Duell aktuell

Keller-Messahli: «Mischehen sollen im Islam erlaubt sein»

Wo die Liebe hinfällt: Sogenannte interreligiöse Verbindungen sind in der Schweiz auf dem Vormarsch: Jede sechste Ehe ist eine Mischehe - zum Missfallen vielen Fundamentalisten.

Heute gibt es in der Schweiz mehr Ehen von konfessionell unterschiedlichen als von konfessionsgleichen Paaren; 2007 waren bereits 15,7 Prozent aller in der Schweiz geschlossenen Ehen sogenannte Mischehen. Die religiöse Pluralisierung, bedingt durch die Migration, betrifft aber nicht alle Religionen gleich. Besonders im Islam gelten Mischehen als problematisch - Säkularisationsprozess hin oder her.

Mischehen sollten erlaubt sein

Mischehen sollten erlaubt sein

Denn obgleich der Prophet Muhammed nachweislich Christinnen geehelicht hat - in der Praxis haben Islam und Demokratie aber noch kein Miteinander gefunden. Mit der Gleichstellung von Muslimen mit Nichtmuslimen tut sich der Islam schwer. Die im Koran niedergeschriebene duldende Toleranz bedeutet in der Realität keine bürgerliche Gleichheit.

Musliminnen im Nachteil

Will ein interreligiöses Paar heiraten, ist es in «99 Prozent aller Fälle die Frau, die ihren (christlichen) Glauben zugunsten des muslimischen Glaubens aufgibt», weiss die Präsidentin des Forums «Für einen fortschrittlichen Islam», Saïda Keller-Messahli (54). Einer Muslima ist es gar verboten, einen Nicht-Muslim zu ehelichen.

Die aus Tunesien stammende Schweizerin will gegen dieses «Missverständnis» ankämpfen, wie sie in der Sendung «Duell aktuell» auf Tele M1 bekräftigte, und plädiert für mehr Toleranz. «Unsere Haltung ist klar. Menschenrecht kommt vor Religion. Der Koran sagt zu interreligiösen Fragen nichts.». Es handle sich dabei um eine Interpretation des Islams, bestimmt durch die traditionellen Werte.

«Ich spreche für die Mehrheit der Muslime»

Keller-Messahli, die 2010 den Prix Courage verliehen bekam, vertritt einen moderaten, toleranten Islam. «Ich spreche für die Mehrheit der Muslime und Musliminnen in der Schweiz. Sie alle wehren sich gegen den verbissenen, intoleranten Umgang mit dem Islam. Leider fehlt es vielen am Mut, dies öffentlich zu machen, sie schweigen, weil sie sich eine öffentliche Meinung nicht zutrauen.» Keller-Messahli ist das Sprachrohr derer, die schweigen. Eine Mission nicht ohne Repressionen.

Sie, die in Tunesien aus sehr ärmlichen Verhältnisse stammt und als Achtjährige zusammen mit ihren drei Schwestern zu einer Pflegefamilie in die Schweiz kam, ist fundamentalistischen Moslems ein Dorn im Auge. Mal kämpft sie gegen Zwangsehen, mal für ein Burkaverbot. Ein Engagement mit Folgen: Keller-Messahli wurde bereits einige Male mit Todesdrohungen konfrontiert. (cls)

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