36 Grad: Heute wird es so heiss wie selten

Meteorologen erwarten heute Temperaturen nahe bei den Aargauer Rekordwerten – der Juli war bisher so trocken wie kaum einmal zuvor.

Sandra Meier
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Autos und Badegäste dicht an dicht: Bei 31 Grad zog es viele zur Abkühlung ins Strandbad Seerose in Meisterschwanden.

Autos und Badegäste dicht an dicht: Bei 31 Grad zog es viele zur Abkühlung ins Strandbad Seerose in Meisterschwanden.

Bild: Michael Küng

Schweiss perlt von der Stirn, das Wasserglace tropft im Sekundentakt über die linke Hand: Seit Wochenbeginn ächzt der Aargau unter Temperaturen von mehr als 30 Grad. Heute Freitag soll das Quecksilber sogar auf bis zu 36 Grad ansteigen, wie Roger Perret von Meteonews auf Anfrage mitteilt: «Am wärmsten wird es dabei wohl am Rhein, beispielsweise in Rheinfelden», so der Meteorologe.

Viel heisser war es im Aargau selten. Die höchste Temperatur seit Messbeginn verzeichnete die Messstation Buchs-­Aarau am 24. Juli 2019 mit 37 Grad. Allerdings ist der Aargau gemäss Meteorologe Perret nur durch wenige Messstationen abgedeckt: «Am Rhein wäre es wohl wärmer, aber es gibt keine weit zurückreichenden Messreihen.»

Deutlich weniger Hitzetage als in den letzten Jahren

Die anhaltend hohen Temperaturen dieser Woche sind aber nicht repräsentativ für den Monat: Bisher fiel der Juli 2020 vor allem mit wechselhaftem Wetter auf. In den ersten zwei Monatsdritteln dauerten die zwei längsten sonnigen Perioden auf der Alpennordseite laut Meteo Schweiz nur gerade drei Tage. Kaltfronten und Gewitter verdrängten die Sommersonne sonst spätestens nach zwei folgenden Tagen wieder.

Das spiegelt sich auch in der Anzahl Hitzetagen wieder. Bis und mit Montag wurden bei der Messstation Buchs-Aarau im Juli vier Tage mit 30 Grad oder mehr gezählt. Die Norm von fünf Hitzetagen dürfte mit dieser Woche aber bereits vor Monatsende problemlos überschritten worden sein. Zum Vergleich: Im letzten Jahr verzeichnete die Messstation im Juli acht Hitzetage. Im Hitzesommer 2015 waren es 16, im Jahr 2006 stieg das Quecksilber gar an 19 Tagen auf 30 Grad oder mehr.

Bereits der Juni zeigte sich kühler als in Vorjahren. Zum ersten Mal seit mehr als 20 Jahren verzeichnete die Messstation Buchs-Aarau dieses Jahr im Juni keinen Hitzetag. Durchschnittlich sind es zwei. Allerdings lag die Durchschnittstemperatur immer noch fast ein halbes Grad über dem monatlichen Mittelwert von 16,9 Grad.

Regenärmster Juli seit über 60 Jahren in Buchs-Aarau

Die Messdaten unterliegen jährlichen Schwankungen, es lässt sich aufgrund der Klimaveränderung aber eine zunehmende Tendenz zu heisseren und trockeneren Sommern feststellen. Als besonders heiss wird der Juli 2020 nicht in die Geschichte eingehen. Aussergewöhnlich ist er aber aus einem anderen Grund: Selten fiel im Aargau weniger Regen. Die Wetterstation Buchs-Aarau verzeichnete bis am 28. Juli lediglich 29,2 Millimeter Niederschlag. Das entspricht etwa einem Viertel der Julinorm von 112 Millimetern. «Ohne weitere Niederschläge in den letzten Julitagen ist dies in Buchs-Aarau der niederschlagsärmste Juli in der homogenen Messreihe ab 1959», sagt Klimatologe Stephan Bader.

Ähnlich regenarm habe sich bisher nur der Juli 2015 mit knapp 33 Millimetern gezeigt. Da es aber im Juni kräftig geregnet hat, sei die Trockenheit im Aargau noch nicht so akut wie letztes Jahr: Laut Bader brachten die Monate Juni und Juli in diesem Jahr 172 Millimeter Niederschlag, im letzten Jahr waren es lediglich 119 Millimeter.

Dennoch hat der Kanton am Dienstag reagiert und die Waldbrandgefahrenstufe auf «gross» erhöht. Das Feuerverbot im und um den Wald wird erst nach ausreichenden Niederschlägen gelockert. Eine erste Abkühlung mit Gewitterschauern und Temperaturen um die 25 Grad dürfte es laut Wetterprognosen am Sonntag geben. Bereits am 1. August liegen die Maxima laut Meteorologe Perret etwas tiefer als heute Freitag. Bis dahin gilt: Schatten aufsuchen, genügend Wasser trinken und den Sommer geniessen.