WM 2018

Rakitic knickt das russische Pflänzchen – die WM-Viertelfinals im Überblick

chiessen gegen Dänemark. Aufgewachsen ist Doppelbürger Rakitic, der in der U21 noch für die Schweiz spielte, im Aargauischen

Ivan Rakitic, Kroatiens Held im Penaltyschiessen gegen Russland. Aufgewachsen ist Doppelbürger Rakitic, der in der U21 noch für die Schweiz spielte, im Aargauischen

chiessen gegen Dänemark. Aufgewachsen ist Doppelbürger Rakitic, der in der U21 noch für die Schweiz spielte, im Aargauischen

Bei Frankreich gegen Belgien und Kroatien gegen England bestreiten ausschliesslich europäische Teams die WM-Halbfinals.

Der letzte Schuss sass. Ivan Rakitic, der Mann aus dem aargauischen Möhlin, versetzte den Russen den Gnadenstoss und sorgte dafür, dass zum zweiten Mal innerhalb von 24 Stunden eine Welt voller Hoffnungen einstürzte.

Wie am Freitag in Kasan. Noch am Nachmittag war die Flaniermeile «Bauman» ein einziges gelbes Meer von brasilianischen Aficionados gewesen. Freudig und siegesgewiss hatten sie sich auf das Duell mit Belgien eingestimmt. Um am Abend, nach dem 1:2 gegen die Roten Teufel, abgrundtief enttäuscht und anderntags wie vom Erdboden verschluckt zu sein.

An ihrer Stelle spazierten derweil am Samstag erwartungsvolle Russinnen und Russen in Richtung Kasaner Kreml. Auf die Wangen hatten sie die Farben ihres Landes aufgetragen und wenn jemand begann, «Rossija! Rossija!» zu brüllen, stimmte die Menge sofort ein. Um am Abend, nach dem 3:4 im Penaltyschiessen gegen Kroatien, ausgeträumt zu haben. Traurig zottelten die Fans mit versteinerten Gesichtern und hängenden Fähnlein nach Hause. Nur jene, die sich während des Spiels mit Wodka Mut angetrunken hatten, waren noch in Feierlaune.

Europäer zum 5. Mal unter sich

Selbst wenn sich Kroatien den Halbfinaleinzug verdiente, ist es schade, dass der Gastgeber nicht mehr dabei ist. Denn in den letzten Wochen hatte sich mit den Erfolgen der Sbornaja in Russland eine Euphorie entwickelt, die nach den schlechten Vorbereitungsspielen nie und nimmer erwartet werden konnte. Präsident Wladimir Putin jedenfalls lobte ausdrücklich die guten Leistungen. «Ich gratuliere zu einem sehr guten Spiel. Und jetzt haltet die Augen offen und geht die nächsten Schritte an», teilte er Trainer Stanislaw Tschertschessow telefonisch mit.

Rakitic, der das russische Pflänzchen geknickt hatte, sagte: «Ganz Kroatien spielt verrückt. Diese WM ist das Grösste für uns. Es gibt nichts Schöneres, als diesen Halbfinal gegen England.» Sein präziser Flachschuss war die finale Aktion der vier Viertelfinals gewesen, die in zwei Fällen mässig mitreissend, in den beiden anderen aber ausserordentlich spannend verlaufen waren.

In drei von vier Partien setzte sich der Favorit durch, einzig Rekordweltmeister Brasilien zog gegen Belgien den Kürzeren. Übrig geblieben sind mit Kroatien, England, Belgien und Frankreich lauter europäische Teams, sodass die letzte Turnierwoche einer Mini-EM gleichkommt. Das ist allerdings nichts Neues und nichts Besonderes: Auch 1934, 1966, 1982 und zuletzt 2006 in Deutschland waren die Europäer unter sich.

Brasilien hat nicht enttäuscht

Haben die Südamerikaner damit etwa den Anschluss an die Europäer verloren? Nein! Brasilien hat in Russland keineswegs enttäuscht und ist gegen die cleveren Belgier auch wegen einer guten Portion Pech ausgeschieden. Unbill hatte auch Uruguay, der zweite Viertelfinalist aus Südamerika, der im bedeutendsten Spiel ausgerechnet auf seinen wichtigsten Spieler verzichten musste. Mit Edinson Cavani an der Seite von Luis Suarez wären die Chancen der Urus grösser gewesen, nach Europameister Portugal auch die Franzosen auszuschalten.

So aber waren sie nicht gleichwertig und verloren gegen ein solides Frankreich leistungsgerecht 0:2. Weil auch das bis dahin überzeugende Kolumbien im Achtelfinal gegen England mit dem Ausfall von James Rodriguez dasselbe Schicksal im Spiel gegen England ereilt hatte, ist die Bilanz der Südamerikaner schlechter als das Bild, das sie abgaben. Nur Argentinien war eine Enttäuschung.

«England wird stolz auf uns sein»

Ganz im Gegensatz zu England, das in Moskau erstmals seit 28 Jahren wieder als WM-Halbfinalist einläuft. «Ihr wolltet Geschichte schreiben, und ihr habt es getan. Ihr spielt eine unglaubliche WM, und wir geniessen jede Minute», twitterte Prinz William nach dem ungefährdeten 2:0 gegen die biederen Schweden. Stürmerstar Harry Kane sagte: «Wir haben am Mittwoch ein grosses Spiel vor uns. Wir geniessen es mit den Fans und wir werden weitermachen. Unser Land wird stolz auf uns sein.»

Mit Jordan Pickford haben die Engländer endlich wieder einmal einen Goalie, auf den Verlass ist. Schon am Dienstag trifft Belgien in St. Petersburg auf Frankreich. Aufbauer Kevin De Bruyne sagte nach dem 2:1 gegen Brasilien: «Wir sind noch nicht fertig. Wir wollen in den Final und das Spiel bestreiten, auf das die ganze Welt schaut.» Aber natürlich haben die Franzosen exakt dasselbe Ziel. Ihren schnellen Stürmern Kylian Mbappé und Antoine Griezmann ist zuzutrauen, den belgischen Verteidigern zuzusetzen. Doch die Roten Teufel sind gereift und scheinen bereit für den grossen Coup.

In beiden Halbfinals gibt es keinen Favoriten. Auch für den Rest dieser verrückten WM gilt: Alles ist möglich.

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