Bezirksgericht Aarau

154'600 Franken der Alzheimer-Vereinigung in die eigene Tasche abgezweigt – Ex-Chef verurteilt

Ein früherer Geschäftsleiter von Alzheimer Aargau geriet in die Mühlen der Justiz. Im Bild das Gebäude in Aarau, in dem sich die Geschäftsstelle befindet.

Ein früherer Geschäftsleiter von Alzheimer Aargau geriet in die Mühlen der Justiz. Im Bild das Gebäude in Aarau, in dem sich die Geschäftsstelle befindet.

Der Ex-Geschäftsleiter von Alzheimer Aargau wurde zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten verurteilt. Er hatte sein Vergehen eingestanden, eine Schuldanerkennung unterschrieben und den Deliktsbetrag zurückbezahlt.

Am 11. April 2017 entliess Alzheimer Aargau, die Sektion Aargau des Schweizerischen Alzheimer-Vereinigung, ihren Geschäftsleiter. Gleichzeitig reichte dessen Vorstand Strafanzeige gegen den Mann ein, der seit Februar 2016 bei Alzheimer Aargau tätig war. Grund: Der Geschäftsleiter, der über weitreichende Kompetenzen verfügte und insbesondere in der Lage war, eigenmächtig über die finanziellen Mittel der Vereinigung zu entscheiden, hatte umfangreiche Privatbezüge ab Konten seines Arbeitgebers getätigt. Laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau belief sich die Deliktsumme auf insgesamt 154'600 Franken.

Der entlassene Geschäftsleiter gestand sein Vergehen ein, unterschrieb eine Schuldanerkennung und versprach schriftlich, den geschuldeten Betrag zurückzuzahlen. Und er hielt Wort, wie die damalige Präsidentin von Alzheimer Aargau, Beatrice Beck, im letzten Frühjahr gegenüber der AZ bestätigte. Um die nötigen Mittel zu beschaffen, hatte er eine private Liegenschaft verkauft. Dies alles konnte das Mahlen der Mühlen der Justiz freilich nicht mehr stoppen, da es sich bei den zu untersuchenden Tatbeständen um Offizialdelikte handelte und die Staatsanwaltschaft das Verfahren von Amtes wegen führte.

Gestern Mittwoch erfuhr dieses aller Voraussicht nach vor dem Bezirksgericht Aarau seinen juristischen Abschluss. Unter den gegebenen Umständen liess es die Strafprozessordnung zu, die Verhandlung im abgekürzten Verfahren durchzuführen. Dagegen hatte auch die Alzheimer-Vereinigung als Privatklägerin nichts einzuwenden gehabt. Die Verhandlung dauerte knapp eine halbe Stunde. Und das unter dem Vorsitz von Gerichtspräsidentin Bettina Keller-Alder tagende Gesamtgericht fällte nach kurzer Beratung den Entscheid, die Anklageschrift zum Urteil zu erheben.

Zur Last gelegt hatte die Staatsanwaltschaft dem Geschäftsleiter den Tatbestand der qualifizierten ungetreuen Geschäftsbesorgung. Die auf seine privaten Konti transferierten Gelder verwendete der Beschuldigte laut Anklageschrift primär zur Finanzierung seines Lebensunterhaltes und desjenigen seiner damaligen Frau. «Beide lebten über ihre Verhältnisse», so die Staatsanwaltschaft, «und der Beschuldigte war nicht in der Lage, die laufenden Kosten mit seinem ordentlichen Erwerbseinkommen zu decken.»

«Belohnung für seinen strengen Arbeitsalltag»

Der Beschuldigte habe daher beschlossen, die ungedeckten Kosten mittels «Vorschüssen» seines Arbeitgebers zu decken. Mit der Zeit habe er die Zahlungen schon gar nicht mehr als Vorschüsse deklariert. Vielmehr, schreibt die Staatsanwaltschaft, habe er sie als «Belohnung für seinen strengen Arbeitsalltag» betrachtet. Und um die Bezüge verheimlichen zu können, habe er die Erstellung und Ablieferungsunterlagen an den Arbeitgeber so lange wie möglich hinausgezögert.

Vor Gericht anerkannte der Geschäftsleiter noch einmal vollumfänglich den ihm vorgehaltenen Tatbestand. Er entschuldigte sich auch gegenüber der Alzheimer-Vereinigung. Er hoffe, dass ihm nie wieder so etwas passiere. Er habe daraus gelernt und das Lehrgeld bezahlt. Der Endfünfziger ist nach wie vor auf Stellensuche.

Das Bezirksgericht verurteilte ihn zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten – dies bei einer Probezeit von zwei Jahren. Ausserdem muss er eine Busse von 2000 Franken bezahlen. Tut er dies nicht, droht ihm eine Ersatzfreiheitsstrafe von 20 Tagen. 10'000 Franken, die beim Beschuldigten beschlagnahmt wurden, werden primär zur Deckung der Parteikosten von Alzheimer Aargau und sekundär zur Deckung der Verfahrenskosten in der Höhe von 1800 Franken (inklusive Anklagegebühr) verwendet. Sollte etwas übrig bleiben, wird es an die ausgesprochene Busse angerechnet. Die Kosten der amtlichen Verteidigung muss der Mann dem Staat zurückerstatten, sobald seine wirtschaftlichen Verhältnisse dies erlauben. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Autor

Ueli Wild

Ueli Wild

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