Suret
12 Beamte: Kleinste Aargauer Regionalpolizei soll bleiben

Die Gemeinderäte von Suhr, Buchs und Gränichen wollen eine eigenständige Repol Suret behalten.

Katja Schlegel
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Der Suhrer Gemeindepräsident Marco Genoni (links) und Thomas Zbinden, Chef der Repol Suret.

Der Suhrer Gemeindepräsident Marco Genoni (links) und Thomas Zbinden, Chef der Repol Suret.

Chris Iseli/Sandra Ardizzone

Ende Jahr entscheiden die Suhrer, Gränicher und Buchser an den Gemeindeversammlungen respektive im Einwohnerrat (Buchs) über die Zukunft der Regionalpolizei Suret. Soll die Repol eigenständig bleiben oder aufgesplittet werden?

Diese Frage stellt sich, weil zwei der fünf aktuellen Verbandsgemeinden – Rupperswil und Hunzenschwil – , im Juni 2018 mit Gemeindeversammlungsbeschluss den Austritt aus der Repol Suret besiegelt haben. Sie schliessen sich der Repol Lenzburg an. Die Begründung der Gemeinderäte zum Austritt: Sie seien überzeugt, dass die Repol Suret «aufgrund ihrer Grösse und bei einer Beibehaltung der heutigen Strukturen langfristig wahrscheinlich nicht Bestand haben wird». Weiter wurde in der damaligen Vorlage bemängelt, dass die Repol Suret ihren «vielfältigen Aufwand nur mit Mühe erfüllen» könne. Vorwürfe, die Repol-Chef Thomas Zbinden postwendend dementierte (az vom 6. Juni 2018).

Repol Suret soll nicht mehr länger ein Spezialfall sein

In den letzten Monaten liefen Abklärungen über die Zukunft der Repol Suret. Im Raum stand der Anschluss von Suhr und Buchs an die Stadtpolizei Aarau. Gränichen fragte bei der Repol Aargau Süd an. Am Suhrer Infoforum vom Montagabend wurde nun dargelegt, was die drei Gemeinderäte möchten: eine eigene Repol Suret. Eine «echte» Repol, wie Gemeindepräsident Marco Genoni es nannte. Echt, weil die Repol Suret bislang ein Spezialfall ist: Sie ist das einzige aller 15 Aargauer Repol-Korps, dessen Polizisten in typischer Dorfpolizisten-Manier bei den einzelnen Gemeinden angestellt sind. Auch gibt es in den Gemeinden noch immer eigene Polizeiposten.

Neu hätte die Repol Suret einen Chef und einen Polizeiposten, den in Suhr, so Genoni. Die Posten in Buchs und Gränichen würden geschlossen; es mache heute keinen Sinn mehr, dass drei Polizisten auf dem jeweiligen Posten sitzen. «Die Polizisten müssen unterwegs sein», so Genoni.

Ausserdem würden alle Polizisten bei Suhr als Standortgemeinde angestellt und von den Gemeinden Buchs und Gränichen anteilsmässig gemäss Einwohnerzahl bezahlt. Vorgesehen ist ein Korps im Umfang von 12 Angestellten, die sich um die 26'000 Einwohner kümmern (heute sind es 15 Polizeikräfte für 36'000 Einwohner).

Genoni: In Aarau gäbe es nur 80 Prozent Leistung

Ein wichtiger Grund für diesen Entscheid zu einer eigenen Repol: die Kosten. Gemäss am Infoforum gezeigter Aufstellung kostet die Repol Suret jährlich pro Einwohner 62 Franken. Die Offerte aus Aarau liege zwar bei 58 Franken pro Kopf, decke aber nur 80 Prozent der gewünschten Leistungen ab, so Genoni. Will heissen: Leistungen wie Verkehrsregelung, die Kontrolle des Nachtparkreglements, des Gastgewerbegesetzes oder der Abfallbeseitigung oder die Entgegennahme von Fundsachen, wären nicht abgedeckt. Aufgaben, für welche die Gemeinden zusätzliches Personal anstellen müssten, würde man sich Aarau anschliessen. Für 100 Prozent Leistung müssten die Gemeinden 72 Franken pro Kopf und Jahr hinblättern.

Genoni legte weitere Stärken einer eigenen Lösung dar: «Die Leute der Repol Suret kennen unsere Hotspots, kennen jede Strasse.» Ausserdem seien die Wege zwischen den Gemeinden und innerhalb der Verwaltung kurz.

Die Eigenständigkeit hat auch Schwächen

Eine Schwachstelle der Repol Suret: Sie kann nur betrieben werden, solange alle drei Gemeinden mitmachen. Das Korps muss alles allein stemmen, auch die Pikett-Dienste mit zwei Mann (werktags von 22 bis 7 Uhr bzw. 8 Uhr freitags, sonntags von 2 Uhr bis montags 7 Uhr). Eine Herausforderung bei 12 Angestellten. Der Pikettdienst sei allgemein ein Auslaufmodell, wie Repol-Chef Thomas Zbinden sagt. Niemand mache heute mehr gerne Pikettdienst, auch in handwerklichen Berufen. «Wir überlegen uns, den Wunsch aus der Mannschaft aufzunehmen und allenfalls die Patrouillenzeiten zu verlängern.» So würde sich der Pikettdienst verkürzen. «Ebenfalls sind wir daran, auch am Sonntag eine Patrouille einzuführen.» So wären die Polizisten unterwegs, anstatt dass sie daheim oder im Büro auf einen Anruf warten. «Dieses System kostet zwar mehr, hat aber den Mehrwert für die Bevölkerung, dass wir mehr Präsenz zeigen und schneller vor Ort sind. Und wir können die Attraktivität als Arbeitgeber steigern.»

Ausserdem stehe im Raum, die Präsenz in der Nacht zu verlängern. Beschlossen sei aber noch nichts, betont Zbinden, denn die Anzahl nächtlicher Einsätze sei gering. «Man darf nicht vergessen, dass wir in Suhr, Buchs und Gränichen keinen Rotlichtbezirk, keine Disco und keinen Hotspot in der Grössenordnung eines Aarauer Bahnhofs haben.»

Die Zukunft der Repol Suret entscheidet sich Ende November in Gränichen und Suhr (25. beziehungsweise 26. November) und am 10. Dezember in Buchs. Sagen die Gemeinden Ja, erfolgt die Umsetzung bereits auf den 1. Mai 2020. Noch sind die Bestimmungen erst skizziert; die Mindestlaufzeit des Vertrages aber dürfte laut Philippe Woodtli, Geschäftsführer der Gemeinde Suhr, bei fünf Jahren liegen, danach würde die Kündigungsfrist zwei Jahre betragen.

Sagt eine Gemeinde Nein, wäre die Grenze einer sinnvollen Grösse unterschritten und es käme zur Aufsplittung: Gränichen würde sich der Repol Aargau Süd anschliessen, Suhr und Buchs der Stadtpolizei Aarau.