Beinahe jede dritte Übernachtung in Schweizer Hotels wird im Internet gebucht. Surfen, vergleichen und zum Schnäppchenpreis zuschlagen, so der Plan der Konsumenten. Ob das Vergleichen der Zimmerpreise aber wirklich etwas bringt, ist umstritten. Wie Recherchen der az ergeben, untersucht die Wettbewerbskommission (Weko) seit Juni dieses Jahres «möglicherweise wettbewerbsbehindernde» Vertragsklauseln zwischen Hotels und Online-Reservationsplattformen. Betrachtet wird die Branche als Ganzes - also auch die grossen Buchungsplattformen wie Expedia (mit hotels.com und expedia.com), HRS (mit hrs.com und hotel.de) oder die Priceline Group (mit booking.com).

Im Visier hat die Weko insbesondere sogenannte Bestpreis-Garantien. Diese verlangen, dass ein Hotel das gleiche Zimmer auf anderen Vertriebskanälen nicht günstiger anbieten darf. «Es stellt sich die Frage, ob diese Praxis den Wettbewerb zwischen den Buchungsplattformen beeinträchtigt», sagt Olivier Schaller, Vizedirektor der Weko. Ohne die Bestpreis-Garantien hätten Hoteliers die Möglichkeit, je nach Kommissionshöhe des jeweiligen Vertriebskanals unterschiedliche Preise festzusetzen. Mit den Bestpreis-Garantien falle dieser Wettbewerbsdruck auf die Kommissionshöhe der Buchungsplattformen wohl weitgehend weg, so Schaller.

Des Weiteren befürchtet die Weko, dass Bestpreis-Garantien den Markteintritt für neue Buchungsplattformen erschweren, weil es den Neulingen verunmöglicht wird, durch bessere Preise - sprich tiefere Kommissionen - neuen Kunden zu gewinnen.

Hoteliers in Zwickmühle

Die laufende Vorabklärung hat die Weko eröffnet, nachdem Schweizer Hoteliers auf Probleme mit den Buchungsplattformen hingewiesen hatten. Die Hotelbesitzer haben ein zwiespältiges Verhältnis zu den grossen Online-Portalen. Rund 17 Prozent aller Buchungen bei Schweizer Hotels kommen heute durch die global tätigen Gesellschaften wie Expedia, HRS oder die Priceline Group herein. Im Jahr 2006 waren es erst 5 Prozent. Für Thomas Allemann, Geschäftsleitungsmitglied des Branchenverbands Hotellerie Suisse, ist deshalb klar: «Die Portale sind wichtige und schnell wachsende Absatzkanäle, auf die kein Hotelier verzichten kann.»

Durch die Marktkonzentration - die drei Grossen beherrschen das Geschehen praktisch nach Belieben - befänden sich die Schweizer Hoteliers aber in einem Abhängigkeitsverhältnis. «Die Hoteliers müssen den allgemeinen Geschäftsbedingungen der grossen Buchungsportale zustimmen, selbst wenn diese inakzeptable Klauseln enthalten», so Allemann.
Die Weko ermittelt auch in diese Richtung: «Es stellt sich die Frage, ob die grossen Buchungsportale ihre anscheinend starke Position gegenüber den Hoteliers bei der Festlegung der Vertrags- und Kommissionsbedingungen ausnutzen», sagt Schaller. Auf Booking.com betragen die Kommissionen offiziell 13 bis 15 Prozent des Buchungspreises. «Wenn man sich aber eine bessere Positionierung auf der Website erkaufen will, kann der Satz bis auf 18 bis 20 Prozent ansteigen», weiss Allemann von Hotellerie Suisse. In den USA gebe es gar Kommissionsabgaben von bis zu 50 Prozent.

Verurteilungen im Ausland

Ausserhalb der Schweiz sind die Buchungsportale schon lange im Visier der Wettbewerbshüter. In Deutschland wurde Booking.com wegen gekaufter Hotelrankings verurteilt. HRS wurde im Zusammenhang mit der Bestpreis-Garantie abgemahnt. Die Aufsicht in Italien belangte Expedia wegen missbräuchlicher und irreführender Werbung. Die neuesten Ermittlungen laufen in Kalifornien und Grossbritannien wegen Preisabsprachen. Zwei der Beschuldigten: Expedia und die Priceline Group. Die Konzerne wurden von der az zu den Ermittlungen im Ausland und den Vorwürfen der Schweizer Hoteliers befragt. Expedia teilte aber - trotz frühzeitiger Kontaktaufnahme - mit, dass man «es leider nicht schaffe, die Antworten auf die Fragen rechtzeitig zu liefern». Der Presseverantwortliche der Priceline Group war in den Ferien und liess dasselbe verlauten.