«Haben Sie Ihre Supercard dabei?» Die Frage taucht seit 15 Jahren regelmässig an der Coop-Kasse auf. Supercard gilt als eines der erfolgreichsten Kundenbindungsprogramme der Schweiz. Vier Millionen Supercard-Konten sind aktiv, auf ihnen haben die Nutzer seit dem Jahr 2000 einen Berg von über 20 Milliarden Punkten angespart. Doch der zunehmende Erfolg der Aktion hat Folgen. In der Bilanz müssen Hunderte von Millionen an Rückstellungen gemacht werden. Rückstellungen dafür, weil Kunden die mit ihrem Einkauf gesammelten «Rabattmärkli» nicht sofort einlösen wollen, sondern sammeln.

Letztes Jahr kündete der Grossverteiler eine Bereinigung der Punktesituation an. So führte er im September zwei sogenannte Supercash-Tage durch. In fast allen 1500 Läden der Gruppe – vom Interdiscount bis zur Importparfümerie – konnten ganze Einkäufe, und nicht wie bis anhin nur Wein und andere Produktgruppen, mit Punkten bezahlt werden. Dabei entsprachen 100 Superpunkte einem Wert von einem Franken.

Das Angebot wurde offenbar rege genutzt. Insgesamt wurden allein im September gegen vier Milliarden Superpunkte abgebaut. Dies bestätigt Coop-Sprecher Ramón Gander gegenüber der «Nordwestschweiz». Laut Gander sei zudem der gesamte Prämienbereich überarbeitet worden. Etwa mit einem Ticketshop, wo man Superpunkte für Event-Tickets einlösen kann. Kunden berichten, dass sie häufiger mit Prospekten über neue Prämien beliefert werden.

Keine langfristigen Rückstellungen

Die Buchhalter können also aufatmen. Dies zeigt ein Blick in die jüngste Coop-Bilanz vom Jahr 2014, die letzte Woche veröffentlicht wurde. Offenbar konnten vor allem die langfristigen Rückstellungen, die im vergangenen Jahr mit 16 Millionen Franken in den Büchern lagen, aufgelöst werden. Die verbleibenden 192 Millionen Franken an «Supercard-Rückstellungen» sind nur noch unter dem Bilanzposten «kurzfristige Verbindlichkeit» aufgeführt. Im letzten Jahr waren es insgesamt 216 Millionen Franken. Wohlgemerkt: Der Umsatz der Gruppe belief sich im letzten Jahr auf 27,2 Milliarden Franken. Ob eine Aktion auch in diesem Jahr durchgeführt wird, lässt Coop offen.

Die Reduktion der Punkte war das eine. In einem weiteren Schritt wollte Coop im letzten Jahr auch herausfinden, welche Kunden ihre Karten tatsächlich aktiv noch benötigen. Eine Ankündigung in der hauseigenen Coopzeitung sorgte zunächst für Verwirrung. Nur wer seine Supercard bis zum 1. Dezember 2014 erneut einsetze, verhindere eine Löschung der Superpunkte, hiess es zunächst. Der Hinweis in der Coopzeitung sei lediglich ein Reminder aus den Allgemeinen Geschäftsbedingungen gewesen, so Gander dazu. Sie besagen, dass Superpunkte grundsätzlich verfallen, wenn die Supercard über 12 Monate nicht gezeigt werde. Die Punkte lassen sich danach jedoch nachträglich reaktivieren.

Und wie ist es bei der Migros? Auch das Kundenbindungsprogramm Cumulus, das es seit 1997 gibt, ist erfolgreich. Rund 80 Prozent aller Schweizer Haushalte nutzen die Cumulus-Karte. Doch das Migros-System belastet die Firmen-Bilanz ganz gering. Während Superpunkte aktiv eingesetzt werden müssen, erhalten Cumulus-Karteninhaber alle zwei Monate per Post Wertbons (pro 500 Punkte 5 Franken). Migros verschickt alle zwei Monate an 2,2 Millionen Haushalte blaue Cumulus-Bons. Diese sind zwei Jahre gültig. Laut Migros-Sprecherin Christine Gaillet liegt die Einlöse-Quote der Bons inzwischen bei rund 97 Prozent. Das Konto ist nach dem Einlösen immer wieder bei nahezu null.