Total sind im Kanton Aargau derzeit noch etwa 62 Inserate für Lehrerstellen aufgeschaltet, was in etwa 26 Vollzeitäquivalenten entspricht. Letztes Jahr waren es noch deren 129 respektive 58. Am begehrtesten sind dabei Heilpädagogen und Lehrkräfte für die Primarschule mit 5 bezw. 6 Vollzeitäquivalenten. Doch muss beachtet werden, dass die Zahl der Stelleninserate nicht genau der Zahl der noch zu besetzenden Stellen übereinstimmen muss, da die Inserate nicht immer sofort vom Netz genommen werden.

Noch vor einem Monat wurden gar 45 Lehrkräfte für die Primarschule gesucht. Konstant besteht bei der Primarschule im Kanton Aargau der grösste Bedarf. Auch im Kindergarten waren den ganzen Monat über durchschnittlich noch 15 Vollzeitstellen zu besetzen, auf das kommende Schuljahr sind hier mit 8 Vollzeitstellen noch die grössten Löcher. Lichtblick sind die Realschulen: hier waren den letzten Monat über durchschnittlich noch weniger als 5 Vollzeitstellen zu besetzen.

Ausländische Lehrpersonen brechen Spitze

Insgesamt aber ist auffällig, dass die Anzahl der zu besetzenden Stellen gesunken ist. Dies ist auf eine Massnahme des Aargauer Lehrerverbandes zurückzuführen, der Stelleninserate im Frühjahr auch in den Deutschsprachigen Nachbarsländern veröffentlichte. Doch diese Massnahem könne nichts mehr als «die Spitze brechen», wie sagt Kathrin Scholl, stellvertretende Geschäftsführerin Geschäftsführerin des Aargauischen Lehrerverbandes sagt. Langfristig könne damit das Problem nicht behoben werden, da auf die Deutschsprachigen Nachbarländer in den nächsten Jahren ähnliche Probleme zukommen werden.

Auch Hans-Jürg Grunder, Präsident des Verbandes der Schweizer Schulleiter bestätigt: «in der Oberstufe ist die Situation noch immer prekär», gesamtschweizerisch aber habe sich die Lage bei der Primarschule entspannt. Grundsätzlich aber sei die Lage noch immer «alarmierend».

Abstriche bei der Qualität

Der Verband der Schweizer Schulleiter machte kürzlich eine Umfrage bei rund 406 Schulleitern aus der Deutschschweiz - mit erschreckendem Ergebnis: ein Grossteil der offenen Lehrerstellen könne nur besetzt werden, wenn Abstriche bei der Ausbildung und Erfahrung in Kauf genommen werden. So müssen Lehrer eingestellt werden, die weder über ein stufengerechtes Diplom noch über Erfahrung verfügen oder durch zahlreiche vorgängige Stellenwechsel auffallen.

Nur 4 Prozent der Teilnehmer gaben an, für die frei werdenden Stellen ausschliesslich Lehrpersonen mit geeigneter Qualifikation gefunden zu haben. 29 Prozent bezeichneten die Profile der eingestellten Lehrer als «selten übereinstimmend» mit dem eigentlich geforderten Stellenprofil. Dass im Kanton Aargau Personen, die als Qualifikation «Pfadileiter» angeben, als Lehrpersonen eingestellt werden, wie die «NZZ am Sonntag» schrieb, gehört allerdings ins Reich der Fantasien. «Das stimmt schlicht nicht», sagt der von der NZZ zitierte Hans-Jürg Grunder.