Was sich 2013 in der Schweizer Musikbranche angedeutet hat, ist im letzten Jahr zur Gewissheit geworden: Der Umsatz des Streamings hat sich gemäss dem Branchenverband Ifpi Schweiz fast verdoppelt und macht mit 11,8 Millionen Franken inzwischen 14 Prozent des Schweizer Gesamtmarktes aus. Inoffizielle Quellen sprechen von insgesamt 887 Millionen Streams im letzten Jahr. Das bedeutet, dass jeder Schweizer durchschnittlich 110 Songs gestreamt hat. Eine stolze Zahl.

Dabei ist der Anteil des Streamings am Gesamtmarkt im Vergleich zu anderen Ländern wie Schweden noch bescheiden. Lorenz Haas, der Geschäftsführer der Ifpi Schweiz, ist denn auch überzeugt, dass «das hohe Wachstum des Streamings anhalten wird». Apple will bis spätestens diesen Sommer einen Streaming-Dienst anbieten und auch Google hat seinen Markteintritt in diesem Jahr angekündigt. «Dieser Konkurrenzkampf wird den Streaming-Markt weiter beflügeln», meint Haas. Spotify, Deezer & Co. sind bisher auf dem Markt sehr zurückhaltend aufgetreten. Das dürfte sich mit dem Markteintritt der Riesen von Apple und Google ändern.

Das Wachstum des Streamings geht vor allem auf Kosten des digitalen Downloads, der um 21 Prozent eingebrochen ist. Der Trend ist eindeutig: Aus der Sicht des Musik-Konsumenten macht Streaming den Download überflüssig. Dabei konnte der Umsatz des Streamings den massiven Einbruch des Downloads nicht kompensieren. Erstmals ist der Schweizer Digitalmarkt, also Download und Streaming zusammen, geschrumpft, und zwar um drei Prozent. Die Ifpi Schweiz spricht von einem «Umbruch im Umbruch», einem Strukturwandel des Musikmarktes sowie des Digitalmarktes und erwartet für das zweite bald wieder ein Wachstum.

30 Prozent im Ausland gekauft

Verlangsamt hat sich der Rückgang des physischen Markts (CD und Vinyl). Er ist mit einem Minus von 12 Prozent aber immer noch signifikant. Bei einem Umsatz von 49,6 Millionen Franken macht dieses Segment noch 57 Prozent des Gesamtmarktes aus. Die Ifpi-Mitglieder erwarten, dass der Rückgang anhalten wird und in zwanzig Jahren bei rund 25 Prozent sein wird. Seit der Jahrtausendwende ist der physische Markt um 73 Prozent geschrumpft. Trotz dieses Negativtrends ist die CD immer noch der mit Abstand populärste Tonträger.

Das unterstreichen auch Angaben zum Parallelimport. Die Frankenstärke hat den Trend zu Direktimporten verstärkt. Die Ifpi hat mit dem Marktforschungsinstitut Gfk ermittelt, dass rund 30 Prozent aller CDs von Händlern wie Konsumenten an den Schweizer Vertrieben vorbei direkt im Ausland bezogen wird und deshalb in der Jahresrechnung der Schweizer Musikbranche gar nicht auftaucht.

Vinyl boomt in der Schweiz auf sehr tiefem Niveau. Es hat zwar seinen Umsatz gegenüber dem Vorjahr verdoppelt, kommt aber auf einen bescheidenen Umsatz von 2 Millionen Franken. Die Ifpi schätzt, dass auch hier bis zu 50 Prozent direkt importiert werden.

Der Gesamtumsatz der Schweizer Musiklabels beträgt 84,8 Millionen Franken und 8 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Rückgang hält somit an, hat sich aber verlangsamt.

27 Prozent Schweizer Anteil

Erstmals wurde der Umsatzanteil der Schweizer Musik erhoben. Er liegt bei 27 Prozent. Berücksichtigt man die Direktimporte, kommt die Schweizer Musik immer noch auf einen Anteil von 20 Prozent. Das ist beachtlich und widerspiegelt die Beliebtheit der Schweizer Musik. Gerade auch im Vergleich zum hochsubventionierten Schweizer Film, der 2014 einen bescheidenen Marktanteil von 5,2 Prozent aufweist.

Eine Umfrage bei den Ifpi-Mitgliedern hat ergeben, dass die Schweizer Labels 6 Millionen Franken in den Aufbau von Schweizer Musikern investiert haben. Für Ivo Sacchi, den Ifpi-Präsidenten und Chef von Universal Schweiz, sind «die Musiklabels die unentbehrliche Stütze der Schweizer Musikszene». «Die Beziehung zwischen Künstler und Label ist der Kern eines funktionierenden Musikgeschäfts», sagt er.