Der Verwaltungsrat der «Swiss-American Chamber of Commerce» - der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer - liest sich wie ein Who's who der Schweizer Wirtschaft: Unter anderem geben sich die CEOs von ABB, Adecco, Clariant, Holcim, Novartis, Roche, UBS und Zurich die Ehre. Präsidiert wird die illustre Runde von Swiss-Chef Harry Hohmeister. Diese Besetzung zeigt, welche Bedeutung die USA für die Schweizer Wirtschaft nach wie vor hat.

In der Öffentlichkeit wird meist betont, wie wichtig die wirtschaftliche Beziehung zur Europäischen Union - und insbesondere zu Deutschland - ist. Das steht ausser Frage. Es gibt aber auch Kennzahlen, die den Schluss nahelegen, dass die USA das wichtigste Land für die Schweiz ist. Dementsprechend könnte sich eine erneute US-Wirtschaftskrise auf Schweizer Unternehmen besonders stark auswirken - noch stärker als auf andere Länder, die mit der grössten Volkswirtschaft der Welt weniger eng verknüpft sind.

Am eindrücklichsten ist die Summe der schweizerischen Direktinvestitionen in den USA. Per Ende 2011 hatten Schweizer Investoren gemäss der Schweizerischen Nationalbank (SNB) 197,6 Milliarden Franken in den USA investiert - das entspricht rund 20 Prozent aller schweizerischen Direktinvestitionen im Ausland überhaupt (siehe Grafik unten). Von Direktinvestitionen spricht man, wenn Privatpersonen oder Firmen im Ausland Immobilien erwerben, Tochterunternehmen aufbauen, ausländische Unternehmen erwerben oder sich an ihnen mit einem Anteil beteiligen, der einen entscheidenden Einfluss auf die Unternehmenspolitik gewährleistet. «Der US-Markt bietet angesichts seiner Dynamik attraktive Bedingungen für Schweizer Firmen», schreibt das Eidgenössische Amt für auswärtige Angelegenheiten (EDA) dazu.

In Deutschland haben Schweizer Unternehmen fast viermal weniger Gelder investiert als in den Staaten. Auch haben Schweizer Konzerne nirgends so viele Leute engagiert wie in den USA: Ende 2011 arbeiteten gemäss SNB-Zahlen 355 247 Menschen für ein Schweizer Unternehmen. Das EDA spricht von 550 Schweizer Unternehmen, die eine Niederlassung in den USA haben.

(Quelle: Youtube.com)

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China ist noch lange nicht so wichtig

Mit ihrem Investitionsvolumen ist die Schweiz auch für die USA selbst ein bedeutender Geldgeber. Nur Grossbritannien, Japan, die Niederlande und Deutschland haben mehr Kapital in der amerikanischen Wirtschaft. Im Jahr 2010 war die Schweiz gar das Land mit den höchsten Direktinvestitionen überhaupt in den USA.

Doch nicht nur wegen der enormen Direktinvestitionen hat die Schweiz ein ureigenes Interesse daran, dass der amerikanische Wirtschaftsmotor brummt und nicht von der Politik abgewürgt wird. Auch als Exportmarkt sind die USA immens wichtig. Abgesehen von Deutschland gibt kein Land so viel Geld aus für Schweizer Güter wie die Vereinigten Staaten. Im Jahr 2011 waren es 21,3 Milliarden Franken. Das ist zwar nur halb so viel wie Deutschland, aber deutlich mehr als die Nachbarländer Italien (16,3 Milliarden), Frankreich (14,9 Milliarden) oder Österreich (6,6 Milliarden). Auch das hochgelobte China (8,8 Milliarden) hat für die Schweizer Exportwirtschaft noch lange nicht eine solche Bedeutung wie die USA.