Dass die Güselwehr so lange Bestand haben würde, darauf wollte vor bald zwei Jahren, als diese von Andreas Brändli ins Leben gerufen wurde, niemand wetten. Doch sie lebt weiter — und bekommt jetzt sogar zusätzlichen Support.

Die Kulturgesellschaft Bezirk Aarau will die Aktivitäten der Güselwehr auf weitere Gemeinden des Bezirks ausweiten. Die Gesellschaft, die soziale und kulturelle Projekte unterstützt und sich dort engagiert, wo staatliches Handeln nicht ausreicht, will neue Ideen entwickeln, um die Bevölkerung für das Problem zu sensibilisieren.

Es bestehen auch bereits konkrete Ideen. Gemeinden der Region werden mit Handkarren, Besen, Greifzangen und Signalwesten ausgerüstet, wenn Einwohner die Güselwehr, wie sie in Aarau entwickelt wurde, auch im eigenen Dorf umsetzen wollen. 15 solche «Ghüderwagen» seien bereits bestellt, weiss Marcel Suter, Präsident der Detaillistenvereinigung Zentrum und Promotor der «Güselwehr». Weiter wird zum Frühlingsanfang am 21. März 2015 im Bezirk Aarau ein Güseltag ausgerufen. Leute, die mitmachen, erhalten von der Kulturgesellschaft ein Znüni spendiert. Noch nicht ausgereift sind Pläne, mit denen das Problem Littering in den Schulunterricht eingebracht werden kann. Die Kulturgesellschaft ist, so Suter, jedenfalls bereit, Unkosten für geeignetes Unterrichtsmaterial zu übernehmen.

Die Aktivitäten werden von der IG SU begleitet. Bei der IG SU handelt es sich um die im Mai 2007 gegründete Interessengemeinschaft für eine saubere Umwelt. Dahinter standen am Anfang privatwirtschaftlich organisierte Recyclingunternehmen, welche sich seit 2004 gemeinsam gegen das Littering engagieren. Daraus ist eine offene Plattform im Kampf gegen das Littering entstanden. Weitere Partner aus konsumnahen Bereichen stiessen dazu.

Marcel Suter und Daniel Ringier, Chef der Stadtpolizei, ziehen für die Güselwehr in Aarau eine positive Bilanz. Die Arbeitsgruppe Littering, der nebst Suter und Ringier unter anderen auch Stadträtin Regina Jäggi und Markus Vogel vom Werkhof sowie Andreas Brändli angehören, sind zufrieden. «Die Verbesserung ist spür- und sichtbar», sagt Marcel Suter. Die Stadt ist nach den Partynächten am Wochenende stubenrein.» Alle Beteiligten, auch die Gastro-Betriebe, würden mitziehen, ergänzt Daniel Ringier.

In der Arbeitsgruppe sei man sich einig, dass die Anstrengungen weitergeführt werden sollen und vonseiten der Stadt noch Verbesserung möglich sind. Die Stadtpolizei wird immer wieder aufgefordert, härter durchzugreifen. Ringier: «Wir üben den nötigen repressiven Druck aus — im Wissen, dass wir immer am falschen Ort sind.»

Littering-Apéro mit Bauernverband

Morgen Samstag ist die nächste Aktion geplant. Von 10.30 bis 12 Uhr lädt der Bauernverband Aargau zu einem Littering-Apéro ein, an dem Ständerätin Pascale Bruderer auch teilnehmen wird. Heute Freitag, 14 Uhr, wird die Güselwehr für einmal in den Wiesen und Feldern entlang der Strassen und Wege für Ordnung sorgen. Die Bitte dazu kam vom Bauernverband Aargau, der wieder viele Tausend Besucher erwartet, am Samstag ab 8 Uhr «Aarau zum Bauernhof wird». Dei Güselwehr wird vorher dafür gesorgt haben, dass die Stadt «stubenrein» ist.