Wenn ich gross bin, werde ich Eiskunstläuferin!» Das ist der Traum von Tausenden von Mädchen auf der ganzen Welt. Die meisten geben ihn nach der ersten missglückten Pirouetten wieder auf, einige wohl schon nach dem ersten Besuch auf dem Eisfeld. Bei Katharina Schön war das anders. Vergangenes Wochenende nahm die 13-jährige Suhrerin zum dritten Mal an den Eiskunstlauf-Schweizer-Meisterschaften in Bellinzona teil. Dass sie vor fast einem Jahrzehnt mit dem Sport begonnen hat, verdankt sie ihrer Schwester.

«Zwei Doppellutz,einen Doppelflip, einen Axel, eine Kombipirouette, ...» Katharina Schön erzählt von ihrer Kür an den Schweizer Meisterschaften. «Ich bin beide Programme fehlerfrei gelaufen. Mein personal Best», sagt die 13-Jährige. Ihr Mund verzieht sich zu einem stolzen Lächeln. Seit rund vier Jahren betreibt die junge Suhrerin Eiskunstlauf auf Leistungssport-Niveau. Seitdem trainiert sie sechsmal pro Woche. «Morgens gehe ich normal zur Schule, danach mache ich Hausaufgaben und lerne, und am Abend habe ich Training», sagt sie und zuckt mit den Schultern, als sei es das Normalste der Welt. «Mit meinen Kolleginnen kann ich am Dienstagnachmittag abmachen. Da habe ich einige Stunden frei. Oder am Sonntag nach dem Frühtraining.»

So sind die Bilder entstanden: Katharina Schön dreht Pirouetten für Fotografen

So sind die Bilder entstanden: Katharina Schön dreht Pirouetten für unseren Fotografen

Katharina hat sich organisiert. Ihr straffes Tagesprogramm ist Alltag geworden. «Die Hausaufgaben kommen da manchmal zu kurz», sagt die 13-Jährige und lächelt verschmitzt. Trotzdem sei sie eine gute Schülerin. «Im Zwischenzeugnis habe ich einen 5er-Schnitt.» Es scheint fast so, als könne die junge Frau nichts aus dem Konzept bringen. «Vor einem Wettkampf bin ich schon nervös. Aber nur die letzten zehn Minuten.» So sei es auch dieses Wochenende gewesen. «Ich habe in dieser Zeit etwa zehnmal die Schlittschuhe neu gebunden. Das war wirklich extrem. Ich war sogar schon fast auf dem Eisfeld, als ich gemerkt habe: Mein Schuh ist nicht fest genug gebunden!», sagt die Bezirksschülerin lachend.

Kaum stand sie auf dem Eis, war die Nervosität aber vergessen. «Ich bin einfach gefahren, wie ich es sonst auch mache.» Doch bei den Schweizer Meisterschaften zu fahren, sei dennoch etwas ganz Besonderes. Ihre Trainerin Olga Parschina, die neben ihr sitzt, gerät ins Schwärmen. «Es ist schön dekoriert, die Schweizerfahne ist aufgehängt und es gibt sogar Sessel, von denen aus die Läuferinnen die Resultate auf dem Bildschirm beobachten können», erzählt sie. Es sei ganz wie im Fernsehen. Katharina nickt. «Und einen Apéro gibt es auch», sagt die Trainerin und blickt vielsagend zu ihrem Schützling. Katharina lacht. Das gefalle ihr besonders gut. Genau wie die Übernachtung im Hotel.

Katharina ist nicht die erste Eiskunstläuferin in der Familie. Bereits ihre fünf Jahre ältere Schwester Viola nahm an Schweizer Meisterschaften teil. «Es war Zufall, dass Viola mit dem Eiskunstlauf angefangen hat. Wir wohnen nur wenige Minuten von der KEBA entfernt», erzählt Vater Michael Schön, der inzwischen Präsident der Eislaufclubs ist. Der damals vierjährigen Katharina gefiel es, wie ihre grössere Schwester über das Eis tanzte, und bald stand auch sie mit winzigen Schlittschuhen auf dem Eis. Dann folgte ihr erster Wettkampf. «Das war in Flims», erzählt sie. Mit einem grünen Kostüm sei sie zur Melodie von «Schni-Schna-Schnappi» gefahren. «Da war ich aber nicht so gut», schickt sie gleich nach.

Inzwischen hat Viola aufgehört mit dem Eiskunstlauf. Katharina hat ihr damaliges Vorbild überholt. Jetzt ist sie das Idol der Nachwuchsfahrerinnen. Seit einigen Jahren ist in Aarau ein regelrechtes Eiskunstlauf-Fieber ausgebrochen. «Die Kinder schauen, was die anderen können, und wollen es dann auch schaffen», sagt Elena Stadelmann, die die Kinder zusammen mit Olga Parschina trainiert.

Gleich mehrere Mädchen streben zurzeit Höchstleistungen an. Seit eineinhalb Jahren trainieren sie genau wie Katharina im Team Parschina zusammen mit den Besten des Club ISS Hochdorf. Eine davon ist die 7-jährige Alissa Orlando. Sie durfte in ihren Kategorien (Stern drei und vier) sechs Siege in Folge feiern. «Ich liebe den Wettkampf», sagt sie. Das Mädchen beginnt zu strahlen. «Dann kann ich alleine auf dem Eis fahren und alle schauen zu.» Irgendwann wolle sie in England an einem Wettkampf fahren.

Auch für die zehnjährige Maria Luisa Erdin ist der Sport das Grösste. Sie hat bereits neun Gold- und vier Silbermedaillen in der Tasche. Warum ihr Eiskunstlauf so gut gefällt, weiss sie ganz genau. «Mir gefällt die Kunst, die man damit macht», sagt sie. Nach einer kurzen Pause fügt sie an: «Und der Wettkampf.» Vor allem das Gewinnen mache Spass. Ihr Ziel sei es, bald an den Schweizer Meisterschaften teilzunehmen. «Vorher war ich mir nie sicher, ob ich es schaffen kann. Aber jetzt, wo es Katharina geschafft hat, will ich es auch schaffen.»

Für Katharina soll der Sport ein Hobby bleiben. «Ich will einen ganz normalen Beruf lernen.» Was genau, das wisse sie noch nicht. Letztes Jahr sei es Apothekerin gewesen. Trainerin Elena Stadelmann sagt: «Die meisten sagen, es ist nur ein Hobby. Doch sie kommen fast immer zurück. Eiskunstlaufen ist wie eine Medizin.»