Wahlen

Jean-Pierre Gallati (SVP) beerbt Franziska Roth – im Fotofinish gegen Yvonne Feri

Der Regierungsrat wieder komplett: Staatsschreiberin Vincenza Trivigno, Markus Dieth, Urs Hofmann, Stephan Attiger, Alex Hürzeler und Jean Pierre Gallati.

Der Regierungsrat wieder komplett: Staatsschreiberin Vincenza Trivigno, Markus Dieth, Urs Hofmann, Stephan Attiger, Alex Hürzeler und Jean Pierre Gallati.

Die SVP verteidigt ihren zweiten Regierungsratssitz ganz knapp. Jean-Pierre Gallati (SVP) gewinnt im zweiten Wahlgang vor Sozialdemokratin Yvonne Feri.

Es war knapp. Yvonne Feri und Jean-Pierre Gallati lieferten sich am gestrigen Wahlsonntag ein Kopf-an-Kopf-Rennen für die Wahl des fünften Regierungsratssitzes. Nach neun ausgezählten Gemeinden lag Gallati knapp vorne, dann holte Feri auf, gewann unter anderem in Buchs, Bremgarten und Brugg, bevor Gallati wiederum vor allem kleinere Gemeinden für sich entschied. Am Schluss nützte es Yvonne Feri auch nichts mehr, dass sie in Aarau und Baden obenaus schwang.

Es blieb beim Achtungserfolg für die SP-Nationalrätin, letztlich konnte Gallati jubeln, der für die SVP den zweiten Sitz im Regierungsrat zurückholt. Nachdem Franziska Roth letzten Frühling zuerst aus der SVP ausgetreten und wenig später aus dem Regierungsrat zurückgetreten ist, präsentiert sich die Aargauer Regierung jetzt parteipolitisch also wieder so wie nach den kantonalen Wahlen vom Herbst 2017: mit zwei SVP-Vertretern und je einem aus SP, CVP und FDP. Etwas aber hat sich verändert: Der Regierungsrat besteht erstmals seit 2008 wieder aus fünf Männern.

Gallati verliert in seiner Wohngemeinde Wohlen

Jean-Pierre Gallati wurde insgesamt 77'462 Mal auf den Wahlzettel geschrieben, Feri 75'869 Mal. Nach dem ersten Wahlgang war der Unterschied zwischen den Kandidierenden von SP und SVP noch klar grösser gewesen, was Gallati erst recht die Favoritenrolle einbrachte: Am 20. Oktober holte er 63'830 Stimmen, die zweitplatzierte Yvonne Feri 19'000 weniger. Sie hat demnach also einiges gut gemacht auf ihren Konkurrenten.

Es waren die urbaneren Gebiete, wo links vor rechts zählte. In den Bezirken Aarau, Baden, Brugg und Rheinfelden hatte Yvonne Feri die Nase vorn. In Aarau, dem Bezirk mit der höchsten Stimmbeteiligung (44,23 Prozent), liess die Sozialdemokratin den SVPler um über 2200 Stimmen hinter sich, nur leicht kleiner war der Unterschied in Baden. Jean-Pierre Gallati punktete im Gegenzug am deutlichsten im Bezirk Kulm (rund 2000 Stimmen mehr als Feri).

Eng wurde es für Feri in ihrer Wohngemeinde. In Wettingen gaben ihr 2628 Wählerinnen und Wähler ihre Stimme, das sind lediglich 405 mehr, als an Jean-Pierre Gallati gingen. Eine mögliche Erklärung ist, dass Yvonne Feri als ehemalige Sozialvorsteherin Wettingens Kritik ausgesetzt war. 

Yvonne Feri

Yvonne Feri

Aber auch für Jean-Pierre Gallati ist die Wohngemeinde ein hartes Pflaster. In Wohlen erhielt Feri sogar mehr Stimmen (1631) als Gallati (1422). In Wohlen sind die Fronten zwischen Gallati und dem Lager um den ehemaligen Gemeindeammann Walter Dubler nach wie vor verhärtet.

Gesamterneuerungswahlen bereits in einem Jahr

Knapp hin oder her, natürlich sei sie enttäuscht, die Wahl nicht geschafft zu haben, sagte Feri nach Bekanntgabe des Resultats. Zwar freue sie sich über die grosse Unterstützung, konzentriere sich jetzt aber auf ihr Amt als Nationalrätin, in welchem sie am 20. Oktober bestätigt worden ist.

Das war der gestrige Wahlsonntag in Bildern:

Bereits am 18. Oktober 2020 stehen im Aargau Gesamterneuerungswahlen für den Regierungsrat an. Ob sie dann zum dritten Mal antreten wird für ihre Partei, liess die Wettingerin gestern offen. Das knappe Resultat zeige, dass sich ein grosser Teil der Bevölkerung mehr linke Politik wünsche, teilte die kantonale SP mit. Zudem werde eine reine Männerregierung von vielen Stimmberechtigten nicht hingenommen.

Aber: Sie sei stolz auf das Resultat ihrer Kandidatin, sagte SP-Präsidentin Gabriela Suter. Der knappe Ausgang zeige, dass Yvonne Feri weit über das linke Lager hinaus überzeugt habe. «Ihre Erfahrung wurde honoriert», so Suter. Dass Gallati trotzdem mehr Wählerinnen und Wähler mobilisieren konnte, könnte an der tiefen Wahlbeteiligung von 37,4 Prozent liegen, mutmasst sie.

Für Suter ist klar, dass die SP für die Regierungsratswahl in einem Jahr wieder antreten wird. Wie die Strategie dann aussehen wird, ist aber noch nicht bekannt. Seit einiger Zeit steht auch die Frage im Raum, ob Urs Hofmann noch einmal zur Wahl antreten wird.

Mehr Freude am Resultat hatte gestern Sonntag SVP-Präsident Thomas Burgherr. War er nach den Nationalratswahlen vom 20. Oktober angesichts der herben Verluste zerknirscht, so freute er sich gestern über die Wahl von Jean-Pierre Gallati und dem gleichzeitigen Erfolg von Hansjörg Knecht bei der Wahl in den Ständerat umso mehr: «Jetzt sind wir in alter Stärke zurück», sagte er und betonte: «Wir haben wieder zwei starke Regierungsräte.»

Jean-Pierre Gallati übernimmt wahrscheinlich das DGS

Am 4. Dezember werden die Departemente verteilt, wie Landammann Urs Hofmann am Rande der Feier für die Neugewählten erklärte. Dass Jean-Pierre Gallati das Departement Gesundheit und Soziales (DGS) übernehmen wird, gilt allerdings als unbestritten. Sicher ist, dass Gallati am 2. Dezember nach Bern fährt und eine Session als Nationalrat absolvieren wird. Dann wird dieser Sitz von Bauernverbandspräsident Alois Huber übernommen – er wurde am 20. Oktober auf den zweiten Ersatzplatz gewählt.

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