GE-Kahlschlag

Oberentfelder sauer: «Bei GE gilt halt ‹America First›!»

Bei GE Grid in Oberentfelden arbeiten noch 500 Personen.

Bei GE Grid in Oberentfelden arbeiten noch 500 Personen.

Allein beim GE-Standort in Oberentfelden müssen 50 von 500 Angestellten gehen. Mitarbeiter sind sauer, weil sie nur auf Englisch informiert wurden. Im Dorf wundert man sich über den Kahlschlag in der Schweiz mit Verweis darauf, dass der Besitzer in Amerika sitzt.

Die Mitarbeiter sind sauer, weil sie nur über eine Videokonferenz orientiert wurden. Und das auf Englisch, was viele nicht verstehen. «Es ist schwer zu ertragen, dass die Zeit der Ungewissheit jetzt weitergeht: Wen trifft es? Welche 50 Mitarbeiter werden entlassen?», meinte ein Mann ausserhalb des Werkgeländes. Besonders gross ist die Angst im sogenannten Kompetenzzentrum, in dem Entwicklungsarbeiten gemacht werden. Ein Gerücht sagt: «Alle 50 Entlassungen gibt es hier. Das Kompetenzzentrum wird auf fünf Arbeitsplätze hinabgefahren.»

Jede zehnte Stelle geht verloren

Die GE Grid entstand aus der ehemaligen Hochspannungsabteilung der «Sprecher + Schuh», die 1986 an die Alstom verkauft wurde und dann mehrfach die Hand wechselte. Heute arbeiten Grössenordnung 500 Personen in Oberentfelden. Nun soll jeder zehnte den Job verlieren. «Ich und mein Kollege stehen auf der Abschussliste», klagt ein GE-Angestellter. «Was mit uns passiert, interessiert die Manager in den USA überhaupt nicht», ärgert sich ein anderer. Ein Dritter erklärt: «Jeder schaut nur noch für sich. Die Chefs haben uns geraten, so weiter zu arbeiten wie bisher. Was sollen wir auch anderes tun?»

Gemeindeammann Markus Werder (SVP) versteht den Frust der Betroffenen. Er leidet mit – ist aber auch etwas erleichtert. Das schlimmste Szenario, die Schliessung des Standorts Oberentfelden, bleibt aus. «Wir sind noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen», sagt Markus Werder.

Am Standort Oberentfelden wird ein Nischenprodukt von General Electric produziert. Deshalb ist Oberentfelden wohl noch einmal ein wenig verschont geblieben – das war schon bei der Übernahme so. Für die betroffenen 50 Personen ist es trotzdem tragisch. Und die Stellen fehlen so oder so. Der Abbau als Ganzes trifft den Wirtschaftsraum Aargau hart.»
Werder weiter: «Dass insgesamt 1400 Stellen gestrichen werden, ist eigentlich wahnsinnig. Es überrascht aber nicht, wenn man weiss, wer der Besitzer ist. Da gilt ‹America First›.»

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