Aarau
102 Sekunden: An dieser Ampel wollen Fussgänger nicht so lange warten

Am Fussgängerstreifen über die Aarauer Bahnhofstrasse muss man bis 100 Sekunden lange warten. Viele Passanten werden ungeduldig und laufen bei Rot über die Strasse zum Bushof. Projektleiter Markus Kissling will die Anlage sensibler einstellen.

Josua Bieler und Sabine Kuster
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Das lange Warten vor der Ampel beim Aarauer Busbahnhof
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37 Sekunden gewartet - Ein Dritter folgt den jungen Männern
1 Minute 42 Sekunden gewartet: Zwei Sekunden, bevor es grün wird, reisst den beiden Frauen der Geduldsfaden.

Das lange Warten vor der Ampel beim Aarauer Busbahnhof

video/kus

Die Frau drückt den roten Knopf und wartet. Sie blickt auf die halb verdeckte Bahnhof Uhr, dann wieder auf die Ampel. Sie ist rot. Genauer: Das Männchen ist rot. Sie wartet. Drückt noch einmal auf den Knopf. Schaut zur Ampel. Wartet.

Zwei junge Typen laufen an ihr vorbei über die Strasse zum Bushof. Ein dritter zögert eine Weile, geht dann auch. Die Frau schaut auf ihre Uhr, dann auf den roten Knopf, dann auf die Ampel. Rot.

102 Sekunden sind sie und ihre Begleitung gestanden, bis endlich das grüne Männchen erscheint. 102 Sekunden gefühlte Ewigkeit.

Das ist das Maximum an Zeit, welche Fussgänger vor dem Überqueren der Bahnhofstrasse an den Ampeln warten müssen. Eine halbe Minute ist die Regel.

Manche geniessen die «Entschleunigung» vielleicht. Anderen ergeht es wie einer älteren Frau, die schliesslich fluchte: «Gopfriedstutz, jetzt lauf ich halt rüber.»

Lange warten wegen Fehlanmeldung

Die Wartezeiten am Fussgängerstreifen vor dem Bushof werden sich verkürzen: Projektleiter Markus Kissling will die Fehlanmeldungen reduzieren. Normalerweise meldet sich ein Auto vor einer Ampel über eine Anmeldeschlaufe an. Doch ab und zu kommt es vor, dass sich ein Lastwagenfahrer als Velofahrer anmeldet, weil er mit seiner Fahrzeugbreite auch auf dem Velostreifen hält. Der fiktive Velofahrer hält den ganzen Verkehr auf, weil er - anders als Lastwagen - die Bahnhofstrasse überqueren muss. Die Fussgänger fragen sich, warum rot ist, obwohl keine Autos vorbeifahren, und werden ungeduldig.
Die Anmeldeschlaufen unter der Fahrbahn sollen nun so sensibilisiert werden, dass es weniger Fehlanmeldungen gibt. Das Aarauer Fussvolk kann also damit rechnen, die Bahnhofstrasse in Zukunft früher queren zu können. (bie)

Trotzdem mehr Sicherheit

Einfach rübergelaufen sind die Leute zwischen Post und Bahnhofplatz schon immer. Seit einem halben Jahr ist die Querung der Bahnhofstrasse aber offiziell erlaubt: Zwei Fussgängerstreifen wurden auf den Teer gemalt, später Ampeln errichtet.

Seither sind jene, welche die Unterführung nicht nutzen wollen, sicherer unterwegs. Aber muss das lange Warten sein?

Markus Kissling vom Kanton hatte die Gesamtleitung bei der Realisierung des Projekts Bushof Aarau. Er bestätigt, dass bei ihm Beschwerden von Fussgängern eingegangen sind.

Doch er sagt: «Die Verkehrslage rund um den Bushof ist eine der komplexesten im Kanton Aargau. Busfahrer, Automobilisten, Velofahrer und Fussgänger wollen hier alle auf engem Raum möglichst schnell von A nach B kommen.»

Ohne Ampeln, nur mit Fussgängerstreifen käme der Verkehr zum Erliegen. Das war im Sommer während der Bauzeit der Fall, als nur ein provisorischer Fussgängerstreifen markiert war.

Busse werden bevorzugt

Nun werden die Fussgänger zum Warten gezwungen. Die Busse haben Priorität. Sie dürfen nicht blockiert werden, um Verspätungen zu vermeiden. Dementsprechend zufrieden ist Erwin Rosenast, Mediensprecher von AAR bus+bahn: «Der Verkehr ist jetzt geregelter und die Sicherheit gewährleistet.»

Wichtig sei auch, dass der Weg von den Zügen zu den Bussen verkürzt wurde. Zuvor fuhr die Hälfte der Busse auf der anderen Strassenseite ab.

Doch war es überhaupt nötig, Fussgängerstreifen auf die Bahnhofstrasse zu malen, wo es doch schon eine Unterführung gibt? «Die Fussgänger wollen nicht in den Untergrund verbannt werden», sagt Projektleiter Markus Kissling.

Die Fussgänger könnten nun zwischen Unterführung und Zebrastreifen wählen. Dass viele Personen keine der beiden Möglichkeiten nehmen, sondern die Strasse irgendwo überqueren, könne man nicht verhindern.

«Der Bushof Aarau ist ein Platz, wo gegenseitige Rücksichtnahme zwingend ist», sagt Kissling. Das ist offenbar der Fall. Zumindest haben sich bis jetzt noch keine Unfälle ereignet.