Gleich zwei grosse Staatsbetriebe wurden in den vergangenen zwei Tagen von massiven Pannen heimgesucht: Ab Sonntagvormittag fiel das E-Banking der Postfinance vollständig aus. Rund 1,7 Millionen Kunden konnten nicht mehr über das Internet auf ihre Konti zugreifen. Das Problem dauerte mehr als 24 Stunden. Als Grund gab Postfinance «Serverprobleme» an. Diese können eine Vielzahl von Ursachen haben.

Am Dienstagmorgen traf es dann die SBB: Nicht nur mussten wegen einer Fahrleitungsstörung zahlreiche Passagiere zwischen Zürich und Luzern grössere Verspätungen in Kauf nehmen, auch der Ticketverkauf über die digitalen Kanäle funktionierte nicht wunschgemäss. Weil beim Umzug einer Datenbank Probleme auftauchten, konnten SBB-Kunden über die App und den Online-Ticketshop während fünf Stunden keine Billette mehr kaufen. Auch an den Ticketgeräten in den Bahnhöfen wurden vereinzelte Verbindungen nicht mehr angezeigt.

Kulante Kontrolleure

Gemäss Angaben der SBB werden mittlerweile vier von fünf Tickets über Selbstbedienungskanäle verkauft – also über die Smartphone-App, die Homepage oder die Ticketgeräte. Als Sofortreaktion informierten die Bundesbahnen ihre Zugbegleiter und wiesen sie an, gegenüber den Kunden Kulanz zu zeigen und im Zug zuschlagsfrei Tickets zu verkaufen.

Obwohl aufgrund des Schneefalls einige «Autofahrer» zusätzlich auf den Zug umgestiegen sein dürften, fährt morgens der überwiegende Teil der Passagiere jedoch ohnehin mit einem Streckenabonnement. Die Kontrollgeräte waren von der Panne nicht betroffen.

Zunehmende Instabilität?

Die beiden Fälle von SBB und Postfinance haben direkt zwar nichts miteinander zu tun. Und doch weisen sie Gemeinsamkeiten auf: Es waren Teile ihrer Online-Angebote, die bei den betroffenen Unternehmen ausfielen – Angebote, die es vor der laufenden Digitalisierungswelle so noch nicht gab. «Die Pannen zeigen auf, dass wir mittlerweile auf Gedeih und Verderben der Technik ausgeliefert sind», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz.

Stalder fordert, dass die Unternehmen Personen mit Sicherheits- oder Datenschutzbedenken zwingend eine analoge Alternative ohne Mehrkosten anbieten. Was SBB wie Post mit ihrem – allerdings abnehmenden – Schalterangebot durchaus tun. Im Fall der Bundesbahnen gibt es zudem eine Telefonhotline.

Christoph Hugenschmidt, Verleger des Onlinemagazins Inside-it.ch, hat «subjektiv das Gefühl», dass die Stabilität der entscheidenden IT-Systeme in jüngster Vergangenheit geringer geworden ist. Er führt dies auf den «unglaublich starken Drucks zur Digitalisierung» zurück. Und er rät den Konsumenten, immer auch ein Backup zur Hand haben – etwa Bargeld oder ausgedruckte Tickets.