Im vergangenen Dezember lag das Gesuch für die Neukonzessionierung des Aarekraftwerks Rüchlig in Aarau beim Kanton und bei der Stadt öffentlich auf. In diesem Zusammenhang ersuchte die Axpo als Bauherrin unter anderem um eine Talwasserrinne im bestehenden Kanal. Damit soll der Wasserdruck auf die Turbinen erhöht werden.

Dieser Umstand stösst verschiedenen Hauseigentümerinnen und -eigentümern im nahen Scheibenschachenquartier sauer auf. Mit dem Ausgraben des Flussbetts werde die Schicht, welche den Fluss bisher hindert, in das Grundwasser einzudringen, «komplett entfernt», heisst es in den Einsprachen, die reihenweise an die Abteilung Landschaft und Gewässer des kantonalen Baudepartements geschickt worden sind. Mit dieser Massnahme könne mit dem Neubau des Kraftwerkes «das Fluss- ungehindert in das Grundwasser einfliessen», fürchten die Anrainer.

Feuchtigkeit macht den Häusern zu schaffen

Gemäss den öffentlich aufgelegten Unterlagen wird der Anstieg des Grundwassers im Scheibenschachen bis zu 2 Meter betragen, bei einem mittleren Wasserstand des Aarespiegels. «Unsere Liegenschaften werden auf unbestimmte Zeit im Grundwasser stehen und mittelfristig beschädigt», erklärt Lukas Nadig, einer der betroffenen Eigentümer. Wegen der herrschenden Feuchtigkeit würden die Häuser nach und nach unbewohnbar. Es sei als Folge der geplanten Talwasserrinne auch nicht mehr möglich, begehbare Keller zu bauen, weil künftig der mittlere Grundwasserspiegel für die Berechnung der Bautentiefe zur Anwendung gelange. «Deshalb wehren wir uns gegen diesen Eingriff in unsere Rechte und unser Grundeigentum», sagt Nadig.

Weil die umstrittene Talwasserrinne eine konzeptionelle Voraussetzung für den Betrieb des neuen Kraftwerks Rüchlig ist, stellen die Einsprecher den Antrag, «die Konzession wie auch die Baubewilligung zu verweigern».

Man hat im Scheibenschachen noch die verheerende Überschwemmung vom 9. August 2007 vor Augen, gefolgt von einem Streit um die Haftung. Sollte deshalb die Talwasserrinne trotzdem bewilligt werden, verlangen die Einsprecher von der Konzessionärin im Falle von Schäden zwingend die Übernahme der Kosten «in der Höhe von hundert Prozent». Vorbeugend sollen im Fall einer Baubewilligung der Grundwasserspiegel überwacht und die entsprechenden Daten den Hauseigentümern «uneingeschränkt» zur Verfügung gestellt werden.

Projektauflage wiederholen?

Die Einsprecher sind der Ansicht, dass die eingereichten Unterlagen «ungenau» und «irreführend» seien. Das betrifft auch die vorgesehene Erschliessung der Baustelle für das neue Kraftwerk Rüchlig über die Kirchbergstrasse, also mitten durch das Wohnquartier. Deshalb wird beantragt, die Projektauflage «zu wiederholen» oder mindestens die geäusserten Bedenken in die neue Konzession aufzunehmen.