Amerikanische Polizisten lieben ihn für seine Wendigkeit. «Kein Auto fährt derart elegant über Trottoir-Absätze und Grünstreifen», sagt ein Gesetzeshüter. Und auch bei Taxifahrern geniesst der Crown Victoria eine hohe Popularität – dank 240 PS, zuverlässigem Heckantrieb, grosszügigem Innenraum und guter Federung. Gerade in Grossstädten wie Washington oder New York ist der Crown Vic, wie er liebevoll genannt wird, nicht zu übersehen, geschweige denn zu überhören: Kein anderes Fahrzeug ächzt und stöhnt derart prägnant, wenn es durch die mit Schlaglöchern gespickten Strassenschluchten rollt.
Doch der Autobauer Ford, der die Limousine in verschiedenen Varianten seit den Mittfünfzigern herstellt, will dem Crown Vic bald den Garaus machen. Im Laufe dieses Sommers, heisst es in der Konzernzentrale im Bundesstaat Michigan, soll die Produktion des legendären Fahrzeugtyps eingestellt werden. Die Fabrik in Kanada wird dichtgemacht. Der Grund: Die Nachfrage sei in den vergangenen Monaten regelrecht eingebrochen, weil der Crown Vic mit den technischen Entwicklungen der vergangenen Jahre nicht mehr mithalten konnte. In den besten Jahren – 1998 und 1999 – verkaufte Ford monatlich an die 10000 Fahrzeuge. Letztes Jahr waren es weniger als 3000 Crown Vics pro Monat.
Gemeinden kaufen auf Vorrat ein
Kopfzerbrechen bereitet dieser Entscheid von Ford insbesondere die Polizeiabteilungen in der Peripherie. «Es ist, als verschwinde ein guter alter Freund», sagt ein Fan in Uniform. Rund 70 Prozent aller Streifenwagen in Amerika sind aufgemotzte Crown Victoria, die unter dem Modellnamen «Police Interceptor» vertrieben wurden. Landesweit fragen sich die Gesetzeshüter, ob sie sich nun mit den letzten erhältlichen Fahrzeugen eindecken oder Alternativen prüfen sollen.
In South Carolina ist der Entscheid gefallen: «Hier verschwindet eine Legende», sagt Keith Summey, der Stadtpräsident von North Charleston. Seine Gemeinde will in den kommenden Monaten 40 Crown Vics leasen. Die Nachbarstadt Mount Pleasant hat sich bereits mit 25 neuen Streifenwagen eingedeckt, Kostenpunkt 22800 Dollar pro Fahrzeug. Der Crown Vic «ist wie ein Panzer», sagt Eric DeMousa, der Geschäftsführer der Stadt an der Atlantikküste. Auch Charleston will sich noch 35 Fahrzeugen beschaffen. Davon profitierten die Steuerzahler, beteuern die Stadtväter. Da der Crown Victoria seit Jahrzehnten im Grossen und Ganzen aus denselben Bestandteilen zusammengebaut wird, dienen alte Fahrzeuge als Ersatzteillager.
Konkurrenz wittert ihre Chance
Ford versucht nun, den Kunden den neuen «Police Interceptor» schmackhaft zu machen. Er beruht auf dem Mittelklassewagen Taurus und ist in zwei Versionen erhältlich. «Das wird uns eine ganze Stange mehr Geld kosten», sagt ein Polizist in Iowa. Darum wittert die Konkurrenz eine Chance. «2011 ist eine aufregende Zeit für das Geschäft mit dem Flotten-
park der Polizei», sagt ein Sprecher von Chrysler. Der Ford-Konkurrent hat sich vorbereitet. Der Charger – Marktanteil in Polizeidirektionen: 14 Prozent – wurde aufpoliert und hofft auf den Durchbruch. Das schlagende Element für das bullige Auto: Bei Verfolgungsjagden auf Strassen sei er sehr effizient. «Andere Fahrzeuge können da nicht mithalten», so ein Polizist.