Dieses Jahr hat die Axpo den Kantonen noch 74 Millionen Franken an Dividende ausbezahlt. Gibt es nächstes Jahr wieder Geld — trotz des Rekordabschreibers von 1,5 Milliarden Franken?

Robert Lombardini: Das entscheiden die Aktionäre an der Generalversammlung. Der Verwaltungsrat der Axpo entscheidet über einen angemessenen Antrag. Und diesem Entscheid kann ich nicht vorgreifen. Doch ich stelle eine Gegenfrage: Würden es die Menschen verstehen, wenn wir den Kantonen eine Dividende ausschütten, obwohl die Axpo so hohe Abschreibungen vornehmen muss und so wenig Geld verdient?

Die Kantone, denen die Axpo gehört, dürften das anders sehen. Sie wollen ihr Kapital verzinst haben.

Die Kantone sehen das unterschiedlich. Natürlich haben die Kantone grundsätzlich Anspruch auf eine Dividende. Aber diese muss angemessen sein im Verhältnis zum Ertrag, zu den Aussichten und zur Bilanz der Axpo.

Was denken Sie persönlich über eine Dividende?

Im Verwaltungsrat der Axpo bin ich der Einzige, der keinen Kanton vertritt. Und als Verwaltungsratspräsident bin ich gewählt und bezahlt, damit ich das Beste für die Axpo heraushole. Die Kantone als Besitzer sind natürlich wichtig, aber zuerst kommt für mich die Axpo.

Werden Sie sich mit dieser Position gegen die Kantonsvertreter im Verwaltungsrat durchsetzen können? Diese stehen ebenfalls unter Spardruck und rechnen mit dem Geld der Axpo.

Das ist sicher ein sehr schwieriger Entscheid. Aber die erste Priorität muss sein, dass die Axpo dieses Tal der Tränen möglichst gut überlebt. Denn wenn wir aufgrund einer geschwächten Bilanz ein schlechteres Rating erhalten, steigen unsere Zinskosten und wir verdienen noch weniger Geld. Wenn das einmal beginnt, geraten wir in einen Teufelskreis.

Wo liegt denn genau das Problem, dass die Axpo mit ihren Stauseen und AKWs kaum noch Geld verdient?

Deutschland verbrennt so viel Kohle wie nie und subventioniert Wind- und Solarenergie massiv. Das verhindert einen fairen Wettbewerb auf dem Strommarkt. Es geht gar nicht mehr darum, wer am effizientesten arbeitet, sondern nur noch darum, wer am meisten Subventionen bekommt. Mit Energiewende hat das nichts zu tun. Denn eigentlich hätten wir mit unseren Wasserkraftwerken und AKWs ja CO2-freien Strom.

Wie lange wird das noch so weitergehen?

Das kann noch fünf oder sogar zehn Jahre dauern. Falls das wirklich so lange geht, müssen wir auf jeden Franken achten, um gut zu überleben.

Können Sie nicht mehr sparen?

Wir specken schon jetzt überall dort ab, wo es nur irgendwie möglich ist. Unser CEO Andrew Walo macht da einen Parforceritt. So schliessen wir etwa den Standort Zürich und bauen 300 Stellen ab. Auch hier stelle ich wieder die Frage: Darf ein Unternehmen Dividende ausschütten, wenn es so viele Stellen abbauen muss und die Aussichten trüb sind?

Es sieht fast so aus, als wollte Herr Walo in seinem ersten Jahr als CEO alle Altlasten vom Tisch haben.

Ich habe Herrn Walo dazu ermuntert, alles so darzustellen, was einer realistischen Einschätzung unserer Zukunft nach den Regeln der Rechnungslegung (IFRS) entspricht. Wir wollen nicht, dass wir jedes Jahr wieder mit neuen Abschreibungen kommen müssen.

Können Sie garantieren, dass dies nicht mehr der Fall sein wird?

Nein. Wenn der Strompreis wider Erwarten nochmals spürbar sinken sollte, müssen wir nochmals abschreiben. Niemand weiss, wo die Talsohle ist, auch wir nicht.