Aarau
100 Jahre Naturfreunde: Ein Rückblick mit wunderbarer Aussicht

Der Touristenverein Naturfreunde Sektion Aarau feiert sein 100-Jahr-Jubiläum bei seinem Berghaus Schafmatt. Vor einem Jahrhundert, am 18. Februar 1913, wurde die Sektion Aarau des internationalen Touristenvereins «Die Naturfreunde» gegründet.

Markus Christen
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Das Berghaus Schafmatt, das auf Oltinger, also basellandschaftlichem, Boden steht, bietet zum Jubiläumsfest einen wunderbaren Ausblick.

Das Berghaus Schafmatt, das auf Oltinger, also basellandschaftlichem, Boden steht, bietet zum Jubiläumsfest einen wunderbaren Ausblick.

An diesem sonnenreichen Samstagmorgen gewährt der Aufenthalt vor dem Berghaus Schafmatt nicht nur einen wunderbaren Ausblick auf die umliegende Hügel- und Wiesenlandschaft, getätigt wird hier auch ein intensiver Rückblick auf eine bewegte Geschichte.

Vor 100 Jahren, am 18. Februar 1913, wurde die Sektion Aarau des internationalen Touristenvereins «Die Naturfreunde» gegründet.

Seit 1979 amtet Hansruedi Bürgi als Präsident der Naturfreunde Aarau. In seiner Ansprache während des geselligen Jubiläumsanlasses auf der Schafmatt betont Bürgi die Herkunft des Vereins aus der sozialistischen Arbeiterbewegung.

Die Naturfreunde haben sich 1895 in Wien formiert. Sie sahen ihre Aufgabe darin, «all jenen Zugang zu Freizeit, Sport und Tourismus zu verschaffen, die dies um 1900 – und noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein – allein nicht vermochten», wie Marcel Rodel, OK-Präsident des Jubiläumsfestes, in der erhellenden Festschrift schreibt.

«Grundwerte sind geblieben»

Im Grunde sei es aus gesellschaftspolitischer Sicht peinlich, dass 1913 neben dem Schweizer Alpen Club (SAC), der heuer seinen 150. Geburtstag feiern darf, noch ein weiterer Verein mit einer ähnlichen Ausrichtung gegründet werden musste, führt Beat Blattner, Stadtrat von Aarau, in seiner Grussbotschaft an die Naturfreunde Aarau aus.

Doch habe es beim SAC elitäre Phasen gegeben und seien die Arbeitnehmer nicht als vollwertige Mitglieder betrachtet worden.

Dabei, so Blattner, «haben alle den gleichen Blick auf die Natur. Da spielt es keine Rolle, welche Position man in der Gesellschaft einnimmt. Wichtig ist, die Natur zu pflegen und ihr Sorge zu tragen.»

Der Jugend verpflichtet

Dieser Aufgabe widmen sich die Naturfreunde Aarau mit viel Elan. Die 180 Vereinsmitglieder betreiben das 1935 eröffnete, in Fronarbeit errichtete Berghaus auf der Schafmatt, bewirten die Wanderer, organisieren Freizeitaktivitäten und wollen insbesondere den jungen Besuchern die Natur nahe bringen.

«Mein Ziel und meine Philosophie ist es», erklärt Hansruedi Bürgi, «das Berghaus Schafmatt zu erhalten und es einer nächsten Generation zu übergeben.»

Seit den 1950er-Jahren haben sich der demokratische Sozialismus und auch die gesellschaftliche und wirtschaftliche Stellung der Arbeiterschaft verbessert, erinnert Regierungsrat Urs Hofmann in seiner Grussbotschaft. «Entsprechend haben sich die Naturfreunde ideologisch und politisch geöffnet. Geblieben sind die gepflegten Grundwerte der Naturfreunde, Solidarität und freiwilliges Engagement, Freundschaft, Gerechtigkeit, Demokratie und ein Bewusstsein für Natur und Umwelt.»

Die Naturfreunde, so Hofmann, dürften stolz sein auf ihre Geschichte.

Aus dem Geschichtsbuch

Spannend ist die von Marcel Rodel zum Jubiläum verfasste Chronik der Naturfreunde Aarau zu lesen. So wechselte der Verein etwa bereits ein Jahr nach der Gründung das Vereinslokal vom Gasthof «zur Krone» zum alkoholfreien Restaurant «Helvetia», dem späteren «Goldige Öpfel». Rodel schreibt dazu: «Wahrscheinlich erfolgte dieser Lokalwechsel, um dem Alkoholkonsum vorzubeugen. Der Alkohol war damals in der Arbeiterschaft weit verbreitet und ein grosses Problem.»
1951 stellte die Sozialistische Partei ein Gesuch für einen Beitrag in den Kampffonds. «Bewilligt wurde ohne grosse Diskussion aus der Vereinskasse 5 Franken und aus der Hüttenkasse 5 Franken.»
Nicht verschont wurde das Berghaus Schafmatt vom Jahrhundertsturm Lothar. «Eine gespaltene Buche krachte seitlich auf das Hausdach. Einzelne Äste bohrten sich durch die Ziegel und das Unterdach. Die Schlafräume wurden dabei zum Glück nicht beschädigt.» (mch)

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