Zofingen
15000 Franken Strafe für Kosovare, weil er Ex-Freundin entführte

Während Jahren drängte ein 28-jähriger Kosovare seine 20-jährige Ex-Freundin, zu ihm zurückzukehren. Er schlug, bedrohte und entführte sie mehrmals. Das Bezirksgericht Zofingen hat ihn nun zu einer Geldstrafe von fast 15000 Franken verurteilte.

Mario Podzorski
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Bezirksgericht Zofingen

Bezirksgericht Zofingen

Keystone

Mitte 2008 begannen der heute 28-jährige Mirko (Name geändert) und die heute 20-jährige Susan (Name geändert), eine Schweizerin aus der Region, eine Beziehung. Kurze Zeit später kam es zu ersten Auseinandersetzungen. Susan wollte die Beziehung beenden, doch Mirko liess sie nicht gehen. Über Jahre setzte er sie unter Druck und drängte sie, zu ihm zurückzukommen. Er stand deswegen schon im März vor dem Bezirksgericht (wir berichteten), die Verhandlung konnte aber erst jetzt abgeschlossen werden.

Im Mai 2009 kamen Susan und ihr neuer Freund vom Ausgang nach Hause. Mirko und sein Schwager überraschten die beiden auf einem Parkplatz. «Er hat sie an den Haaren aus meinem Auto gezerrt», sagt Susans damaliger Freund vor dem Bezirksgericht aus. Dann habe Mirko sie in das Auto seines Schwagers gedrängt. Susan habe geschrien und sich gewehrt. «Wir waren damals noch zusammen», erklärt Mirko Gerichtspräsident I Christian Sigg. Sie hätten sich für diesen Abend verabredet. Als er sie aber mit einem anderen Mann gesehen habe, sei er schockiert gewesen. Susan sei freiwillig in das Auto seines Verwandten eingestiegen, sagt Mirko.

Zwei Wochen später trafen sich die beiden im Zug. «Das hat er so geplant», wirft Susan ihrem Ex-Freund vor. Sie habe ihn zum Treffen aufgefordert, sagt er. Ausserdem habe sie ihm per SMS geschrieben, dass sie ihn liebe. Im Zug kam es zum Streit, Susan flüchtete. Noch am gleichen Abend habe Mirko sie angerufen und ihr gedroht, bei ihr vorbeizukommen, sagt Susan.

Erneute Entführung

Ein halbes Jahr später entführte Mirko seine Ex-Freundin wieder. Als sie mit einem Bekannten nach Hause kam, wartete er dort mit einem Kollegen. «Ich habe klargestellt, dass ich die Beziehung nicht mehr will, aber er konnte sich nicht damit abfinden», sagt Susan. Dann sei sie ins Auto des Kollegen gestiegen, weil Mirko sie dazu gedrängt habe. «Wenn ich mich gewehrt hätte, hätte ich später dafür bezahlt», erklärt sie. Susan und er hätten sich fürs Kino verabredet, sagt Mirko, doch sie habe kurzfristig abgesagt. Er habe geglaubt, sie würde ihn anlügen und deshalb habe er bei ihr zu Hause gewartet und mit ihr reden wollen, erklärt er. Nach einer knapp stündigen Fahrt liess Mirko Susan wieder gehen.

Einen Monat später sahen sie sich wieder. Mirko habe sie gedrängt, zu ihm zurückzukommen und sie «Schlampe, Nutte und Miststück» genannt. «Er sagte, er werde mich nie in Ruhe lassen», sagt Susan. Dann schlug er sie. Er habe sich nur gewehrt, sagt Mirko, sie habe ihn zuerst geschlagen. Ausserdem habe sie gedroht, sie werde sein Leben zerstören. Später habe er sich bei Susan entschuldigen wollen, doch sie sei schon nach Hause gegangen.

Mit dauernden Besuchen zermürbt

«Sie will zurück zu mir», glaubt er heute noch, «ich bin ziemlich sicher.» Immer wieder habe sie ihm auf Facebook geschrieben. «Ich stand unter Druck und hatte Angst», erklärt Susan. Nur deshalb sei sie noch seine Freundin gewesen, als sie schon längst nicht mehr gewollt habe.

Gerichtspräsident I Christian Sigg sprach Mirko unter anderem der Freiheitsberaubung und Entführung, der Drohung und Beschimpfung schuldig. «Er will nicht wahrhaben, dass Susan keine Beziehung mehr will, deshalb setzte er sie unter Druck.»

Durch seine andauernden Besuche habe er sie zermürbt, bis sie sich gar nicht mehr habe wehren können. Jetzt muss Mirko eine Geldstrafe von 180 Tagsätzen à 60 Franken und wegen Verkehrsdelikten eine Busse von 500 Franken bezahlen; Susan erhält von ihm rund 4000 Franken Schadenersatz und Genugtuung.

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