Museum Aargau
2012 wird im Museum Aargau «sicher ein neues Rekordjahr»

Bilanz mit Museumsleiter Thomas Pauli und der Geschichtsvermittlerin des Museums, Angela Dettling. Er schaut auf eine Saison zurück, die im Zeichen der Frauen stand.

Mathias Küng
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Angela Dettling (links) im Gespräch mit Ständerätin Pascale Bruderer
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Die sechs historischen Frauenfiguren Anna von Kyburg, Guta von Bachenstein, Julie von Effinger, Franziska Romana, Schankwirtin Belica, Elsi Achermann (von links)
Museum Aargau
Museumsleiter Thomas Pauli und Angela Dettling, Leiterin Geschichtsvermittlung

Angela Dettling (links) im Gespräch mit Ständerätin Pascale Bruderer

Am Mittwoch geht die Saison zu Ende. Sie stand im Zeichen des Frauenjahres. Wie ist Ihre Bilanz?

Thomas Pauli: Mit dem Frauenjahr wollten wir Frauen und ihre oft wenig bekannte Geschichte an männerlastigen Orten thematisieren. Dazu wollten wir Einblicke in die Lebensumstände unterschiedlicher Zeitalter geben und Frauen eine Plattform bieten. Museum Aargau hat jetzt sechs Standorte. Diese bieten Riesenchancen, ein grosses Thema von verschiedenen Seiten zu beleuchten. Wer mehrere unserer Standorte besucht, erhält ein facettenreiches Bild.

Und ist das gelungen?

Mit der Ausstellung auf Schloss Wildegg über die 1912 verstorbene Julie von Effinger sind wir bis ins 20. Jahrhundert vorgestossen. Die Fokussierung auf spezifische Frauenfiguren für jeden Standort ist bei den Besuchern besonders gut angekommen. Über die sie verkörpernden Schauspielerinnen haben diese Frauen ein Gesicht bekommen und sind zu Identifikationsfiguren geworden.

Mich hat fasziniert, dass wir bei den Recherchen zu den Ausstellungen und zu den Frauenfiguren so viele neue Inhalte gefunden haben. Von einigen der dargestellten Frauen wusste man zwar einiges.

Richtig durchleuchtet worden ist ihre Geschichte bisher aber nicht.

Wo zum Beispiel?

Dettling: Gerade bei Franziska Romana von Hallwyl fanden wir neue Facetten. Auf der Habsburg entdeckten wir mit Anna von Kyburg eine Figur, die für die neue Ausstellung auf Schloss Lenzburg zu den Kyburgern Impulse geben kann. Zu Julie von Effinger auf Schloss Wildegg wusste man allgemein noch sehr wenig.

Und heute?

Dettling: Wir kannten bisher die wohltätige Julie. Bei der Transkription und Übersetzung ihres Tagebuchs aus dem Französischen tritt uns jetzt eine neue Julie entgegen. Wir erfahren von jugendlichem Übermut und von Kindheitserinnerungen. Sie neu zu entdecken, ist auch für die Besucherinnen und Besucher sehr spannend.

Sie arbeiten mit vielen Freiwilligen. Bewährt sich dies?

Pauli: Ja, sehr. Unsere 80 Museumsfreiwilligen haben uns auch im Frauenjahr sehr unterstützt und das Programm mit eigenen Produktionen zum Saisonthema bereichert. Zum Beispiel mit historischem Kurztheater in den Schlössern.

Haben Sie bei den Besuchern einen höheren Frauenanteil festgestellt?

Dettling: Wir hatten immer
einen höheren Frauenanteil bei den Besuchern. In den Ausstellungen 2012 war ja nicht gender history
angesagt. Wir wollten die Frauenfiguren im sozialen und politischen Umfeld thematisieren. Die Ladies-first-Abende hingegen waren klar auf Frauen ausgerichtet. Das zog enorm.

Inwiefern?

Dettling: Daraus ergaben sich eigentliche Dialoge zwischen Frauen von damals und von heute. Etwa, als unsere Schauspielerin in Königsfelden aus dem Leben der Nonne Guta von Bachenstein berichtete. Danach erzählte die amtierende Priorin Irene vom Kloster Fahr, wie spannend das für sie war. Der Alltag im Kloster sei grundsätzlich heute genau gleich wie damals. Viele Besucherinnen und Besucher haben etwas entdeckt, das sie berührt hat und das sie weiter verfolgen wollen, wie sie uns gesagt haben.

Sie haben das Frauenjahr intensiv beworben. Kamen mehr Leute?

Pauli: Die genauen Zahlen haben wir erst, wenn das Museumsjahr abgeschlossen ist – es wird aber sicher ein neues Rekordjahr. Besonders erfreulich ist die Zunahme auf Schloss Wildegg mit plus 35 Prozent im Vergleich zu den Vorjahren. Auch beim Anteil ausserkantonaler Besucher von rund 55 Prozent schloss die Wildegg 2012 zu den anderen Schlössern auf.

Und auf Schloss Lenzburg?

Pauli: Die dortigen Besucherzahlen haben sich seit der Reorganisation von Museum Aargau 2007 fast verdoppelt. Mit knapp 70 Prozent am meisten ausserkantonale Besucher hat der Legionärspfad in Vindonissa. Die Geschichte des Legionslagers fasziniert, weil die Römer grossartige Kulturleistungen zu uns gebracht haben. In Vindonissa stand zum Beispiel das erste Spital in der Schweiz.

Das wollen Sie nutzen?

Pauli: Ja, wir planen eine neue Station zu Medizin und Heilkunde. Mit den Zahlen von Museum Aargau sind wir sehr zufrieden. 2011 hatten wir 213 000 Besucher, mehr als jedes andere kantonale und fast so viele wie das Schweizerische Nationalmuseum mit seinen vier Standorten, die 12 Monate in Betrieb sind. Wir sind dabei, es zu überholen.