1. August
Irène Kälin zu Gast in Suhr: «Wir müssen den Coronagraben zuschütten»

An der Suhrer Bundesfeier appellierte Grünen-Nationalrätin Irène Kälin an die Bevölkerung, beim Reiztheme Corona Brücken zu schlagen: Man solle sich wieder mehr zuhören, gerade wenn man sich nicht einig sei.

Valérie Jost
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Nationalrätin Irène Kälin macht sich Sorgen um die Solidarität in der Schweiz.

Nationalrätin Irène Kälin macht sich Sorgen um die Solidarität in der Schweiz.

Bild: Severin Bigler

Mit Flaggen geschmückte Festbänke, kräftiges Mitklatschen beim musikalischen Auftakt der Suhrer Musig: In der Bärenmatte erinnerten zuerst nur die Contact-Tracing-Listen an die Pandemiesituation.

Dann nahm Nationalrätin Irène Kälin (Grüne) das Thema in ihrer Festrede auf: Ein Graben, tiefer als der Röstigraben, ziehe sich durchs Land, sagte sie. Wegen des «Coronagrabens» mache sie sich Sorgen um einige der grössten Schweizer Stärken – die Einheit und Solidarität. «Statt unsere Freunde oder Familien aus unserem Leben auszuschliessen, weil sie geimpft sind oder eben nicht, müssen wir einander mehr zuhören. Gerade, wenn wir nicht derselben Meinung sind», so die Nationalrätin. Forderungen wie jene nach der Kennzeichnung des Gesundheitspersonals als geimpft oder ungeimpft oder die Idee, dass Ungeimpfte die Kosten einer allfälligen Corona-Erkrankung selbst tragen müssten, würden den Graben dagegen vertiefen.

Ein Beispiel bot sich direkt im Anschluss: Bei der Schweizer Hymne durften die rund 120 Suhrerinnen, Suhrer und Gäste wegen der Ansteckungsgefahr nicht mitsingen. Dafür wurde beim Eingang auf die Kontrolle eines Covid-Zertifikates verzichtet, so Gemeindepräsident Marco Genoni. Dass mit dem Singverbot nicht alle glücklich waren, zeigte das Raunen und Getuschel, das durch die Menge ging. Kälins Appell, den Graben «zuzuschütten oder immerhin Brücken zu bauen», dürfte bei so manchem nachgehallt haben.

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