Suhr
1000 Einwohner mehr brauchen Platz: Suhr will inneres Verdichten fördern

Der Gemeinderat von Suhr hat erklärt, wie die Wachstumsziele ohne neues Bauland realisiert werden sollen. Das Rezept heisst: Innere Verdichtung.

Hubert Keller
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Ein idyllisches Flair verleiht der Stadtbach dem Quartier an der Bachstrasse. Die revidierte Zonenordnung verschafft Klarheit bezüglich derGebäude-und Grenzabstände im Bereich des renaturierten Gewässers. Emanuel Freudiger

Ein idyllisches Flair verleiht der Stadtbach dem Quartier an der Bachstrasse. Die revidierte Zonenordnung verschafft Klarheit bezüglich derGebäude-und Grenzabstände im Bereich des renaturierten Gewässers. Emanuel Freudiger

EMANUEL PER FREUDIGER

In der Gemeinde Suhr beanspruchen 62 Einwohner eine Hektare (ha) Bauland. Die Einwohnerdichte liegt damit deutlich über dem kantonalen Schnitt von 47 Einwohnern pro Hektare. Trotzdem will die Gemeinde wachsen – nicht nach aussen, indem neues Bauland eingezont wird, sondern nach innen.

Möglich werden soll dies mit der Revision des Zonenplans und der Bau- und Nutzungsordnung. Bis 11. März läuft dazu das öffentliche Mitwirkungsverfahren.

Die Gemeinde kann sich dem allgemeinen Bevölkerungszuwachs nicht entziehen. Sie wird in den nächsten 10 bis 15 Jahren um weitere rund 1000 auf gegen 11 000 Einwohner wachsen. An einer Informationsveranstaltung am Dienstagabend klärte der Gemeinderat darüber auf, wie er die Zielvorstellung «mehr Einwohner ohne neue Einzonungen» erreichen will.

Innere Verdichtung heisst das Rezept, das Planer Paul Keller vom Ennetbadener Büro Arcoplan vorstellte. Mit Anreizen soll sie gefördert werden. Prädestiniert sind Gebiete, in denen die Einwohnerdichte gering und die Bausubstanz aus den 6oer-Jahren stammt oder noch älter ist. Auf solchen bereits überbauten Flächen werden Ersatzbauten sinnvoll, um heutige Energiestandards und moderne Wohnbedürfnisse zu erfüllen. Ersatzbauten sollen aber Wohnraum für mehr Personen bieten.

Die Einwohnerdichte ist in den fraglichen Quartieren (Wohnzone W2) vielfach unterdurchschnittlich. Die Spannweite zwischen tiefster Einwohnerdichte (19 E/ha) und höchster Dichte (147 E/ha) ist in Suhr nämlich gross. Wenn aber in unternutzten Quartieren die Ausnützungsziffer angehoben wird, würde nur die Wohnfläche pro Einwohner erhöht, nicht aber Wohnraum für mehr Einwohner zur Verfügung gestellt, befürchten Planer und Gemeinderat.

«Dies wollen wir verhindern», sagte Gemeindepräsident Beat Rüetschi und betonte gleichzeitig, dass private Eigentumsansprüche deswegen nicht angetastet würden.

Keine Abstriche an der Qualität

Die Gemeinde will also Anreize schaffen: Sofern mit einem neuen Bauprojekt in der Wohnzone W2 mehr Wohneinheiten entstehen, sieht die revidierte Bauordnung als Belohnung vor, dass die Ausnützungsziffer angehoben wird. Bauwillige, Projektverfasser, Investoren sollen aktiv unterstützt und beraten werden. Parzellenübergreifende Planungen sollen gefördert, die Bauherrschaften auf vorhandenes Entwicklungspotenzial sensibilisiert werden.

Wo auf einzelnen Parzellen jetzt noch zwei isolierte Einfamlienhäuser stehen, könnte künftig eine einzelne Baute mit drei oder mehr Wohnungen realisiert werden. Verdichtete Wohnbauformen sollen sich in die vorhandene Quartierstruktur einpassen. «An der Qualität werden», so Rüetschi, «keine Abstriche gemacht.»

In den bestehenden gestaltungsplanpflichtigen Arealen sowie in den Kern- und Dorfzonen sind die raumplanerischen und baurechtlichen Instrumente bereits vorhanden, um eine qualitative Siedlungsentwicklung zu ermöglichen.

Unklarheit war beim Stadtbach entstanden, nachdem sich Kanton und Bund noch immer über Gewässerschutzvorschriften und Grenzabstände zu Gewässern streiten. Nun wird klar festgehalten, dass es sich beim Stadtbach nicht um ein öffentliches Gewässer handelt und deshalb privatrechtliche Grenzabstände gelten.

Im Jahr 2011 haben Bevölkerung und Gemeinderat gemeinsam ein Entwicklungsleitbild erarbeitet. Einer der Leitsätze hält fest: Suhr setzt sich mit einem Mix aus Einfamilienhäusern, verdichtet gebautem Wohnraum und Landwirtschaft für ein beschränktes Wachstum der Gemeinde ein.

Suhr fördert seine Ausrichtung als Gemeinde in Stadtnähe mit attraktiven Naherholungsräumen, Grünflächen und Spielmöglichkeiten für Kinder. «Dieser Leitsatz bildet die Grundlage der aktuellen Zonenplanrevision», sagte Gemeindepräsident Beat Rüetschi.

Vorgesehen ist, dass die revidierte Zonenordnung im November 2014 der Gemeindeversammlung zur Beschlussfassung vorgelegt wird.