Aargau West

17 Gemeinderäte gingen rasch – noch im ersten Jahr der neuen Legislatur

Vor der Abstimmung über die Fusion mit Reitnau war in Attelwil die Stimmung angespannt.

Gemeindekanzlei Reitnau und Attelwil in Reitnau. (Archivbild)

Vor der Abstimmung über die Fusion mit Reitnau war in Attelwil die Stimmung angespannt.

In den Gemeinden der AZ-Region Aargau West sind im ersten Jahr der Legislatur 2018-2021 bereits 17 Gemeinderäte ordentlich zurückgetreten. Also mehr als jeder zwanzigste. Wegen der Fusion von Attelwil und Reitnau schieden 6 weitere Gemeinderäte aus (davon zwei durch Abwahl).

Die letzte Demission wird aus Dürrenäsch gemeldet: Peter Bieri (59, parteilos) tritt aus beruflichen Gründen zurück – nachdem er noch nicht einmal ein Jahr im Amt ist. Der Rücktritt ist von der kantonalen Gemeindeabteilung noch nicht genehmigt worden. Darum reicht es nicht mehr für eine Ersatzwahl am 10. Februar.

Am 10. Februar finden in vier Gemeinden Ersatzwahlen statt. In Meisterschwanden ist bereits eine Kandidatin bekannt: Caroline Camenzind möchte Nachfolgerin von Priska Notter (49, parteilos) werden. Notter ist aus persönlichen Gründen in ihrem ersten Amtsjahr aus Meisterschwanden weggezogen und kann deshalb dem Gremium nicht mehr weiter angehören. Caroline Camenzind (43) war Schulpflegepräsidentin (damals für die FDP). Jetzt kandidierte sie als Parteilose – mit Unterstützung der SVP. Letztere verzichtete also darauf, das im Herbst 2017 verlorene Mandat zurückzuerobern. Und kein Thema mehr ist auch die damals gescheiterte Kandidatin Michelle Rütti, die Vizepräsidentin der SVP Aargau. In Meisterschwanden können noch bis zum 28. Dezember Kandidaten angemeldet werden.

Die gleichen Anmeldeschlüsse gelten in Kölliken, Leutwil und Zetzwil. In den letzten beiden Gemeinden haben Differenzen innerhalb des Gremiums zu Massenrücktritten geführt. In Leutwil hat sogar nur die Frau Gemeindeammann das erste Jahr der neuen Legislatur überlebt. Gespannt wartet man in den beiden Dörfern, ob sich genügend Kandidaten finden lassen, die in der schwierigen Ausgangslage im Gemeinderat mitarbeiten möchten.

Neben den Spannungen in den Gemeinderäten sind berufliche Gründe der zweitwichtigste Anlass für vorzeitige Demissionen. Deshalb hat etwa in Kölliken Vizeammann Steven Schneider (63) seinen Rücktritt eingereicht. Der Sozialdemokrat gehörte dem Gemeinderat seit 2006 an, also seit 13 Jahren. Ebenfalls aus beruflichen Gründen hatten in Reinach Thomas Brem (50, SVP) und in Othmarsingen Eric Wiesmann (40, FDP) demissioniert. Für beide gibt es bereits Nachfolger, im Fall von Reinach ist bemerkenswert, dass die SVP den Sitz am 23. September verloren hat.

Eine der ersten Ersatzwahlen war in Boniswil nötig, wo die letztes Jahr neu gewählte Karin Koch (48, parteilos) nach nur drei Monate aus familiären Gründen ihren Rücktritt erklärte. Sie hatte im letzten Herbst einen SVP-Mann auf die Plätze verwiesen. Ebenfalls aus «persönlichen Gründen», ist in Schlossrued Alexander Weber (50, parteilos) aus dem Gemeinderat, dem er seit 2013 angehörte, ausgeschieden.

Immer wieder spielte auch die Gesundheit eine Rolle. Aus Rücksicht auf sie musste in Burg Marco Montagner (52, parteilos) nach nur gut einem halben Jahr Forfait geben. In Oberentfelden konnte die im Herbst 2017 neu gewählte Frau Vizeammann Monique Gammeter (46, SVP) ihr Amt sogar gar nicht antreten. Ebenfalls aus gesundheitlichen Gründen musste in Moosleerau Frau Gemeindeammann Silvia Morgenthaler (60, parteilos) zuerst pausieren und dann ganz aufgeben. Sie gehörte dem Gemeinderat seit 2010 an.

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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