Naja, vielleicht ist 12 Uhr an einem Sonntag etwas früh für ein Bier, doch zusammen mit einer Bratwurst solls erlaubt sein und beim Fussball sowieso. Ich entscheide mich trotzdem dagegen und wende mich der Szenerie zu. Das dumpfe Geräusch der getretenen Bälle, angeregte Unterhaltungen, wunderprächtiges Wetter – es ist perfekt und ich freue mich auf das Spiel.

Die NLB-Fussballmannschaft FC Aarau Frauen präsentiert sich zur Saisoneröffnung in der Sportanlage Schachen ihrem Publikum – gemeinsam mit ihrem Nachwuchs, den U16- und U19-Teams. Die Frauen und Mädchen wollen zeigen, was sie draufhaben, und das zu Recht. Letzte Saison haben sich die FCA-Frauen in die Aufstiegsrunde gekämpft und fast hätten sie es in die Nationalliga A geschafft. Dann hätte Aarau wenigstens eine Mannschaft in der höchsten Fussballliga. Nun, es hat nicht gereicht, aber in der neuen Saison soll es gelingen. Mit Neuzugängen aus Luzern, Spanien und anderen Orten, die heute vorgestellt werden. Und mit (noch mehr) Schweiss, Arbeit und Begeisterung. Die neusten Trainingstechniken sollen angewendet werden, dafür sind Experten ins Trainingsteam geholt worden. Ein motiviertes Team steht da auf dem Platz, von den Trainern bis zu den Spielerinnen, das spürt man.

Es geht los: Die langen Haare nach hinten gebunden, rennen die jungen Frauen über den Kunstrasen, was das Zeug hält und das bei brütender Hitze. Aus Zuschauerreihen kommen Applaus und Zurufe. Ich frage mich, weshalb die eine Aarauer Mannschaft der Challenge League im Brügglifeld spielt und die andere der NLB im Schachen? Zugegeben, im Vergleich gibt es im Frauenfussball wenig Zuschauer/-innen. Aber das ist verständlich, da das Ganze wenig attraktiv daherkommt: Die Spiele finden im Schachen statt, nicht einmal die Speaker-Anlage darf benutzt werden (obwohl sie da ist), weil sonst die Anwohner/-innen (die weit weg auf dem Hungerberg wohnen) sich gestört fühlen könnten. «Jede unnötige Belästigung der Nachbarschaft durch Lärm ist zu vermeiden», steht im Nutzungsreglement der Anlage und da haben sich alle im Schachen daran zu halten – zu jeder Tageszeit.

So geschehen im April und Mai, als die entscheidenden Aufstiegsspiele stattfanden. Anders im Brügglifeld. Und auf dem Weg dorthin. Und ich denke an die Diskussion um das neue Stadion, falls dieses auch wirklich mal gebaut wird. Soll da auch nur Männerfussball stattfinden? Leistet sich die Stadt den Luxus, für mehrere Millionen einen Fussballplatz für die eine Mannschaft in der zweithöchsten Liga zu bauen, in der die andere, auch in der zweithöchsten Fussballliga, keinen Platz hat?

Gerade ist ein Tor gefallen. Die 1. Mannschaft führt erwartungsgemäss. Aarau würde gut daransetzen, den Frauenfussball in der eigenen Stadt zu unterstützen wie den der Männer. Gerade auch für die vielen Mädchen, die in den verschiedenen Juniorinnen-Mannschaften und im Schulsport in und um Aarau Fussball spielen. Und das sind viele! Unter ihnen finden sich Talente, die es zu fördern gilt, damit sie den Einstieg in den Spitzensport finden könnten. Wir wollen den FCA in der höchsten Schweizer Fussballliga spielen sehen, ob Frauen oder Männer, ob auf dem Brügglifeld oder hoffentlich einmal im Torfeld Süd. In diesem Sinne: Hopp Aarau!