Der demografische Wandel schreitet unerbittlich voran. Die Zahl der über 65-Jährigen wird in den nächsten fünfzig Jahren von unter 20 Prozent auf knapp ein Drittel der Gesamtbevölkerung ansteigen. Mit der Überalterung der Gesellschaft verändert sich auch der Bedarf an Wohnraum. So dürfte mittelfristig die Nachfrage nach altersgerechten Wohnungen stark zunehmen, doch deren Knappheit verzögere den Prozess zum «autonomen Wohnen». Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Immobilien-Studie von Fahrländer Partner und BAK Basel.
Wie ist dieser Befund zu deuten? Die Umzugsneigung im Alter habe massiv zugenommen, sagt Sozialgeografin Corinna Heye. «Mit dem Austritt aus dem Berufsleben zwischen 60 und 65 steigt der Wunsch, das Einfamilienhaus an die nächste Generation weiterzugeben.» Doch häufig scheitere das Vorhaben, weil Alternativen fehlten. Mit der Konsequenz, dass die «Golden Agers» wider Willen in ihren Einfamilienhäusern wohnen bleiben. Denn die Mehrheit der älteren Menschen ist verständlicherweise nicht bereit, ihr soziales Netz aufzugeben. Daraus folgt eine zweite Umzugswelle mit über 75. Dann aus gesundheitlichen Gründen mit Destination Alters- oder Pflegeheim. Ein Schritt, der häufig nicht mehr aus freien Stücken geschieht.
Einkaufen in nächster Nähe
Sozialgeografin Heye beobachtet das Phänomen der fehlenden Alterswohnungen zum einen in Agglomerationen wie dem Knonauer Amt oder Mutschellen. Gebiete, die sich durch eine hohe Einfamilienhausdichte auszeichnen. Zum anderen aber auch in Kleinstädten mit Zentrumsfunktion wie Uster, Thun oder Baden.
Gerade für ältere Menschen, die nach dem Erwerbsleben der Stadt den Rücken kehren, wären solche Kleinstädte äusserst attraktiv: Einkaufsmöglichkeiten in nächster Nähe, ein breites Kulturangebot und gleichsam weniger Hektik als in Metropolen wie Bern, Basel oder Zürich. Doch gerade Privatinvestoren – sie sind mit über 50 Prozent am Mietwohnungsmarkt vertreten – hätten häufig noch ein falsches Bild von altersgerechtem Wohnen, meint Heye: Es gehe gerade nicht darum, Siedlungen für ältere Personen zu bauen, denn deren Präferenzen seien praktisch identisch mit denen jüngerer Haushalte. «Ob Lift oder Schwellenfreiheit, heutige Neubauten erfül-
len bereits alle Anforderungen.» Vielmehr gelte es, Alten-Gettos zu vermeiden. Hier seien auch die Behörden gefordert, Investoren bei Renovationen von Altbauten beratend zur Seite zu stehen.
Schliesslich sorgt das indirekt in den Gemeinden auch für die gewünschte Durchmischung: «Wenn die 60- bis 65-Jährigen ihre Häuser weitergeben können, sind deren Kinder auch im passenden Alter, diese zu übernehmen.»