

Der bekannte Erlebnisrestaurant "Käpten Jo’s Aarfähre" schliesst. (Bericht vom 19.2.2018)

   

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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