Die gute Nachricht des Tages kam aus den Glarner Alpen. Zum allerersten Mal nahm die Axpo dort das Pumpspeicherkraftwerk Limmern ans Netz. Ein Meilenstein für das Jahrhundertprojekt «Linthal 2015», sagte Axpo-Chef Andrew Walo, der genau wie die versammelte Presse das Spektakel live auf Grossleinwand während der Bilanzmedienkonferenz in Zürich verfolgte. Der Rest des Vormittags war für Walo weniger erfreulich.

Einen Verlust von fast einer Milliarde Franken musste der CEO des Badener Stromkonzerns erklären. Dies, obwohl die Axpo im Geschäftsjahr 2014/15 operativ gut unterwegs war. Deutlich mehr Strom und Gas als im Vorjahr wurden verkauft. Der Umsatz jedoch sank um 15 Prozent. Axpos Strom wird immer weniger wert. Das liegt am tiefen Strompreis und am starken Franken.

Seit 2011 geht der Preis abwärts
Ähnlich wie Wertpapiere, wird auch Strom an der Börse gehandelt. Massgeblich für den Preis für Strom aus Schweizer Wasser- und Kernkraftwerken ist die Europäische Strombörse EPEX Spot mit Sitz in Paris und ihren Ablegern unter anderem in Leipzig und in Bern.

Nach heftigen Ausschlägen nach oben im Jahr 2008, als eine Megawattstunde kurzzeitig rund 90 Euro kostete, kennt der Preis seit 2011 nur noch eine Richtung: abwärts. Von 60 Euro pro Megawattstunde stürzte er binnen vier Jahren auf unter 30 Euro. Ein Grund dafür ist der vermehrte Einsatz von billigen Kohlekraftwerken in Deutschland sowie die stark wachsenden erneuerbaren Energien. Dass die Preise in absehbarer Zeit steigen, erwartet kaum jemand.

Die Grosskraftwerke in der Schweiz können zu den aktuellen Preisen nicht produzieren. Die Wertberichtigungen bei den hiesigen Kraftwerken — bei Axpo allein waren es insgesamt vier Milliarden über die vergangenen vier Jahre — sind zu einem grossen Teil auf die tiefen Strompreise zurückzuführen.

In diesem Jahr kommt ein zweites Problem hinzu: der starke Franken. Laut Axpo geht der Grossteil des diesjährigen Abschreibers auf den Frankenschock im Januar und die damit einhergegangene Frankenaufwertung zurück. Da Axpo den grössten Teil des produzierten Stroms in Euro verkauft, hat dies unmittelbare Auswirkungen.

Beznau noch unrentabler?
Frankenstärke und Strompreise führten zum 1,3 Milliarden Franken schweren Abschreiber, den Axpo bereits im September ankündigte und der sich jetzt in den Jahreszahlen niederschlägt. In diesem Umfeld stellt sich auch die Frage nach der langfristigen Rentabilität einzelner Kraftwerke.

So hat die Umweltorganisation Greenpeace eine Studie zur Finanzsituation von Axpo anfertigen lassen und gezielt gefragt, wie die Aussichten des derzeit stillstehenden Kernkraftwerks Beznau sind.

Die Autoren der Studie vom Beratungsbüro Profundo schätzen, dass Beznau künftig nicht nur unrentabel sei, sondern bald nicht einmal mehr einen Deckungsbeitrag erwirtschaften könne — übersetzt: Zuletzt konnte wenigstens ein Teil der Fixkosten gedeckt werden, ob dies künftig auch noch möglich sein wird, sei fraglich.

Axpo sieht das freilich anders: Beznau könne einen Deckungsbeitrag erwirtschaften und sei sicher, deshalb gehe das AKW wieder ans Netz und bleibe auch am Netz, sagt CEO Walo.

Weder den Franken noch die Börse kann Axpo direkt beeinflussen. Was aber geht, ist sparen. Hier hat Walo bereits den Hebel angesetzt: 91 Millionen Franken wurden im letzten Geschäftsjahr eingespart. Ab 2016/17 sollen es jährlich 200 Millionen Franken werden.

Hoffnungen in das Sparprogramm setzen auch die kantonalen Eigentümer der Axpo. So rechnet der Aargau ab 2018 wieder mit einer Dividende — und zwar in Höhe von «jährlich 5,1 Millionen Franken», wie das Finanzdepartement auf Anfrage mitteilte. Axpo lässt derweil wissen: Über die Entwicklung der Dividenden und über die Finanzplanung einzelner Kantone könne man nichts sagen.

Eines scheint zumindest klar: Sollte es 2018 wieder eine Dividende geben, wird «Linthal 2015» noch nichts beitragen können. Bis das Kraftwerk Geld abwirft, könnte es noch viele Jahre gehen.