Meine WM

Kein eiserner Vorhang: Die Russen mögen uns Westler

Russian President Vladimir Putin touches the World Cup trophy as FIFA President Gianni Infantino stands beside him, at the end of the final match between France and Croatia at the 2018 soccer World Cup in the Luzhniki Stadium in Moscow, Russia, Sunday, July 15, 2018. France won 4-2. (AP Photo/Petr David Josek)

«Russland ist nicht nur Putin»

Russian President Vladimir Putin touches the World Cup trophy as FIFA President Gianni Infantino stands beside him, at the end of the final match between France and Croatia at the 2018 soccer World Cup in the Luzhniki Stadium in Moscow, Russia, Sunday, July 15, 2018. France won 4-2. (AP Photo/Petr David Josek)

Die Fussball-Weltmeisterschaft ist vobei – Zeit um die letzten Wochen noch einmal Revue passieren zu lassen. So haben die AZ-Reporter den Mega-Event erlebt:

Fünf Wochen in Russland liegen hinter mir. Spannende und aufregende Wochen. Ich beziehe mich jetzt nicht auf den Fussball, sondern auf Begegnungen und Erlebnisse abseits der Stadien. Natürlich habe ich zuvor die Stimmen gehört, die zu einem Boykott der Putin-Spiele aufgerufen haben. Ich denke aber, damit wäre niemandem geholfen gewesen. Es wäre vermessen, zu glauben, man hätte dem Präsidenten auf diese Art kräftig eins ans Bein geben und ihn schmerzhaft für die Menschenrechtsverletzungen in seinem Land bestrafen können.

Mit einem Fernbleiben hätte man dagegen viele Menschen, vor allem junge, vor den Kopf gestossen. Solche, die sich auf den Besuch aus dem Westen gefreut hatten. Ganz oft hatte ich das Gefühl, die Leute hatten ihren Spass an einem Austausch, waren wissbegierig. Dabei ist es in den Gesprächen zwar längst nicht immer um Gott, Putin und die Welt gegangen. Dafür war die sprachliche Barriere oft zu gross. Aber auch kleine Einblicke können dazu beitragen, das gegenseitige Bild zu schärfen und gegebenenfalls auch zu korrigieren.

Freundlicher als in Brasilien

Russland ist nicht nur Putin. Ich habe hier viel Gastfreundschaft erlebt; mehr jedenfalls als vor vier Jahren in Brasilien. Und ich vermute nicht, dass dies auf Befehl von oben angeordnet war, um das Land in einem guten Licht zu zeigen. Wenn es aufgesetzt gewesen wäre, dann hätte man es gespürt. Ich habe nie Ressentiments seitens der Russen gegenüber uns Westlern erlebt.

Das hat mich überrascht, denn aufgrund der Berichterstattung in den Medien – hüben wie drüben – hatte ich mit Argwohn gerechnet. Mein Bild von Russland ist positiver als zuvor. Aber
ich bin nicht so naiv, zu glauben, dass die Berichte über die Menschenrechtsverletzungen und die Dopingvorwürfe jeder Grundlage entbehrten. Und ich weiss auch, dass die herausgeputzten WM-Spielorte nicht die Realität in Russland wiedergeben. Wie das Leben auf dem Land aussieht, habe ich nicht gesehen. Aber mir wurde erzählt,
dass es verdammt hart sein muss.

Mit dem gestrigen Final zwischen Frankreich und Kroatien fällt der Vorhang nun wieder. Aber es ist kein eiserner, das zumindest glaube ich, gelernt zu haben.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1