«Seit heute habe ich einen neuen Steuerberater», sagt ein Kunde der Neuen Aargauer Bank gegenüber der az. Dazu gedrängt habe ihn ein neues Schreiben seiner Bank, das Ende Februar ins Haus geflattert sei (Ausschnitt unten). Der Kunde besitzt nämlich neben der Schweizer Staatsbürgerschaft auch einen Pass der Vereinigten Staaten.

Und damit gehört er zu jener Kundengruppe, die bei der Neuen Aargauer Bank, einem Tochterunternehmen der Credit Suisse, wegen der laufenden Untersuchungen der US-Behörden als Risiko eingestuft werden muss.

Auszug aus dem Brief der Neuen Aargauer Bank.
Auszug aus dem Brief der Neuen Aargauer Bank.

Der Brief ist gemäss bankinternen Quellen eine gruppenweite Aktion der Credit Suisse. US-Kunden müssen schriftlich bestätigen, dass sie die Steuererklärung für das Jahr 2010 in den USA eingereicht haben. Zudem müssen sie den Namen ihres Steuerberaters bekannt geben.

Wer nicht spurt, fliegt hinaus

Die Credit Suisse und ihre Aargauer Tochter haben laut Angaben der CS-Quellen schätzungsweise 2000 bis 4000 US-Kunden angeschrieben. Bis zum 23. April 2012 müssen die Kunden antworten. Wer die verlangten Informationen nicht liefert, dem wird gekündigt.

Dass sich die Banken derart weit in die Privatsphären ihrer Kunden einmischen, stösst bei den Betroffenen nur zum Teil auf Verständnis. «Ich habe zum ersten Mal ein sol-
ches Schreiben bekommen und habe mich darüber geärgert», sagt der Kunde der Neuen Aargauer Bank. Er habe nur ein kleines Vermögen. «Der ganze Aufwand scheint mir grotesk, der Stress mit den USA ist aber offenbar so gross, dass Schweizer Banken befürchten, selbst wegen kleiner Fische verklagt werden zu können», sagt der schweizerisch-amerikanische Doppelbürger.

Keine neue Datenlieferung

Bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) ist im Fall Credit Suisse derzeit ein Amtshilfeverfahren der USA hängig. Zum aktuellen Stand des Verfahrens könne man aufgrund der Vertraulichkeit nichts sagen, so ein Sprecher auf Anfrage. Bekannt ist aber, dass die ESTV die Credit Suisse im vergangenen November aufgefordert hatte, bis zum 20.Dezember einen Zustellungsbevollmächtigten für jeden US-Kunden zu bezeichnen.

Zudem mussten die amerikanischen Kunden mit ihrer Unterschrift dazu einwilligen, dass die ESTV ihre Kontoinformationen direkt an die US-Steuerbehörde (IRS) weiterleiten darf. Gemäss dem «Tages-Anzeiger» hat die Credit Suisse die Daten im Februar ans IRS geliefert. Es war von 130 betroffenen Personen die Rede, doch im Umfeld der Credit Suisse wird diese Zahl als zu tief erachtet.

Der neue Brief steht in keinem direkten Zusammenhang zu diesem Amtshilfeverfahren, sagen die CS-Quellen. Es wird dadurch also keine neue Datenlieferung in die USA ausgelöst. Aber die Bank müsse sicherstellen, dass die Geschäftsbeziehungen mit US-Kunden im Einklang mit sämtlichen Vorschriften und Regeln stünden, so der Banker.