Wahlen 2019

In Lupfig wurden die «richtigen» Kandidierenden vorgestellt

Grossrat Adrian Schoop (links) ist einer von fünf freisinnigen «Spitzenkandidaten» von Otto H. Suhner

Perspective CH hat Freund bürgerlicher Politik in den «Ochsen» Lupfig eingeladen und dort die 19 Kandidatinnen und Kandidaten präsentiert, welche die Organisation bei den eidgenössischen Wahlen unterstützt.

«Sehr verehrti Dame und Herre.» Unternehmer Otto H. Suhner steht am Rednerpult neben einem Hellraumprojektor, bereit, die «zweifellos grösste öffentliche Wahlveranstaltung im Aargau» zu eröffnen.

Auf der Bühne beginnt die Blaskapelle Eigenamt zu spielen. Gewollt? Man weiss es nicht. Nach dem musikalischen Intermezzo ergreift Suhner erneut das Wort, heisst die zahlreichen Männer und wenigen Frauen im Gasthof «Zum Ochsen» in Lupfig willkommen.

Als Präsident von Perspective CH, dem Forum für Weltoffenheit und Souveränität, möchte Suhner den Gästen die Gelegenheit geben, die 19 Kandidatinnen und Kandidaten, die seine Organisation am 20. Oktober zur Wahl empfiehlt, näher kennen zu lernen. Denn er weiss: «In zweifelhaften Fällen entscheide man sich für das Richtige.»

Was das «Richtige» ist, ruft Suhner den Anwesenden in einem Referat in Erinnerung. Er legt eine Folie auf den Hellraumprojektor. Dieser dürfte schon ein Auslaufmodell gewesen sein, als der ehemalige Aargauer Ständerat und EWR-Gegner Hans Letsch sein leidenschaftliches Plädoyer mit den Gründen für ein EWR-Nein verfasst hatte. Dieses datiert vom 17. November 1992 und lag in gebundener Fassung beim Eingang in den Saal auf.

Laptops als Ersatz für fehlende Nationalräte

Aber zurück zu Suhner und den Hauptanliegen, für die es auch in der nächsten Legislatur zu kämpfen gilt: Da wären zum Beispiel die Souveränität, Freiheit und Unabhängigkeit der Schweiz oder das Verhindern des vorliegenden EU-Rahmenabkommens.

Denn mit Letzterem, warnte Suhner, drohe die Schweiz wirtschaftlich zur «Kolonie der EU» zu werden. Bevor sich die Kandidierenden kurz vorstellten und anschliessend für jeweils fünf Minuten an den 19 Tischen im Saal Platz nahmen, musste Suhner den Anwesenden noch etwas beichten. Es gebe ein Problem, sagte er.

Die Einladungen für die Wahlveranstaltung seien bereits gedruckt und zum Teil schon verschickt gewesen, als das Büro des Nationalrates beschlossen hatte, dass in Bern am gleichen Abend die Begrenzungsinitiative der SVP behandelt werden soll. Open end.

Anstatt an den Tischen im «Ochsen» sassen fünf von Suhners «19 Spitzenkandidaten» – die Nationalräte Andreas Glarner, Thomas Burgherr, Maximilian Reimann, Luzi Stamm und Thierry Burkart – in Bern im Nationalratssaal.

Nur Hansjörg Knecht hat für Suhner die Debatte sausen lassen. Er wurde von seinen Kollegen in Bern aber auf dem Laufenden gehalten. Wäre es am Montagabend noch zur Abstimmung gekommen, wäre Knecht noch einmal nach Bern gereist.

Als Platzhalter für die fehlenden Nationalräte dienten Laptops mit Videobotschaften, die von Tisch zu Tisch gereicht wurden. So konnten die Kandidaten – zwar nicht persönlich, dafür unwidersprochen – ihre Botschaften platzieren und Werbung in eigener Sache machen. Theoretisch zumindest.

In der Praxis war zu beobachten, dass Besucher mit ihren Köpfen fast den Laptop berührten, um überhaupt etwas zu verstehen. Auch Suhner fand: «Es esch blöd mit dene Laptops. Ghörsch jo nüüt.» Aber die «zweifellos grösste öffentliche Wahlveranstaltung» kurzfristig zu verschieben, das wäre auch schwierig geworden.

Und die Mehrheit der Kandidierenden war ja in Lupfig und nicht in Bern. Die drei Kandidatinnen und elf Kandidaten wechselten auf das akustische Signal der Blaskapelle Eigenamt von Tisch zu Tisch. Oft war das Gespräch gerade erst ins Laufen gekommen, als sie an den nächsten Tisch weiter mussten.

Kritische Fragen? Fehlanzeige

Schwierig war es für die Kandidierenden am Tisch mit vier Schülerinnen der Kanti Wettingen. Sie waren nicht nur mit Abstand die jüngsten im Saal, sondern auch die Einzigen, die nicht freiwillig in den «Ochsen» gekommen waren. Ihr Lehrer hat sie geschickt. «Was wollt ihr wissen?», fragte Hansjörg Knecht und erntete Stille.

An anderen Tischen waren teure Spitäler, überfüllte Strassen und umweltschädliche Elektroautobatterien ein Thema. Kritisch waren die Fragen selten. «Eigentlich müesst ich gar nömm cho», sagte ein Besucher. «Ich weiss jo alles.» – «De Aalass bringt öppis und bringt nüüt», sinnierte ein anderer während einer Rauchpause vor dem «Ochsen». Es sei halt nicht kontrovers.

Das zeigte sich auch, als Suhner die Schlussrunde eröffnete. Um zu demonstrieren, dass sich alle für die gleichen Anliegen einsetzen – nämlich jene, die auch die Anliegen der Menschen im Saal sind – mussten die Kandidierenden zu Fragen durch Aufstehen oder Sitzenbleiben ihre Zustimmung beziehungsweise Ablehnung signalisieren. Nur einmal blieben die drei Freisinnigen sitzen. Als es um die Begrenzungsinitiative der SVP ging. Diese lehnen die FDPler ab.

Aber das Wichtigste ist, dass das Wichtigste auch das Wichtigste bleibt, so Suhners Schlussworte, gefolgt von einem: «Blaskapelle Eigenamt, Schlusseinlage!»

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