Aarau
15 junge Linden beim Telliring: Der Stadtrat griff selbst zur Schaufel

Beim Telliring wurden gestern im Interesse einer intakten Stadtnatur 15 junge Linden gepflanzt.

Ueli Wild
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Beim Telliring wurden im Interesse einer intakten Stadtnatur 15 junge Linden gepflanzt
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Stadtpräsidentin Jolanda Urech mit Stadtbauamt-Mitarbeiter Roland Hauenstein.
Regina Jäggi wurde gestern 60.

Beim Telliring wurden im Interesse einer intakten Stadtnatur 15 junge Linden gepflanzt

Alex Spichale

Pünktlich zum Frühlingsbeginn kehrt die Stadt Aarau den grünen Daumen heraus: Beim Telliring wurden 15 junge Linden gepflanzt, welche die historische Parkanlage mit dem einzigartigen Baumkreis komplettieren.

Telling: Erster Turnplatz der Schweiz

Der Aarauer Telliring entstand zwischen 1802 und 1804 und diente der eben gegründeten Kantonsschule als Ort sportlicher Betätigung. Der kreisrunde Platz ist von einer Doppelreihe von Lindenbäumen umgeben und über eine Eingangsallee vom Tellirain her erreichbar.

Auf Initiative von Aarauer Gymnasiasten versammelten sich am 24. April 1832 vorwiegend akademische Sportler im Telliring zu einem friedlichen Wettkampf und gründeten den Eidgenössischen Turnverein. 1843 traf man sich am gleichen Ort erneut zu einem «Eidgenössischen», wobei zur Infrastruktur nun auch das achteckige Turnhäuschen gehörte, das heute noch steht.

Weil 1890 die Stadtkirche wegen Renovationsarbeiten nicht zur Verfügung stand, verlegte man die Morgenfeier des Maienzugs erstmals in den lauschigen Telliring. Das ist – bei Schönwetterprogramm – bis heute so geblieben. Am 3. Juli 1903 ging an diesem historischen Ort der offizielle Festakt zur Zentenarfeier des Kantons Aargau über die Bühne.

Anfangs der 1970er Jahre serbelten erste Bäume im Telliring. Ein Gutachten der Firma Metron AG von 2003 ergab ein geradezu dramatisches Bild: 27 Bäume wurden als «absterbend und gefährlich» taxiert, 76 weitere als «stark geschädigt». Noch im gleichen Jahr entschied sich der Stadtrat, den Lindenbestand in jährlichen Etappen zu erneuern.

Damit konnte auch die in den alten Bäumen siedelnde Fledermauskolonie, vor allem der Grosse Abendsegler, gerettet werden. (HR)

Das Besondere an der Baumpflanzaktion: Bei acht Bäumen legte gestern der Stadtrat in corpore samt Stadtschreiber und Stadtbaumeister selber Hand an. Ob in Turn- oder in schwarzen Lackschuhen zum Termin erschienen – für alle hiess es: zur Schaufel greifen und ein paar Kilo Erde im Kreis ums noch glatte Stämmchen der zwölf Jahre alten Linden drapieren.

120 bis 130 Jahre alt sind ihre grossen «Geschwister» beim Telliring. In ihrer längst borkig gewordenen Rinde, so Max Jaggi, Leiter Grünflächenpflege der Stadt, finde der Baumläufer selbst im Winter Insekten. Eines Tages werden auch die neu gepflanzten Bäume so weit sein. Jaggi sprach deshalb von einer «Investition für künftige Generationen». So werde es auch in 50 Jahren noch möglich sein, hier die Natur zu beobachten.

Als «Freude- und Friedensbaum» bezeichnete Regina Jäggi – im Verein mit Martin Luther – die Linde. Die Ende Jahr abtretende Stadträtin aus dem Stadtteil Rohr feierte am Montag mit der Baumpflanzaktion auch ihren 60. Geburtstag. Kaum eine andere Schweizer Stadt, befand sie, sei so sehr vom Grün geprägt wie Aarau.

Und: «In einer Stadt, die frisch daherkommt, biologisch-dynamisch, natürlich – in der lebt und verweilt es sich gerne.» Das Erhalten und Fördern der Biodiversität, so Jäggi weiter, müsse stets das Ziel bleiben. Mit der Baumpflanzaktion wolle der Stadtrat ein Zeichen setzen und sich für eine intakte Stadtnatur und den damit verbundenen Erhalt der hohen Lebensqualität stark machen.

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