Es gibt im West-Aargau neben dem faktischen Neubau des Bahnhofs Lenzburg ein öV-Projekt, das besonders interessant ist: die Entflechtung von SBB und WSB (neu Aargau Verkehr AVA) in Oberentfelden. Beides sind finanziell grosse Brocken: Während Bund und SBB für Lenzburg 192 Millionen Franken reserviert haben, sind es für Entfelden 170 Millionen Franken.

Das Geld ist praktisch vorhanden, weil es Teil des «Ausbauschritts 2035» ist, dem nach dem Ständerat nur noch der Nationalrat zustimmen muss. Die beiden Aargauer Projekte gelten als unbestritten. Oberentfelden ist im «Angebotsausbau Zofingen–Suhr–Lenzburg (Güterverkehr)», für den 300 Millionen Franken eingeplant sind.

Kantonsingenieur Rolf H. Meier machte in Unterkulm interessante Angaben.

Kantonsingenieur Rolf H. Meier machte in Unterkulm interessante Angaben.

Bald Ingenieur-Ausschreibung

Bis die ersten WSB-Züge durch den voraussichtlich 820 Meter langen Tunnel fahren werden, dürften noch mindestens zehn Jahre vergehen. Doch dass es sich beim Projekt Oberentfelden nicht um irgendwelche utopische Ideen handelt, zeigen Aussagen, die Kantonsingenieur Rolf H. Meier vorgestern an einer Orientierungsversammlung gemacht hat (siehe Box). Schon in den nächsten Monaten wird möglicherweise ein erster Bagger auffahren – allerdings nur, um mit einem Schlitz geologische Abklärungen zu treffen. Diese sind nötig im Hinblick auf die Ingenieur-Ausschreibung, die im Sommer gestartet werden soll. Es geht dabei um das Vorprojekt.

Über weite Strecke zweigleisig

Klar ist bis jetzt: Der Tunnel wird unter der Aarauerstrasse, dem Engelplatz, der Nationalbahnlinie der SBB und der Muhenstrasse hindurchführen. Er wird 820 Meter lang. Im Bereich der Aarauerstrasse und der Muhenstrasse sind 250 Meter lange Rampen vorgesehen, über die die WSB aus dem Untergrund an die Oberfläche kommen wird. Klar ist weiter: Unter dem Engelplatz wird es einen zweigleisigen WSB-Bahnhof geben. Hier wird der Tunnel 18 Meter breit.

Der Nordabschnitt ist aufgrund der engen Platzverhältnisse eingleisig (ca. 8 Meter breit). Im Süden wird die heutige Kreuzungsstelle zweigleisig bis zum Engelplatz weitergeführt. Diese Doppelspur bringe die in Oberentfelden zwingend nötige Stabilisierung des Fahrplangefüges, erklärt Mathias Grünenfelder, stv. CEO von Aargau Verkehr.

Ein grosses Problem ist: Die räumlichen Verhältnisse sind extrem eng. Unter anderem, weil es gewisse denkmalgeschützte Objekte zu beachten gilt. Und: Während der Bauzeit muss die WSB durch die Baustellen fahren können und der lokale Verkehr muss gewährleistet sein.

Es geht nur mit Deckelbauweise

Wie bei vergleichbaren Projekten soll auch in Oberentfelden die sogenannte Deckelbauweise zum Einsatz kommen. Das heisst, als Erstes werden mit Bohrungen die Wände des künftigen Tunnels erstellt, dann kommt der Deckel darauf und schliesslich wird als Letztes die Erde für die Röhre bergmännisch herausgeholt.

Aus räumlichen Gründen können nicht beide Seitenwände und der ganze Deckel gleichzeitig erstellt werden. Eine mögliche Vorgehensweise (Genaueres kann erst nach dem Vorliegen des Vorprojektes in etwa 15 Monaten gesagt werden): In einem ersten Schritt wird die Ostwand in den Boden getrieben und die östliche Hälfte des Deckels gebaut. Die WSB fährt auf dem bestehenden Gleis. In einem zweiten Schritt wird auf den Ostdeckel ein provisorisches WSB-Gleis verlegt, die Bahn wird verschoben, die alten Schienen kommen weg. In einem dritten Schritt werden die Westwand und die westliche Hälfte des Deckels gebaut.

Wochenlanger WSB-Unterbruch

Das alles im Prinzip unter Verkehr. Aber nicht ganz. Weil es in Oberentfelden mit der Suhrentalstrasse eine Umfahrungsstrasse gibt, kann die Baustelle vom Durchgangsverkehr mehrheitlich befreit werden: Auf der am Donnerstag von Kantonsingenieur Meier publizierten Folie hiess es: «Vollsperrung Entfelden während praktisch der ganzen Bauzeit von rund 18 Monaten möglich.» Das heisst: Während des Baus hat es im Dorfzentrum von Oberentfelden praktisch nur den allernötigsten lokalen Verkehr, je nach Bauphase sind einzelne Zonen während einzelner Monate sogar ganz gesperrt.

Und was ist mit der WSB? Ganz ohne Unterbruch wird es nicht abgehen. Im Moment wird darum gerungen, wie lange dieser sein wird. Angedacht sind sieben bis acht Wochen während der Sommerferien. Die WSB kann aber nur maximal fünf Wochen zugestehen. Unter anderem, weil sie nicht länger auf die Durchfahrt zu ihren Werkstätten in Schöftland verzichten kann.

Der Weg, bis Oberentfelden ein Stück Metro haben wird, ist noch lang. Und die Bauzeit wird beschwerlich. Aber die Realisierungschancen sind gross. Weil die SBB den Niveauübergang mit der Privatbahn – ein nationales Unikum – wegen ihrer Ausbaupläne eliminieren muss. Darum ist sie respektive der Bund auch bereit, den grössten Teil der Kosten zu tragen.