WM 2018

Der blaue Triumph – die Analyse zum neuen Fussballweltmeister Frankreich

Die Welt sieht blau. Frankreich ist Weltmeister. Aber die Welt weint auch mit den Kroaten. 4:2 endet der WM-Final, es war ein emotionales, stürmisches, phasenweise auch spektakuläres Spiel. Mit einem verdienten Sieger. Und einem grossartigen Verlierer, der nie aufhörte zu kämpfen, der so viel Herz zeigte, dass jeder Fussball-Fan am Ende etwas Mitleid hatte.

Vier Jahre nach Deutschland triumphiert also wieder ein Schweizer Nachbarland.
20 Jahre nach dem ersten Titel der Geschichte dürfen sich die Franzosen wieder Könige des Fussballs nennen. «Von einer anderen Welt», titelt «L’Equipe», die Sportbibel des Landes, als der Schlusspfiff ertönt.

WM 2018: Der Schlusspfiff im WM-Final zwischen Frankreich und Kroatien

Trainer Didier Deschamps ist der schlaue Kopf, der die vielen hoch veranlagten Fussballer zu einer funktionierenden Einheit formte. Deschamps stand 1998 noch als Spieler auf dem Platz. Das Kunststück, als Spieler und als Trainer Weltmeister zu werden, gelang vor ihm erst Franz Beckenbauer (De) und Mario Zagallo (Bra).

«Les Bleus» zeigten zwar nicht immer einen attraktiven Fussball. Aber bei keinem anderen Team stimmte die Balance so gut. Selbst die Genies waren sich nie zu schade für aufopfernden Kampf. Auch darum ist die Krönung zwei Jahre nach dem verlorenen EM-Final logisch.

Das spektakuläre Scheitern der Favoriten und die Folgen

Dem torreichsten Final seit 1966 folgte eine Zeremonie in strömendem Regen. Für Russlands Präsident Wladimir Putin war sofort ein Regenschirm bereit, die Haupt-Akteure warteten etwas länger, aber das brauchte niemanden zu kümmern. Die Franzosen jubelten euphorisiert einfach immer weiter, die Kroaten zeigten Grösse in der Niederlage, es wird ihnen schnell gelingen, zu erkennen, wie wunderbar sie diese WM prägten.

Und Putin lächelte zufrieden, im Wissen, der Welt ein Fussball-Fest organisiert zu haben, das von keinen Skandalen, keinen Ausschreitungen oder gar Anschlägen überschattet wurde. Die «Washington Post», sonst nicht gerade im Verdacht, Russland oder die Fifa übermässig mit Lob zu überhäufen, schrieb gar vom «diesmal wirklich besten Turnier der Geschichte».

Nach 31 Tagen, 64 Spielen und 169 Toren steht die WM 2018 aber auch für diese Erkenntnis: Selbst grosse Fussball-Nationen wie Deutschland, Argentinien, Spanien oder Brasilien scheitern spektakulär, wenn sie nicht bereit sind, neue Einflüsse zuzulassen, und berechenbar werden. Dasselbe gilt für die Schweiz. Wenn die EM in zwei Jahren ein Erfolg werden soll, muss nach dem Stillstand zuletzt ein Umdenken stattfinden.

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