Aarau
100 Sorten: Kaffee-Liebhaber sollen hier auf den Geschmack kommen

Philippe Gacond will das Lokal der einstigen Bahnhof-Apotheke aus dem Dämmerschlaf wecken – und seinen Barista-Shop zu einer neuen Anlaufstelle für Kaffee-Liebhaber machen. Doch bis zur Eröffnung wird noch gebüffelt.

Katja Schlegel
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Noch wollen Philippe Gacond (links) und Francisco Velazquez den Rollladen zum neuen Barista-Laden nicht lüften.

Noch wollen Philippe Gacond (links) und Francisco Velazquez den Rollladen zum neuen Barista-Laden nicht lüften.

Chris Iseli

Die Schubladen sind seit Jahren leer, angeschrieben sind sie aber noch immer: «Venen» steht da beispielsweise auf dem Zettelchen, «Rauchentwöhnung», «Schnupfen» oder «Schlafstörungen».

Leer sind auch die Regale über den gewaltigen Apotheker-Schubladenschränken. Aber nicht mehr lange. Statt Pillen gibt es bald Bohnen, dazu Filter statt Pülverchen und Mühlen statt Mörser: Aus der ehemaligen Apotheke an der Bahnhofstrasse wird ein Barista-Shop, eine Anlaufstelle für Kaffee-Liebhaber. Philippe Gacond, Inhaber der «La Crêperie» an der Pelzgasse und dem «Ccino» am Rain, verwirklicht sich damit einen lang gehegten Traum.

Bis die seit bald fünf Jahren leerstehende Bahnhof-Apotheke aus ihrem Dämmerschlaf geweckt wird, wird es noch einen Moment dauern. Noch ist Gacond nicht so weit. Zusammen mit Francisco Velazquez, dem künftigen stellvertretenden Geschäftsführer, hat er in den letzten Wochen jede freie Minute in der alten Apotheke verbracht, hat am Lampenkonzept getüftelt, Bodenbeläge herausgerissen und Verschalungen von den Wänden gelöst.

Eine mühsame Arbeit, aber auch eine mit Überraschungen: Zum Vorschein gekommen sind ein Eichen-Fischgratparkett und verspielte Blumentapeten. Die hat Gacond kleben lassen, angerissen wie sie sind.

Auch die für eine Sondierung herausgebrochenen Ziegelsteine ersetzt er nicht, sondern lässt das offene Mauerwerk einfach so sein. Genau so wie all die alten Apotheker-Möbel. «Ich will den Charme der alten Bahnhofs-Apotheke erhalten», sagt Gacond. Dieses Alte und Verbrauchte gefalle ihm.

Dass Gacond nicht mehr Unsummen in das Lokal investiert, hat nicht nur gestalterische oder nostalgische Gründe, sondern auch ganz praktische: Der Barista-Shop ist nur als Zwischennutzung gedacht, bis die Unigamma Anlagestiftung einen Neu- oder Umbau realisieren kann. Wie lange das dauern wird, ist offen.

Gacond hofft aber mindestens auf eine Frist bis Ende Jahr. «Ob ich in der Zeit die Auslagen für den Umbau decken kann, weiss ich nicht. Aber das ist es mir wert. Dieser Laden ist mein absoluter Traum.»

Das Konzept ist nicht auf Gastronomie, sondern auf Detailhandel ausgerichtet: Zwar kann man hier auch Kaffee kriegen, ihn unterwegs oder im Laden an einem Stehtisch trinken. Verkauft werden hier aber hauptsächlich rund 100 verschiedene Kaffeesorten, dazu Filter, Mühlen, Maschinen, Zubehör und Reinigungsmittel. Gacond hat sich dafür mit dem deutschen Spezialitätenröster Supremo zusammengetan, der ihn als ersten Schweizer überhaupt mit erlesenen Sorten aus der ganzen Welt beliefert.

Der Filterkaffee kommt zurück

Sind 100 Sorten nicht etwas gar viel? Gacond schüttelt den Kopf: «Das sind keine Mischungen mit der bitteren, überrösteten Note. Das sind Sorten, die mal nussig schmecken, floral, fruchtig oder schokoladig, cremig oder nach Karamell.»

Richtig guter Kaffee eben, sagt Gacond und grinst. «Wert auf guten Kaffee zu legen, das muss der Schweizer noch lernen.» Dass der Markt dafür besteht, davon ist er überzeugt. Er stellt sich vor, dass sein Kunde hier im Laden – wie in einem Wein- oder Whiskygeschäft – den für seinen Gusto perfekten Kaffee findet. Für Francisco Velazquez und das restliche Personal bedeutet das für die Wochen bis zur Eröffnung und den ersten Beratungsgesprächen vor allem eines: «Kaffee degustieren und Geschmacksnoten büffeln.»

Auch wollen Gacond und Velazquez den Aarauern etwas Neues und doch Altes schmackhaft machen: Filterkaffee. Nicht als dünnes Gebräu, sondern von Hand aufgegossen, mit neuen, intensiven Aromen. «Weltweit boomt der Filterkaffee wie verrückt, nur in der Schweiz hat er einen schlechten Ruf.»

Kaffee wird man im Laden schon bald kaufen können. Auf einen fixen Termin für die grosse Eröffnungsfeier will sich Gacond aber nicht festlegen, denn zeitgleich mit der Eröffnung soll auch der Online-Shop aufgeschaltet werden. Wann beide Projekte startklar sind, ist noch nicht ganz klar. «Gegen Ende Mai sollte es aber so weit sein.»

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