Aarau

1.-Mai-Rede: Pedro Lenz glaubt nicht an die Vernunft der Grossverdiener

Der Oltner Schriftsteller Pedro Lenz, der sich für die Mindestlohn-Initiative stark machte, hatte auf dem Kirchplatz in Aarau ein grosses Publikum. Rund 400 Gewerkschafter und Sozialdemokraten hatten sich zur 1.-Mai-Feier versammelt.

Man kann nicht alles gesetzlich regeln, die Löhne sollen doch unter den Sozialpartner ausgehandelt werden, mit Vernunft … «So argumentieren nur jene, welche die grossen Löhne einstecken», sagte der Oltner Schriftsteller Pedro Lenz in seiner eindringlichen Rede an der 1.-Mai-Feier auf dem Kirchplatz. Wenn argumentiert werde, der Mindestlohn könne die Arbeit jener gefährden, die es nötig haben, so sei das zynisch. «Wir glauben nicht mehr an diese Vernunft, wenn die Löhne derer, die sich auf sie berufen, steigen, und die Löhne der Schwachen sinken.»

Auf dem Kirchplatz, wo sich gegen 400 Leute versammelt hatten, erntete Pedro Lenz spontanen Applaus. «Ein Gemeinwesen ist darauf angewiesen, dass die, die schaffen, davon auch würdig leben können», sagte er.

Arbeit, die nicht krank macht

Nationaltrat Max Chopard prangerte in seiner Rede den Umstand an, dass rund 330000 Menschen in der Schweiz weniger als 4000 Franken im Monat verdienen.
Und rund 95 Prozent aller Personen, die trotz Arbeit auf Sozialhilfe angewiesen sind, ein Einkommen unter 4000 Franken haben. Der Gewerkschafter forderte gute Arbeitsbedingungen: «Die Arbeit darf nicht krank machen.»

Als dritte im Bunde sprach Juso-Aktivistin Claudia Mauchle aus Unterkulm über ihre Arbeit in einer Kindertagesstätte. Sie kritisierte den Mangel an Krippenplätzen, die erst noch zu teuer seien. Einen Kontrapunkt zu den Reden setzte die albanische Tanzgruppe «Rinia» aus Spreitenbach. Für musikalische Unterhaltung sorgte die Cover-Rockband «Real Silk».

Regen und dumme Sprüche

Vor dem Fest auf dem Kirchplatz waren rund 150 Sozialdemokraten und Gewerkschafter durch die Bahnhofstrasse und die Altstadt gezogen. «Starkes Land, faire Löhne», «Lieber Tagesschulen als Grippenviren», «Stopp der Sparschweinerei» stand auf den Transparenten.

Der spätere kurze Regenschauer konnte die Teilnehmer der wie immer gemütlichen 1.-Mai-Feier nicht gross stören, auf die dummen Sprüche aus den offenen Autofenster in der sich wegen des Umzugs stauenden Wagenkolonne oder von Passanten auf den Trottoirs hätten sie aber gut verzichten können.

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