Das grosse Thema im Schweizer Detailhandel ist der Einkaufstourismus. Dank dem starken Schweizer Franken lohnt es sich für viele Schweizer ennet der Grenze einzukaufen. Das bekommt die Migros besonders in den grenznahen Regionen deutlich zu spüren. Ausserdem wird sich der neue Migros-Chef um Firmenspezifisches kümmern müssen:

Die Grösse

2016 erzielte die ganze Migros-Gruppe einen Umsatz von 27,7 Milliarden Franken. Wie wichtig die Migros für die Schweiz ist, zeigt eine weitere Zahl: Die Migros kauft rund ein Drittel der gesamten landwirtschaftlichen Produktion der Schweizer Bauern auf. Seit Jahrzehnten liefert sich die Migros ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Coop.
Auf Konzernebene zog Coop im letzten Jahr an der Migros vorbei. Klar ist, dass die Migros im Detailhandel nur noch bei den kleinen Läden, etwa an Tankstellen, ausbauen kann. Der Umsatz bei Migrolino erhöhte sich im letzten Jahr um 49 Millionen Franken auf 431 Millionen, das sind 12,9 Prozent. Per Ende 2016 zählte Migrolino total 307 Shops, davon 59 Stand-alones und 248 Tankstellen-Shops. Woher das weitere Wachstum kommt, das ist die grosse Frage.

Die Struktur

Die Welt der Migros ist gross und zweigeteilt: auf der einen Seite die zehn regionalen Genossenschaften und auf der anderen der Migros-Genossenschaftsbund (MGB). Die Genossenschaften kümmern sich vor allem um den Detailhandel. Eingeschränkt sind ihre Aktivitäten im Ausland. Der MGB hingegen ist Eigentümer diverser Handelsbetriebe, darunter Denner, Globus oder Tankstellenbetreiber Migrol.
Daneben kontrolliert er die Industriebetriebe. Auch die Migros Bank und das Reiseunternehmen Hotelplan gehört dazu. Während unter Hansueli Loosli bei Coop seit 1999 die Struktur vereinheitlicht und einige Teile verkauft wurden, ist die Migros nach wie vor sehr dezentral organisiert. So stellt sich die Frage, in wie fern das strategische Geschäftsfeld Reisen mit Hotelplan noch dazugehört. Im vergangenen Jahr war es mit schwierigen geopolitischen Ereignissen in einigen Kerndestinationen konfrontiert. Gesamthaft verringerte sich der Netto-Umsatz von Hotelplan Group um 1,6 Prozent auf 1,284 Milliarden Franken.

Die Gesundheits-Frage

Die Migros war zuerst ein Start-Up mit disruptiven Charakter: Gottlieb Duttweiler (1888–1962) gründete die Migros als eine Aktiengesellschaft, erst später wurde daraus eine Genossenschaft. «Duttis Idee »war es mit Verkaufswagen von Ort zu Ort fahren und wenige, dafür günstige Grundnahrungsmittel anzubieten. In den letzten Jahren wurde aus der Migros ein «Oranger Riese». Wachsen will die Migros im Internet. So ist sie beim Online-Händler Digitec eingestiegen.
Stärker mitreden wollen die Migros-Manager im Geschäft mit der Gesundheit, etwa mit den Gesundheits- und Fitnesszentren. Fabrice Zumbrunnen hat sich als Leiter des Departementes HR, Kulturelles & Soziales, Freizeit im MGB intensiv mit dem Gesundheitsmarkt befasst und erschloss mit den Akquisitionen der Gesundheitszentren Medbase und Santémed für die Migros diesen Bereich. Letztes Jahr wurde unter seiner Federführung auch die digitale Gesundheitsplattform Impuls lanciert. Durch die Wahl Zumbrunnens hat die Migros-Verwaltung unter Andrea Broggini klar auf dieses Thema gesetzt.

Das Ausland

Die Migros fährt im Ausland eine ganz andere Strategie als Coop. So ist die Migros in Frankreich mit Migros France, in Deutschland und Österreich mit der der Tegut-Gruppe und der Gries-Deco-Gruppe im Detailhandel tätig. Im Vergleich zum Vorjahr resultierte in diesen Geschäften in Euro gerechnet ein Umsatzwachstum von 3,9 Prozent, umgerechnet in Schweizer Franken erhöhte sich der nominale Umsatz um 108 Millionen Franken auf 1,780 Milliarden Franken. Das ist ein Plus von 6,4 Prozent.
Im Ausland tätig ist auch die M-Industrie. Sie verkauft nicht nur Schweizer Fabrikate, sondern produziert etwa Kosmetikprodukte in England und Süssigkeiten in den USA. Der Umsatz der M-Industrie ist 2016 um 2,1 Prozent auf 6,389 Milliarden Franken gewachsen. Das internationale Geschäft entwickelte sich hier mit einem Plus von 16 Prozent sehr erfreulich. Coop hingegen hat unter dem Coop-Chef Hansueli Loosli im Herbst 2010 für geschätzte 700 Millionen Franken den Grosshändler Transgourmet gekauft. Dieser beliefert in ganz Europa Supermärkte. Heute zeigt sich, dass das Grosshandelsgeschäft als Wachstumsmaschine für Coop entpuppt. Letztes Jahr steigerte Transgourmet den Umsatz um 14,4 Prozent auf 8,5 Milliarden Franken. Der Grosshändler belieferte neu auch Supermärkte in Österreich.

Die Alkohol-Frage

Von Anfang an gab es in der Migros keinen Alkohol zu kaufen. Dieses Prinzip gilt auch heute noch. Es ist jedoch aufgeweicht. Im Denner, in den Migrolinos, beim Globus und auf der Plattform LeShop werden Alkohol und Zigaretten verkauft. Im Management wird regelmässig auch die Alkohol-Frage diskutiert.

Das sind alle Migros-Chef von der Gründung bis heute: